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 Weltenträumer

Autoren: Sergej Lukianenko
Übersetzer: Christiane Pöhlmann
Verlag: Heyne

Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Rasant und äußerst skurril waren die Ereignisse aus http://www.media-mania.de/index.php?action=rezi&p=7&id=7277 " target="_blank">"Weltengänger", dem ersten Teil einer Dilogie aus der Feder des russischen Starautors Sergej Lukianenko: Da verlor der Protagonist Kirill Maximov erst seine Wohnung an eine Fremde, dann seinen Job, seine Kontakte, seine Freunde, seine Identität - kurzum, er wurde ausgelöscht aus dem Gedächtnis aller, die ihn bisher kannten und liebten. Kirill kam den merkwürdigen Ereignissen nach und nach ein wenig auf die Spur, lebte eine Zeitlang zufrieden als Zöllner-Funktional in einem Zollturm und öffnete Türen zu anderen Welten, bis er eine gigantischen Verschwörung auf die Spur kam, Menschen töten musste, darunter ein hochrangiges Hebammenfunktional, und dann von seinem besten Freund Kotja verraten und fast ermordet wurde.
Hier setzen die Ereignisse des zweiten Teils "Weltenträumer" ein - die russischen Titel der beiden Romane, nämlich "Tschernowik" (Rohschrift, Entwurf) und "Tschistowik" (Reinschrift, Endfassung) sind übrigens bedeutend passender als die fantasyhaft anmutenden deutschen Titel; bei diesem Thema beweist Heyne ja häufiger kein glückliches Händchen. Ohne Kenntnis des ersten Teils sollte man sich an "Weltenträumer" übrigens nicht heran wagen, da man kaum etwas verstehen wird.

Kirill ist nun kein Funktional mehr, was seine guten Seiten hat, denn er ist nun nicht mehr an seine Funktion - sprich: seinen Turm - gebunden und kann sich frei bewegen. Andererseits ist er auf der Flucht, man trachtet nach seinem Leben, und seine übermenschlichen Fähigkeiten scheinen auch abhanden gekommen zu sein. Kirill will das Geheimnis um die Parallelwelten und deren Portale aufklären. Ist Arkan, "Erde-1", wirklich der Ausgangspunkt aller Dinge, oder steht dahinter noch eine größere Macht, die auch Arkan lenkt?
Wer ist der Drahtzieher hinter den mysteriösen Geschehnissen, wer bestimmt die Funktionale und Kuratoren, wer lenkt den Lauf der menschlichen Geschichte und setzt Menschen als Versuchskaninchen ein?
Kirill begibt sich auf eine Reise durch weitere Parallelwelten - manche scheinen Utopien, manche sind Dystopien, viele ähneln seiner Erde, andere sind unbewohnbar, karg und wüst. Dabei trifft der junge Mann andere Funktionale und kommt den Drahtziehern immer weiter auf die Spur. Er ist fest entschlossen, das "Herz der Finsternis", die Heimat der wahren Urheber des ganzen, zu finden und das Rätsel zu lösen …

Wieder spielt Lukianenko gekonnt mit einer Vielzahl von Theorien, Welten und Weltentwürfen, die vielerlei geschichtliche und philosophische Gedanken beinhalten und interessante Gedankenkonstrukte anstoßen. Was beeinflusst den Lauf der Geschichte? Wie hätte sich die Menschheit entwickelt, hätte nur ein einziger bedeutender Autor eines seiner Werke nicht verfasst? Wohin wären Religion und Forschung gegangen, wenn sich nur ein kleiner Unterschied aufgetan hätte in der Welt, wie wir sie kennen?

Eingebettet sind all diese Gedankenspielereien in Kirills Odyssee durch die zahlreichen Parallelwelten, die er auf seiner Flucht bereist. Der Ton ist nach wie vor selbstironisch, aber insgesamt ist der Roman nicht mehr so witzig wie sein Vorgänger - und wirkt leider auch weniger gut durchdacht und dadurch weniger unterhaltsam. Die Handlung geht recht schleppend voran, denn zu Beginn sind Kirills Fluchten sozusagen Stippvisiten in andere Welten, die kaum relevant sind und vor allem sehr kurz. Erst der Besuch in der theokratisch geprägten Welt Feste bringt das Buch endlich voran.
Actionreiche und spannende Momente, die den Leser im ersten Teil Seite um Seite atemlos umblättern ließen, sind hier aber viel rarer gesät. Am Ende wird die Handlung sogar etwas wirr, und vor allem gibt es weder Antworten auf die Fragen, die man während der Lektüre angesammelt hat, noch eine angemessene Auflösung, denn die "Erklärung" des ganzen ist eigentlich keine und damit sehr unbefriedigend.
Zwar liest sich "Weltenträumer" aufgrund von Lukianenkos angenehmem Schreibstil doch flüssig und zügig, aber man ist nicht mehr so begeistert, ist nicht mehr so angetan von der ganzen Idee, als hätte der Autor sein Pulver nur allzu früh verschossen im ersten Teil der Dilogie. Dort war ja bereits die Ausgangskonstellation, in der Kirill aus seinem alten Leben geworfen wird, extrem reizvoll.

Um die Geschichte um den sympathischen Kirill Maximov zu Ende zu bringen, sollte man dieses zweite Buch auf jeden Fall lesen - Fans des russischen Autors werden sicherlich auf ihre Kosten kommen - doch so gelungen wie Teil eins ist dieser Band leider nicht. Er hinterlässt zwar einige Denkanstöße, aber doch einen schalen Beigeschmack. Zusammengenommen ist die Dilogie aber auf jeden Fall lesenswert!

Christina Liebeck



Taschenbuch | Erschienen: 01. August 2008 | ISBN: 9783453524606 | Originaltitel: Tschistowik | Preis: 14,00 Euro | 496 Seiten | Sprache: Deutsch

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