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 Der Horrorfilm - Monster, Mythen und Mutanten

Versuch einer Genreanalyse


Cover
Gesamt +----
Anspruch
Aufmachung
Preis - Leistungs - Verhältnis


Der Horrorfilm - ein weites Feld, das in der Wissenschaft seit noch gar nicht so langer Zeit ernst genommen und entsprechend sachlich behandelt wird. Auch als Seminararbeit bietet sich das Thema durch einen wachsenden Literaturapparat und fortschreitende Forschungsergebnisse immer mehr an. Im Grin Verlag erschien nun die Studienarbeit "Der Horrorfilm - Monster, Mythen und Mutanten" von Jens Morgenthaler.

Die aus dem Sommersemester des Jahres 2003 an der Schweizer Université de Fribourg stammende Studienarbeit umfasst neunzehn Seiten, wie es für die wissenschaftliche Arbeit von Studenten angemessen ist. Für den stattlichen Preis von fast dreizehn Euro muss also offenbar ein fundiertes und wegweisendes Stück Forschungsliteratur entstanden sein.

Nach einer üblichen Einführung versucht sich Morgenthaler mithilfe von einschlägiger Fachliteratur an einer Definition des Genres, in der er bereits einige Filme nennt, anhand derer er Subgenres klassifiziert. Ebenso fallen die ersten Namen wie Georg Seeßlen - einer der bekanntesten deutschen Filmkritiker und Autor zahlreicher Werke zu Film und Fernsehen -, auf deren Ergebnisse Morgenthaler im Folgenden teilweise aufbaut.
Auf knapp fünf Seiten folgt der Versuch, die Entwicklung des Genres kenntlich zu machen. Viele berühmte Klassiker wie "Nosferatu" (1922) und "Frankenstein" (1931), "Psycho" (1960) und "Rosemary¬ís Baby" (1968) werden genannt, ohne den konkreten Bezug zum Thema herzustellen, hinzu kommt eine kurze Betrachtung der Ursprünge anhand der Schauerliteratur des achtzehnten Jahrhunderts, die als Grundlage des Horrorfilms natürlich nicht ausreichend ist.
Anschließend wagt sich Morgenthaler an Theorieansätze und Deutungsversuche, die eine starke psychologische Komponente in sich tragen und vor allem durch Sigmund Freuds Schriften konstatiert werden, wodurch eine recht einseitige Betrachtungsweise entsteht. Unter anderem wird die Wechselwirkung zwischen Horrorfilm und Gewaltbereitschaft, ein in den Medien häufig einseitig dargestelltes Thema, betrachtet. Schlussbemerkungen und eine Literaturliste schließen die Arbeit ab.

Jonas Morgenthaler wagt sich mit seiner Proseminararbeit auf ein weitläufiges Terrain, indem er sich nicht auf eines der zahlreichen Themen zum Horrorfilm beschränkt, sondern alles zusammen in gerade einmal zwanzig Seiten packen will. Dass dies ein unmögliches Vorhaben ist, wird schon bei Betrachtung der Inhaltsangabe deutlich: Fünf Seiten für die Genreentwicklung und sieben weitere für Theorieansätze und Deutungsversuche zu veranschlagen, grenzt an Größenwahn. Nicht ein einziges Thema - die da wären Ursprünge des Horrorfilms, Entwicklung des Horrorfilms, psychologische und psychoanalytische sowie gesellschaftlich orientierte Deutungsansätze - wird auch nur annähernd intensiver behandelt, Namen von Filmwissenschaftlern, Filmtitel und Autorennamen werden manchmal scheinbar willkürlich eingebracht und selten bis nie eingehender betrachtet. So entsteht eine Arbeit, die viel zu oberflächlich und aussageschwach ist, um als wissenschaftliches Werk zum Horrorfilm ernst genommen zu werden.

Zu den inhaltlichen Abstrichen kommen formale Mängel hinzu: Ein fehlendes Lektorat, ein liebloses Design des Heftes und eine unvollständige Literaturliste sorgen für Verdruss und Ärger beim Lesen, vor allem in Anbetracht des für gerade mal zwanzig Seiten umfassenden Heftes doch recht mageren Informationsgehalts. Und dafür einen solchen Preis zu verlangen, ist mehr als unverschämt.

Um sich einen ersten oberflächlichen Eindruck vom Genre des Horrorfilms zu machen, ist die Studienarbeit durch ihre zahlreichen, nur marginal angerissenen Themen und die wissenschaftliche Herangehensweise ebenso wenig zu empfehlen wie für eine tiefer gehende Einarbeitung in das Thema. Auf zwanzig Seiten wurde versucht, ein komplexes Genre komplett darzustellen und zu analysieren, und das kann einfach nicht gelingen. Da gibt es wesentlich umfassendere und bessere wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit dem Horrorfilmgenre auf dem Markt.

Tina Klinkner



Magazin / Heft | Erschienen: 01. Oktober 2007 | ISBN: 9783638817882 | Preis: 12,99 Euro | 20 Seiten | Sprache: Deutsch

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