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 Velvet Assassin


Cover
Gesamt ++++-
Action
Anspruch
Aufmachung
Bedienung
Bildqualität
Brutalität
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Strategie
Ton
Leichen durch Schleichen: Im Spiel „Velvet Assassin“ geht es um die britische Geheimagentin Violette Summer, die im Zweiten Weltkrieg hinter den feindlichen Linien agiert und hochbrisante Aufträge gegen die Schergen des Dritten Reichs durchführt.

[imgleft]images/UploadGrafiken/1249307924VA_Shot02.jpg[/imgleft]Die Rahmenhandlung wird von Violette, die mit hohem Fieber im Krankenhaus liegt, aus dem Off erzählt. In ihren Träumen erinnert sie sich an ihre Einsätze während des Krieges. In den Missionen, von denen Violette erzählt, übernimmt der Spieler die Kontrolle über die schöne Spionin und steuert sie aus der Third-Person-Perspektive, wobei Bewegungen mittels klassischer WASD-Tastatursteuerung ausgeführt werden. Durch Gedrückthalten der Strg-Taste wird der Schleichmodus aktiviert, und Violette gleitet lautlos und fast unsichtbar durch die Schatten. Ein leichter violetter Schimmer um den Körper der Agentin zeigt dabei an, dass sie sich gut verborgen im Dunkeln befindet. Das ist der bevorzugte Bewegungsmodus von Violette, denn für großspurige Schusswechsel ist die Dame einfach nicht gut genug ausgerüstet. Und so schleicht man sich lieber leise von hinten an die Gegner heran, um sie hinterrücks abzumurksen, bevor diese überhaupt merken, dass jemand im Raum ist. Muss doch einmal die Knarre gezogen werden, dann empfiehlt es sich, schnell und vor allem genau zu zielen: Zum einen ist die Munition äußerst knapp bemessen, und zum anderen hält Violette bei weitem nicht so viel aus wie vergleichbare Computerspielkollegen. Glücklicherweise durchlebt der Spieler ja die fiebergeschwängerte Erinnerung an die Einsätze, sodass neben blankem Realismus auch Hilfe in Form von herumliegenden Morphiumspritzen geboten wird. Setzt man diese ein, so bekommt Violette im Krankenhaus das starke Schmerzmittel gespritzt, wodurch ihre Träume verschwimmen und sich die Zeit verlangsamt – die Agentin kann dann frontal auf einen Gegner zurennen, ohne bemerkt zu werden. Wie die Munition sind diese nützlichen Spritzen jedoch rar gesät; diese Variante der aus „Max Payne“ und anderen Spielen bekannten „Bullet Time“ kann nicht allzu oft eingesetzt werden. Gelegentlich sind auch Kleidungswechsel vonnöten: In der SS-Uniform kann sich Violette unerkannt offen bewegen, solange sie nicht ihre Waffe zieht oder zu nah an Feinde herangeht. Zusätzliche Abwechslung bieten Sammlerstücke und geheime Ziele, die beim Entdecken Charakterpunkte geben. Diese Punkte wiederum kann man für die Weiterentwicklung von Violettes Fähigkeiten nutzen, um bestimmte Eigenschaften zu stärken. Gespeichert wird an festen Punkten automatisch, eine Quicksave-Funktion ist nicht vorhanden – geschicktes Taktieren und eine gut ausgeprägte Kombinationsgabe sind demnach Pflicht, um unentdeckt durch die Level zu schleichen und die Missionen zu erfüllen. Wer erst schießt und dann nachdenkt, wird spätestens im zweiten Einsatz des Öfteren das Zeitliche segnen.

[imgright]images/UploadGrafiken/1249307917VA_Shot01.jpg[/imgright]„Velvet Assassin“, entwickelt von den deutschen Replay Studios in Hamburg, bringt Nachschub für alle Stealth-Action-Fans. Wer von Spielen wie „Splinter Cell“ nicht genug kriegen kann, sollte hier einen Blick riskieren, auch wenn der geneigte Gamer mit einigen Mankos leben muss. Doch zunächst zu den guten Seiten des Spiels: Die Hintergrundgeschichte ist höchst spannend und wendungsreich – und atmosphärisch brillant in Szene gesetzt noch dazu. Relativ kurze Videosequenzen lassen blitzlichtartig Augenblicke lebendig werden, von denen man zunächst gar nicht einschätzen kann, zu welchem Zeitpunkt sie sich zugetragen haben. Erst nach und nach puzzelt sich die clevere und packende Story zusammen, was für einen erheblichen Suchtfaktor von Beginn an sorgt. Auch die Spielmechanik kann in weiten Teilen überzeugen. Die unterschiedlichen Missionsziele und das variantenreiche Taktieren, das nur durch die erfolgreiche Mischung aus Verkleiden, Anschleichen, Ausspähen und beinharten Schusswechseln gelingen kann, motiviert immer wieder aufs Neue. So weit, so klasse, und selbst bei der nicht ganz perfekten Grafik werden nur Besitzer von High-End-Maschinen das Murren anfangen, denn der Ansehnlichkeit des Spiels tut diese Engine keinen Abbruch.

[imgleft]images/UploadGrafiken/1249307932VA_Shot05.jpg[/imgleft]Erste Schwächen zeigt eine genauere Betrachtung des Leveldesigns: Teilweise ist nicht ersichtlich, warum man manche Beleuchtungskörper abschalten kann, während andere selbst durch Schrotkugeln nicht kaputtzukriegen sind. Genauso verhält es sich mit Kisten und anderen verschiebbaren Gegenständen: Nur bestimmte Objekte sind beweglich, und dann auch meist nur in eine Richtung. Hier fühlt man sich des Öfteren gegängelt, mehrere Lösungswege bei kniffligen Situationen gibt es durch die begrenzten physikalischen Interaktionsmöglichkeiten nur selten. Wirklich schlimm ist das alles nicht, aber dem Realismus des Spiels geht dadurch wie auch durch die rigide vorgezeichneten Feindbewegungen einiges verloren. Darüber sieht man dank der bereits gelobten Atmosphäre großzügig hinweg, etwas anderes nervt aber gewaltig: der immens hohe Schwierigkeitsgrad. In dieser Hinsicht stößt besonders die fehlende Speicherfunktion auf totales Unverständnis, zumal die automatischen Speicherpunkte viel zu selten gesetzt sind. Das führt dazu, dass man teilweise minutenlange Abschnitte wieder und wieder spielen und Dialoge zigmal anhören muss, weil man an einer besonders schwierigen Stelle hängenbleibt. Das frustet auf Dauer gehörig, wenig erfahrene Schleicher sollten zum Einstieg mit Sicherheit ein anderes Spiel wählen, da sie ohne viel Übung selbst im normalen Schwierigkeitsgrad nicht über die ersten Levels hinauskommen werden. Stealth-Veteranen und Adrenalinjunkies werden den Kick vielleicht lieben und von Gänsehaut zu Gänsehaut schleichen, aber für Anfänger und Gelegenheitszocker hat Replay die Latte durch die unnötige Speicherhürde einfach zu hoch angesetzt.

Letztlich bleibt ein leicht zwiespältiger Eindruck: Ein so toll aufgezogenes, ultraspannendes Game will man lieben, aber gerade der letztgenannte Kritikpunkt vermiest einem das anspruchsvolle Vergnügen doch hin und wieder. Kleines Trostpflaster: Das Game kommt mit der USK-18-Freigabe ungekürzt auf den deutschen Markt.

Fazit: Nix für Newbies – inszenatorisch atemberaubende, aber verteufelt schwierige Agenten-Action für Profis.

Marc Zeller

Probe



DVD | Disc-Anzahl: 1 | Erschienen: 28. April 2009 | FSK: 18 | PC | Preis: 29,99 Euro | Sprache: Englisch | Systemanforderungen: Windows XP/Vista
2,0 GHz CPU
512 MB RAM
Grafikkarte mit Shader 2.0-Support, DirectX 9.0 kompatibel
DVD-Laufwerk
5 GB Festplattenspeicher | Untertitel verfügbar in: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch

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