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 Zeppeline erobern die Welt


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Preis - Leistungs - Verhältnis


Der Titel "Zeppeline erobern die Welt" verspricht ein Abenteuer, auch wenn die großen Luftschiffe heute aus der Mode gekommen sind. Dennoch ist es sehr spannend zu erfahren, wie die Geschichte dieser eindrucksvollen Flugkörper begann, sich entwickelte und warum sie heute eine Seltenheit sind.

Henri Giffard unternahm am 24. September den ersten künstlich angetriebenen Flug der Geschichte mit einem sehr utopisch aussehenden Prallluftschiff, wie ein Foto zeigt. Angetrieben wurde das Wunderwerk mit einer Dampfmaschine. Es erreichte eine Geschwindigkeit von acht Kilometern in der Stunde.
Die Brüder Albert und Gaston Tissandier entwickelten die GiffardÂ’sche Konstruktion weiter, aber ihr Elektromotor erwies sich als zu schwach. Mehrere erfolgreiche Testfahrten absolvierte 1884 die "La France", erbaut von Charles Renard und Arthur Krebs. Ihr Elektromotor erreichte eine Geschwindigkeit von 23 Kilometern in der Stunde. Dieses gut lenkbare Luftschiff konnte sogar einen geschlossenen Kreis fliegen. Der Brasilianer Alberto Santos-Dumont schrieb mit seinem sechsten Luftschiff Geschichte. 1901 umrundete er den Eifelturm.

Ferdinand Graf von Zeppelin gelang es, mit seinen technischen Entwicklungen zu überzeugen. Doch auch er musste viel Lehrgeld zahlen und Rückschläge hinnehmen. Er beabsichtigte, die freie Luftschifffahrt auch für militärische Zwecke nutzbar zu machen. Diese Pläne ließen sich nicht durchsetzen. Interesse kam von ganz anderer Seite: der Post. Der Grundstein für den Bau des ersten Zeppelins wurde 1898 mit der Gründung der Gesellschaft zur Förderung der Luftschifffahrt gelegt. LZ 1, hier kann man unter anderem im Buch die Konstruktionszeichnung betrachten, erhob sich am 2. Juli 1900 in die Lüfte. Auch hier zeugt ein Foto von der Jungfernfahrt. Aber erst LZ 3, mit dem am 9. Oktober 1906 eine erste Probefahrt unternommen wurde, erwies sich als technisch zuverlässiger. Bei der zweiten Probefahrt befanden sich elf mutige Passagiere an Bord.

Im Jahre 1909 wurde eine zivile Passagier-Luftschiff-Gesellschaft namens "Deutsche Luftschifffahrts-Aktiengesellschaft" gegründet. Im gleichen Jahr präsentierte sich Graf Zeppelin auf der "Internationalen Luftschifffahrtausstellung" in Frankfurt. Interessant dazu ist das bunte Werbeplakat. Die Entwicklung der Luftschiffe ging weiter. Im "Fliegersommer" 1911 absolvierte LZ 10 "Schwaben" fast 100 Fahrten. Die Passagierkabine war komfortabel ausgestattet. Im Jahr darauf, während eines Sturms fing das Luftschiff allerdings Feuer. Nur das Gerippe blieb übrig. 42 Personen wurden verletzt.

Wegen Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde am 31. Juli 1914 die zivile Luftfahrt eingestellt. Anfang 1915 kam wieder eine Luftschiffflotte zum Einsatz und wurde für militärische Zwecke eingesetzt. Die Zeppelinwerft wurde ein Rüstungsunternehmen, auf dessen Höhepunkt zwischen 1915 und 1917 zwei Luftschiffe pro Monat gebaut wurden. In der zweiten Hälfte des Krieges wurden Langstreckenbomber gebaut. Graf Zeppelin erlebte dies nicht mehr. Er starb 1917. Die Geschichte der Luftschiffe war damit aber längst nicht zu Ende.

Die Autorin erzählt die Geschichte der Luftschifffahrt von ihren Anfängen an bis heute, wo diese beispielsweise als Werbeträger genutzt werden. Das Buch ist überaus spannend gemacht. Die Texte sind informativ, aber nicht zu sachlich. So liest sich das Buch wie ein spannender Abenteuerroman, wobei sicherlich auch die Aussagen von Zeitzeugen von Wert sind. Zum besseren Verständnis gibt es zwischendurch immer wieder die "Stichworte zur Zeitgeschichte". So werden auch die geschichtlichen Hintergründe perfekt dargestellt.

Mit im Buch sind zahlreiche spektakuläre Bilder in sehr guter Qualität, die von der Entwicklung der Luftschifffahrt und der Zeppeline zeugen. Fotos von wichtigen Persönlichkeiten, beispielsweise von Konstrukteuren kann man ebenfalls betrachten. Auch Postkarten und Briefe die mit einem Luftschiff transportiert worden sind, verdeutlichen die Geschichte. Manche, vollgeklebt mit Briefmarken und mehrmals abgestempelt, sind sicher für Sammler von Interesse, beweisen sie doch spektakuläre Ereignisse. Zu sehen sind hier auch Karten, die aus der LZ 129, "Hindenburg" nach dem Absturz 1937 geborgen werde konnten. Sehr gut gefallen hat, dass es zu jedem Bild auch eine aussagekräftige Erklärung gibt.

Es gibt auch viele wichtige Dokumente zu sehen, oft leider etwas klein geraten, so dass man zum Lesen eine Lupe zu Hilfe nehmen muss. Konstruktionszeichnungen sind ebenfalls vorhanden. Allerdings hätte man sich mehr Einblick in technische Details gewünscht. Dennoch ist das Buch sehr beeindruckend. Die aufwändige Recherchearbeit der Autorin ist bewundernswert. Sie hat ein einzigartiges Werk geschaffen. Das Material wird sehr übersichtlich präsentiert. Es wurde mit verschiedenen Schriftfarben und -arten gearbeitet oder Interessantes mit Farben hinterlegt, beispielsweise Zeitungsartikel. Das Seitenlayout ist damit als sehr gelungen zu bezeichnen. Auch wenn das Buch recht teuer ist. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.

Heike Rau



Hardcover | Erschienen: 01. September 2006 | ISBN: 3768818179 | Preis: 39,90 Euro | 184 Seiten | Sprache: Deutsch

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