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 Die Abenteuer von Aguila und Jaguar, Folge 1: Die Stadt der wilden Götter


Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton


Als die Mutter des fünfzehnjährigen Alexander Cold so schwer an Krebs erkrankt, dass sie zu einer komplizierten Therapie für längere Zeit ins Krankenhaus muss, wird der Junge nach New York zu seiner Großmutter geschickt. Alex ist empört - Kate Cold ist überhaupt keine Großmutter, wie man sie sich so vorstellt, die einen vielleicht bekocht und bemitleidet, sondern sie ist ziemlich kratzbürstig, ruppig, ganz und gar unkonventionell und insgesamt sehr besonders. Als Reporterin für den National Geographic will Kate ins Amazonas-Gebiet reisen - und Alex soll sie begleiten, schließlich kann er nicht allein in New York bleiben. Im Urwald will Kate nicht nur über die exotische Fauna und Flora und die dort einheimischen Indianerstämme schreiben, von denen manche noch nie Kontakt zur Zivilisation hatten, sondern sie ist auch auf den Spuren einer Legende: Im Amazonasdschungel wurde bereits mehrfach eine merkwürdige Bestie gesichtet, die mehrere Männer getötet hat. Sie soll viel größer sein als ein Mensch und einen so atemberaubenden Gestank verbreiten, dass wer immer in ihre Nähe kommt in Ohnmacht fällt.

Für Alex beginnt das Abenteuer seines Lebens. Gemeinsam mit einer Gruppe von Wissenschaftlern und Einheimischen reist er in das undurchdringliche Dickicht des Urwalds. Tatsächlich trifft die Reisegruppe bald auf die Spuren der Bestie. Handelt es sich um einen bisher unbekannten Affen, eine Art Yeti, - oder sind die sagenhaften Wilden Götter in die Welt der Menschen herabgestiegen? Auch unter den Expeditionsteilnehmern gibt es Spannungen und dunkle Geheimnisse. Nicht jeder scheint ehrliche Motive zu verfolgen. Gemeinsam mit der dreizehnjährigen Nadia Santos, die im Amazonasgebiet zuhause ist, kommt Alex einer gefährlichen Verschwörung und dem unglaublichen Geheimnis der Wilden Götter auf die Spur.

"Die Stadt der Wilden Götter" ist der erste Teil einer Jugendbuchtrilogie aus der Feder der weltberühmten Autorin Isabel Allende, die vor allem durch ihren Roman "Das Geisterhaus" bekannt wurde. Im Hörverlag ist Allendes Trilogie als Lesung erschienen. Der hier rezensierte erste Teil ist Teil einer Sammelbox, der alle drei Romane der Trilogie enthält; die Bände sind aber auch als einzelne Lesungen erhältlich (Sammelbox aller drei Romane: 24 CDs, ISBN 978-3-86717-191-5, Einzellesung "Die Stadt der Wilden Götter": 8 CDs, ISBN 978-3-89940-023-6).

"Die Stadt der Wilden Göttern" vereint einen grandiosen Reisebericht und ein spannendes Abenteuer mit einer Coming-of-Age-Geschichte. Alex Cold ist eine Figur, mit der man sich leicht identifizieren kann - er hat Todesangst um seine Mutter, gleichzeitig hat er die typischen Teenager-Probleme, weiß noch nicht so recht, ob er sich zu Mädchen hingezogen fühlt oder sie eher Angst einflößend findet und muss während der Amazonas-Reise einige Male über sich selbst hinauswachsen. In einem Initiationsritual lässt Alex schließlich seine Kindheit zurück.
Besonders reizvoll an diesem Hörbuch ist zum einen die tolle Schilderung aus dem Amazonas-Gebiet, die Abenteuer und Exotik verheißt. Allende lädt zum Blick über den Tellerrand ein, schildert die Lebensumstände der einheimischen Naturvölker, übt Zivilisationskritik und weist uns darauf hin, dass Besitztümer nicht alles sind. Zum anderen enthält "Die Stadt der Wilden Götter" eine Menge Mystik und Magie. Zwar ist es kein klassischer Fantasystoff, der hier verarbeitet wurde, aber es geschehen Dinge, die in der realen Welt keinen rechten Platz haben. Totemtiere, Geister und Seelen, Visionen, Proben, die Alex und Nadia bestehen müssen und natürlich die Wilden Götter - ist diese Geschichte einmal in Fahrt, kann man sich nur schwer wieder von ihr lösen.

Die Lesung von Marc Oliver Schulze ist insgesamt gut gelungen. Zu Beginn scheint er als Erzähler noch zu distanziert, zu unbeteiligt am Geschehen zu sein. Zwar liest er gut verständlich und klar, aber merkwürdig leidenschaftslos. Seine Stärke zeigt Schulze aber in der Interpretation der einzelnen Figuren, denen er individuellen Ausdruck verleiht. So hört man deutlich Kates ungehaltene Art aus seinen Worten sprechen oder die bedächtige Art des Reiseführers César Santos. Ganz besonders gelungen ist seine hysterische Interpretation des lächerlichen Wissenschaftlers Ludevic Leblanc, der dem Hörer das eine oder andere Lächeln entlockt.

Faszinierend, spannend und mystisch: "Die Stadt der Wilden Götter" ist der gelungene Auftakt der Jugendbuchtrilogie von Isabel Allende - und gleichzeitig der beste Band der Reihe.

Christina Liebeck



CD | CD-Anzahl: 8 | Erschienen: 01. August 2002 | FSK: 12 | ISBN: 9783899400236 | Laufzeit: 540 Minuten | Originaltitel: La Ciudad de las Bestias | Preis: 24,95 Euro

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