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 Die traditionelle kurdische Küche

Pirtūka Xwarina Kurdan | Kurdisch-Deutsch

Autoren: Hülya Baba
Illustratoren: Christina Fischer
Übersetzer: Hülya Baba, Ilanit Doege
Verlag: Edition Orient

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Preis - Leistungs - Verhältnis


Weizen, Butter, Lamm, Honig und Joghurt - das sind die Hauptingredienzien der traditionellen kurdischen Küche, die uns Hülya Baba näher bringen möchte. Das klingt sehr verlockend und lässt einem doch das Wasser im Mund zusammen laufen. Die Autorin stammt aus Serhed, das liegt ganz im Osten der Türkei. Früher einmal Kurdistan, erstreckt sich dieses Gebiet heute über die Grenzen der Türkei, Syriens, des Irak und Iran. "Ich möchte die traditionellen Rezepte meiner Heimatregion präsentieren", schreibt die Autorin, "so wie sie meine Mutter zubereitet hat und wie ich es von ihr gelernt habe". Nun, das gelingt ihr mit dem vorliegenden Buch, in dem sie uns die Gerichte des kurdischen Volkes schmackhaft macht.

In sechs Abschnitten lernt man die traditionelle Küche dieser Bergregion kennen:
  • Suppen
  • Bulgurgerichte
  • Teiggerichte
  • Fleischgerichte
  • Beilagen
  • Süßes
Alle Texte sind zweisprachig abgedruckt: Kurdisch und Deutsch. In einem Vorwort erzählt die Autorin von der Entstehungsgeschichte des Buches. Sie geht anschließend auf die Esskultur der Kurden ein, dem folgt der Rezeptteil mit vielen Farbfotos der Gerichte und der Zubereitungsweise.

Der Verlag Edition Orient verlegt seit 30 Jahren Bücher aus dem arabischen, persischen und türkischen Kulturraum. Schwerpunkt ist Originalliteratur in deutscher Übersetzung, darunter viele Kinderbücher - vieles davon zweisprachig gedruckt. In diesem gebundenen Hardcover-Buch nun bekommt der Leser auf 95 Seiten einen Eindruck von der kurdischen Kultur und Essweise.

Es ist eine ländliche Küche, eine Küche von Bauern und Hirten, die fast noch nomadisch anmutet. Die Mahlzeiten wurden auf offenem Holzfeuer zubereitet: Brot, ein Getreidegericht, Fleischeintopf, Gemüse der Saison. Die Sommer sind kurz, die Winter hart und lang. Das, was der Boden hergibt, muss haltbar gemacht und gelagert werden. Ab und zu wird ein Schaf geschlachtet. Es ist eine einfache und ehrliche Küche und sie erinnert an die Landschaft in dieser Region, an die nur spärlich bewachsenen kargen Berge. Verwendet wird, was Garten und Keller zu bieten haben. Welche Wohltat in Zeiten der Molekularküche noch einmal ein solches Kochbuch in Händen zu halten.

Es ist schon erstaunlich, welch vielfältige und phantasievolle Gerichte man mit so wenigen Grundzutaten zubereiten kann. Hackfleischklösschen mit Aprikosen gefüllt, mit Käse und Hack gefüllte Teigtaschen, die man am besten gleich in größerer Menge herstellt und einfriert, Gekochtes und Gebratenes vom Lamm, mit Kartoffeln und mit Gemüse. Positiv ist auch, dass die Autorin die Rezepte, die gut beschrieben und sehr leicht nachzukochen sind, nicht an den nordeuropäischen Geschmack angepasst hat. So entsteht ein authentisches Bild der Kultur. Die Rezepte an den eigenen Bedarf anzupassen und auszuschmücken bleibt jedem Leser selbst überlassen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. So muss man sich auch nicht in Unkosten stürzen, um exotische Zutaten einzukaufen. Auch wird man wohl kaum die Menge an Butter, die in den Rezepten gleich päckchenweise verarbeitet wird, verwenden. Es sei denn, man ist Anhänger eines barocken Schönheitsideals. Etwas unklar wird es bei der Verwendung der "Buttermilch", die an einer Stelle des Buches aus Joghurt und Wasser hergestellt wird. Es handelt sich also um Ayran? Oder ist doch Buttermilch gemeint, die ja in Mengen bei der Herstellung der Butter anfällt?

Das Buch ist auch grafisch sehr ansprechend gestaltet und die einzelnen Bereiche sind farblich voneinander abgesetzt. Die Anmutung ist eher sachlich, die Rezepte werden aufgelockert von kleinen Anekdoten. Sehr nett sind auch die Fotos der Frauen in ihren vielfältig gemusterten, geblümten, gestreiften und karierten Kleidern und Tüchern, die einen Eindruck der Region und Kochweise vermitteln.

Hülya Baba gelingt es mit diesem Kochbuch gut, die Kultur ihres Volkes ins Bewusstsein zu bringen und vorzustellen, und sie trägt dazu bei, das eigene Kochrepertoire um einige interessante Rezepte und Anregungen zu bereichern. Es ist interessant für Menschen, welche die eigene kurdische Kultur besser kennen lernen und erhalten möchten, und für diejenigen, die gerne neue Rezepte und die Kochkulturen fremder Länder ausprobieren.

Sabine Seip



Hardcover | Erschienen: 1. Oktober 2008 | ISBN: 9783922825111 | Preis: 19,80 Euro | 96 Seiten | Sprache: Deutsch, Kurdisch

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