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 100 Bullets, Band 2: Die zweite Chance

100 Bullets

Serie: 100 Bullets, Band 2
Autoren: Brian Azzarello
Illustratoren: Eduardo Risso
Übersetzer: Claudia Fliege
Verlag: Panini Comics

Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


"100 Bullets" ist eine Comic-Serie, die von Brian Azzarello und Eduardo Risso gestaltet wird. Seit 1999 komponieren Texter Azzarello und Illustrator Risso einen Comic, der Spannung pur bietet. Immer steht ein geheimnisvoller Fremder namens Agent Graves und ein Koffer mit einhundert Patronen, die niemand zurückverfolgen wird - egal ob man einen Hund oder ein Dutzend Nonnen erschießt - und Informationen im Mittelpunkt, die einen Menschen vor ein existenzielles Problem stellen. Nimmt er das Recht in seine eigenen Hände und tötet, ohne das Risiko einer Strafverfolgung, die Peiniger, die sein Leben zerstört haben oder widersteht er der Versuchung, selbst zum Mörder zu werden.
"Die zweite Chance" ist der zweite Band der Serie, die bei Panini in einer hochwertig gedruckten Neuauflage seit April 2007 erscheint.

Kleiner Schwindel, große Wirkung
Chuky ist ein begnadeter Spieler. Seine Würfel fallen immer genau so, wie er das will. Dumm nur, dass er sieben Jahre im Knast saß, weil er besoffen ein Pärchen überfahren hat. Jetzt versucht er wieder zu Geld zu kommen, doch irgendwie klappt nichts, was er anfasst. Kurz bevor er in eine ausweglose Situation gerät tritt Agent Graves auf ihn zu und erzählt ihm ein winziges Detail, dass Chucky damals im Suff entgangen ist. Er saß nicht am Steuer des Wagens.

Day, Hour, Minute... Man
Agent Graves hat noch einige Rechnungen offen. Erst trifft er sich mit Topper, dann mit Lono. Und für beide geht das Treffen anders aus, als sie gedacht haben. Nur Graves ist zufrieden.

Das rechte Ohr, auf Eis gelegt
Cole Burns verkauft Eis. Er liebt die kleinen Kinder, die täglich an seinem Wagen stehen, sich ihr Lieblingseis geben lassen und ihn dabei anhimmeln. Nur seine Geliebte drängt auf Heirat. Doch Burns ist noch nicht bereit. Irgendwie stimmt sein Leben nicht. Da tritt Agent Graves auf ihn zu, übergibt ihm einen Koffer und erzählt ihm einige kleine Details über seinen Kumpel Goldy, einem der Unterweltbosse der Stadt. Doch Burns will dem Unbekannten nicht glauben und erzählt Goldy davon. Der foltert gerade einen Kerl der ihm Geld schuldet. Unvermutet beginnt Goldy zu plaudern. Er übersieht, wie wichtig Cole Burns die Sache mit dem Altenheim und seiner Großmutter ist, die Goldy da so locker verbrennen ließ, um ein neues Gebäude bauen zu können. Es kommt wie es kommen muss, Goldy versucht, Cole umzubringen. Doch zur Überraschung von Goldy und seinen vier Kumpanen geschieht etwas völlig anderes.

Gebrochenes Herz, gut durch
Lilly kommt nicht darüber weg, dass ihre geliebte Tochter mit dreizehn abgehauen ist. Sie weiß nicht mal warum, liebte sie doch das Kind über alles. Doch Agent Graves, der plötzlich in ihrem Kaffee sitzt und einen Kuchen bestellt, erzählt ihr eine ganz andere Geschichte. Die Geschichte eines Mädchens, das von zu Hause abhaut und erst auf den Strich geht, dann an die Nadel und schließlich an einen Perversen gerät. Es ist die Geschichte von Lillys Tochter und am Ende übergibt Graves ihr einen Koffer mit einhundert Patronen und ein Bild, das Lilly das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Parlez kung vous
Dizzy Cordova wird von Mr. Shepard nach Paris geschickt. Dort soll sie einen gewissen Mr. Branch treffen und mit ihm reden. Dizzy weiß nicht, was sie mit dem feigen, fetten Zwerg anfangen soll, dessen einzige Gemeinsamkeit mit ihr der Koffer ist, den beide von Graves bekommen haben. Doch Mr. Branch weiß mehr. Er hat nachgeforscht und herausgefunden, warum Graves diesen Koffer weiter gibt und was er mit Mr. Shepard und dem geheimnisvollen Trust zu tun hat, der hinter allem zu stecken scheint.

Was für eine Geschichte, was für Bilder, was für eine atemlose Spannung. Niemand, der diesen Comic zu lesen beginnt, wird sich dem Sog entziehen können, die Bilder und Text erzeugen. Die Schicksale, die in harten, schlaglichtartigen Szenen vor dem inneren Auge des Lesers entstehen, ihre ausweglose Situation, ihr Wunsch nach Rache, und die Frage, ob diese Rache, wenn sie denn keine Konsequenzen hat, gut, wichtig oder gar lobenswert ist, stellt sich unmittelbar. Ohne Nachdenken, rein instinktiv empfindet man Abscheu und Verständnis, Ablehnung und Zustimmung gleichermaßen. Die Härte der Bilder, die kompromisslose Kürze des Textes, lassen keine Spielräume, gehen unmittelbar ins Herz und ins Gefühl. Instinktiv wird man in das Geschehen hineingezogen, bleibt nicht außen vor, kann diese moralische Frage nicht intellektuell und kühl entscheiden. Man muss innerlich Stellung beziehen, sich ebenfalls entscheiden.

Azzarello und Risso spielen mit dem Leser, seiner Entschlossenheit, Moral und Recht zu achten, führen ihn wie die Charaktere in der Handlung in Versuchung und führen ihn gleichzeitig vor, denn hinter allem lauert die Frage, wer diese Situation warum heraufbeschwört und was er davon hat.

Brillant, hart, gnadenlos, spannend und grafisch exzellent - Azzarello und Risso waren nie besser als in "100 Bullets" - das muss man sich einfach angesehen haben, wenn man diese Art von Comics mag. Nur sollte man, will man alles verstehen, unbedingt vor dem Genuss von "Die zweite Chance" den Band "100 Bullets - Der erste Schuss" gelesen haben. Dann aber wird man kaum mehr mit dem Lesen wieder aufhören - mit einem Puls von 180!

Stefan Erlemann



Softcover | Erschienen: 01. Januar 2008 | ISBN: 9783866074910 | Preis: 19,95 Euro | 228 Seiten | Sprache: Deutsch

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