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 Obsession

Autoren: Hitomi Kanehara
Übersetzer: Sabine Mangold
Verlag: Ullstein

Cover
Gesamt ++---
Anspruch
Aufmachung
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Mit "Obsession" veröffentlicht der Ullstein Verlag einen Roman der japanischen Autorin Hitomi Kanehara, die mit ihrem Debütroman "Tokyo Love" bereits für Furore sorgte.

Die 22-jährige Rin könnte kaum glücklicher sein. Ihr Ehemann Shin umsorgt sie liebevoll, als Romanautorin feiert sie große Erfolge, ein ums andere Mal wird sie für Interviews gebucht und bekommt Aufträge für weitere Werke aus ihrer Feder. Doch Rin hat ein Problem - oder vielmehr gesagt, viele Probleme. Denn Rin ist ein von Neurosen und Manien geplagter Mensch, sprunghaft und unruhig, unausgeglichen und hysterisch. In ihrer Welt ist sie der absolute Mittelpunkt, alle anderen um sie herum nur Staffage. Selbst Shin, den sie über alles liebt, ist nur einer von vielen Männern, die sie abgöttisch zu lieben braucht und den sie völlig für sich beansprucht, ohne an seiner Seite wirklich glücklich zu sein.
Denn ein Rückblick in die Vergangenheit zeigt, dass Rin in ihren bisherigen Beziehungen den Männern stets hörig war. Drogen und Sex als Lebensinhalt, dazu viele mehr oder weniger massive Obsessionen und ein Bewusstsein, das sich ständig nur um sich selbst dreht - das kann nicht gut gehen.

Gerade mal 221 Seiten umfasst der neueste Streich von Hitomi Kanehara. Protagonistin Rin erzählt in der Ich-Perspektive aus ihrem Leben. Ausgangspunkt ist ihre Ehe mit dem Verleger Shin, den sie vergöttert und gleichzeitig jeden seiner Schritte überwacht, weil sie fürchtet, er könne sie betrügen. Die nächsten Kapitel wandern rückwärts in der Zeit, und so erhält der Leser ebenso einen Einblick in Rins Leben mit achtzehn, als sie wild und ohne Rücksicht auf Verluste eine Party nach der anderen feiert, und noch früher, als sie noch zur Schule geht und mit einem Jungen zusammen ist, der spielsüchtig ist. Die letzte Station zeigt Rin, als sie noch bei ihren Eltern lebt.
Das Leben dieser jungen Frau ist geprägt von Hörigkeit. Hörigkeit ihren Eltern gegenüber, später den Männern an ihrer Seite. Und trotz dieser Unterordnung gibt es für Rin nur eine einzige wichtige Person, nämlich sich selbst. Aus der Ich-Perspektive wird das nur zu deutlich: Andere Charaktere des Romans bleiben blass und farblos, der Leser kann zu keinem von ihnen so etwas wie Sympathie aufbauen. Selbst in Dialogen kehrt die Ich-Erzählerin immer wieder zu sich selbst zurück und macht sich Gedanken über Banalitäten, die sich durch ihre Zwänge in fulminante Probleme verwandeln. Durch die einfache Alltagssprache macht das entsprechend durchaus einen authentischen Eindruck, ermüdet aber nach einer gewissen Zeit auch. Ständig muss der Leser mit Rin gemeinsam in ihren Selbstzweifeln baden, sich in naiven Träumereien suhlen und langweiligen Überlegungen folgen. Schnell bauen sich dadurch Gefühle zu Rin auf; ob diese zu Abneigung oder Mitleid tendieren, entscheidet darüber, ob der Leser "Obsession" letztlich gut findet oder nicht.

Noch interessanter und passender als der deutsche Titel ist der Originaltitel "Autofiction", denn bereits im ersten Kapitel bekommt Rin den Auftrag, ein Buch mit diesem Namen zu schreiben - eine fiktive Autobiografie also, die durchaus eine Parallele zu "Obsession" darstellen könnte.

"Obsession" bleibt leider ein gutes Stück hinter den Erwartungen zurück. Wer Rin trotz - oder gerade wegen - ihrer vielen Manien und abstrusen Gedankengänge mag, wird auch dem Roman etwas abgewinnen können. Sonst warten knapp 220 Seiten Langeweile auf den Leser.

Tina Klinkner



Hardcover | Erschienen: 1. Januar 2009 | ISBN: 9783550087172 | Originaltitel: Autofiction | Preis: 18 Euro | 221 Seiten | Sprache: Deutsch

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