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 Der Tag, an dem meine Tochter verrückt wurde

Eine wahre Geschichte


Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


New York, Juli 1996. Michael Greenberg arbeitet als Freelancer, seine Frau Pat als Choreographin. Sie leben zusammen mit Sally, 15, Michaels Tochter aus erster Ehe. Es ist heiß, die Wohnung hält sich nur durch Klebeband zusammen.
Am Morgen des 5. Juli stößt Michael vor dem Haus auf seine Tochter. Sie hatte die Wohnung früh verlassen. Das sonst so schüchterne Mädchen reagiert unvermutet wütend, macht ihrem Vater Vorhaltungen. Zwölf Stunden später, als Michael von einem Arbeitstreffen nach Hause kommt, war die Polizei da. Die Messer in der Küche sind weggesperrt oder auf den obersten Schrank gestellt. Seine Tochter hockt verwirrt und von Wahnphantasien getrieben auf ihrem Bett.
Obwohl Michael größte Abneigung gegen Psychiatrien hat, bringt er Sally schließlich in eine Klinik. Minutiös dokumentiert er, welche Wandlungen seine Tochter durchmacht, bis zu dem Tag, als sich abermals ihre Stimmung ändert, sie ihren Vater anblickt und sagt, er habe ihr Leben gerettet. Danach kehrt sie, zerbrechlicher, nachdenklicher, ins Elternhaus und in die Schule zurück.

Autobiografien neigen leicht dazu, selbst ein wenig größenwahnsinnig zu sein. Greenberg dagegen bleibt so dicht an der sinnlichen Welt, dass diese Geschichte vor allem eine Größe erreicht: literarische. Tatsächlich ist es das, was dieses Buch auch auszeichnet: obwohl autobiografisch, kann Greenberg erzählen. Menschen tauchen in seinem Leben auf, er besucht Orte, denkt nach, fühlt sich einsam und unverstanden, dann wieder in tiefstem Einklang mit jemandem, und in all diesen Szenen taucht seine Liebe zu seiner Tochter, seine Angst vor ihrer Veränderung als roter Faden auf, ohne penetrant zu wirken.
Dieses kleine Stück Autobiografie ist spannend, es schafft ein Panorama einer kleinen Welt und lässt diese lebendig werden, es ist traurig, tragisch und komisch, manchmal alles zugleich; Greenberg jedenfalls schafft genug Distanz, um sich widersprüchlich zu schildern, und genug Nähe zu sich und anderen Menschen, um sie sympathisch zu finden. Greenbergs esoterisch angehauchte Exfrau mit ihren Alt-68er-Ideen gehen dem Leser ebenso nahe wie sein soziopathischer Bruder, der seit Jahren mit einer Persönlichkeitsstörung sich und anderen Menschen den Alltag hinderlich macht.

Glücklicherweise gibt es solche Autobiografien wie diese. Sie ragt aus der Masse larmoyanter, moralischer oder selbstverliebter Lebensschilderungen heraus. Sie zeigt, wie man gut schreiben und wie man eine Autobiografie gut schreiben kann. Sie unterhält, wenn auch auf eine manchmal sehr schmerzhafte Art und Weise. Dieses Buch legt man aus der Hand und will eigentlich noch mehr von diesem wundervollen Leben und diesem bunten Flickenteppich aus Menschen wissen.

Frederik Weitz



Hardcover | Erschienen: 01. Februar 2009 | ISBN: 9783455500370 | Originaltitel: Hurry down, Sunshine | Preis: 19,95 Euro | 288 Seiten | Sprache: Deutsch

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