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 Tomaten à la rabbiatta

Als ich noch Panikattacken, Zwänge und Depressionen hatte ...


Cover
Gesamt ++---
Anspruch
Aufmachung
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Lisa hat einen ordentlichen Job, nette Nachbarn und keinen richtigen Grund zur Sorge. Und doch ist ihr Alltagsleben bestimmt von Ängsten. Ängste, deren Herkunft sie sich weder erklären kann, noch die sich einfach abstellen lassen. Ganz normale Handgriffe, Erledigungen oder Unternehmungen, über die andere Menschen nicht weiter nachdenken, werden so zu beinahe unüberwindlichen Herausforderungen für die junge Frau. Panikattacken, Depressionen und Medikamente bestimmen ihr Leben, aus Angst vor Krankheiten kennt sie mittlerweile sämtliche Krankenhäuser in Frankfurt am Main. Hausarzt und Therapeut wissen nicht mehr weiter, und auch die Homöopathin kann nicht wirklich weiterhelfen.

Lisa hat immer mehr das Gefühl, die Kontrolle über sich und ihr Leben zu verlieren. Und da sind kein Mann und keine Familie an ihrer Seite, die ihr helfen könnten, ihre Krankheit wieder in den Griff zu bekommen. Ihre Probleme werden stetig schlimmer, ihre Zwänge und Panikattacken nehmen zu. Wird sie es trotzdem schaffen, diesen Teufelskreislauf zu durchbrechen?

Bevor der Leser sich dem Inhalt des Buches „Tomaten à la rabbiatta – Als ich noch Panikattacken, Zwänge und Depressionen hatte …“ widmet, kann er dem Impressum entnehmen, dass es sich bei den Ereignissen dieses Romans um die Erfahrungen der Autorin Lisa Coccinella handelt.
In der Ich-Form und mittels Tagebucheinträgen wird aus dem Leben Lisas erzählt. Eineinhalb Jahre lang begleitet man eine unter Angstattacken und Zwängen leidende junge Frau, lernt einen Teil ihrer Vergangenheit kennen, ihre Probleme mit Arbeit und Privatleben, ihre Odysseen zu den verschiedensten Ärzten aus Angst vor Gehirntumoren und Herzinfarkten. Das Ganze verpackt Coccinella in eine schlichte, leicht zu lesende Sprache und einen oft humorvollen, selbstironischen Tonfall. Das tut dem Inhalt gut und wirkt der schweren Thematik auflockernd entgegen. Manchmal ist es allerdings etwas zu viel des Guten, etwa wenn wirklich jede im Buch auftretende Person den Nachnamen falsch ausspricht – der Witz ist zu Anfang noch amüsant, verliert aber im Lauf der 140 Seiten seinen Reiz und hätte, pointierter eingesetzt, wesentlich mehr Wirkung erzielen können.
Was dem Buch am meisten fehlt, ist die Intensität des Geschehens. Alles plätschert mehr oder weniger vor sich hin, neu hinzukommende Ängste und Zwänge werden manchmal nur beiläufig erwähnt, beim Lesen hat man oft das Gefühl, wichtige Informationen vorenthalten zu bekommen. Nur hin und wieder durchbrechen deutlich geschilderte Panikattacken die häufigen Belanglosigkeiten des Textes, die den Leser nur selten richtig mitfiebern lassen.
Die Fehleranzahl hält sich für ein BoD-Buch in erfreulichem Rahmen, ist aber dennoch ärgerlich, bedenkt man, wie viel Potenzial in „Tomaten à la rabbiatta“ steckt. Die Lebensgeschichte der Autorin ist interessant, der Schreibstil gelungen – jedoch krankt beides an der nur mäßigen Umsetzung.

Mit „Tomaten à la rabbiatta“ legt Lisa Coccinella einen Erlebnisbericht vor, der weder richtig packen noch richtig unterhalten kann. Betroffene werden sicher die eine oder andere Situation wiedererkennen; insgesamt jedoch krankt das Buch an einer schwachen Umsetzung und einer häufigen Fokussierung auf Unwichtiges. Potenzial jedenfalls wäre durchaus vorhanden gewesen.

Tina Klinkner



Taschenbuch | Erschienen: 8. Dezember 2008 | ISBN: 9783837076455 | Preis: 12,50 Euro | 140 Seiten | Sprache: Deutsch

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