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 Lovecraft Country Collection, Band 1: Arkham - Hexenstadt am Miskatonic

Quellenbuch


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Gesamt ++++-
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Bildqualität
Leitbarkeit
Preis - Leistungs - Verhältnis
Howard Philipps Lovecraft hat mit seinen Werken nicht nur den Cthulhu-Mythos ins Leben gerufen, sondern auch dem Nordosten der USA – genauer gesagt dem Bundesstaat Massachusetts – seinen ganz persönlichen Stempel aufgedrückt. Viele seiner Geschichten spielen in fiktiven Städten namens Arkham, Innsmouth, Kingsport und Dunwich oder enthalten Verweise auf diese Orte. Lovecraft-Jünger haben deshalb den Begriff „Lovecraft-Country“ für dieses fiktive Massachusetts geprägt. Mit „Arkham – Hexenstadt am Miskatonic“ hat Pegasus-Spiele nun den ersten von vier Bänden der „Lovecraft Country Collection“ veröffentlicht, einer Reihe von vier Quellenbüchern für das Cthulhu-Rollenspiel, die nacheinander die vier wichtigen Städten aus Lovecrafts Geschichten beschreibt.

Arkham ist die wohl prägendste fiktive Stadt aus Lovecrafts Geschichten, was sich unter anderem auch daran erkennen lässt, dass die Irrenanstalt im Batman-Universum nach ihr benannt wurde. Doch Arkham ist auch deswegen bekannt, weil es in Lovecrafts Geschichten der Standort der Miskatonic-Universität ist, welche ebenfalls einen nicht unbeträchtlichen Stellenwert in seinem Werk einnimmt. Und nachdem die Mitarbeiter von Pegasus-Spiele bei ihrer Arbeit keine halben Sachen machen, wurde für „Arkham – Hexenstadt am Miskatonic“ nicht nur das englische Arkham-Quellenbuch übersetzt, sondern auch der Band zur Miskatonic-Universität eingefügt. Damit bringt es diese Veröffentlichung auf stolze 316 Seiten und übertrifft an Umfang sogar den exquisiten Traumlande-Band oder das deutschsprachige „Cthulhu Now“.

Der Band beginnt mit einer neunseitigen allgemeinen Einführung in Arkham. In aller Kürze werden hier Geschichte, Leben, Verwaltung und Behörden sowie Verbrechen in Arkham abgehandelt. Die letzte halbe Seite des Kapitels enthält ein alternatives System zur Verbesserung von Fähigkeiten in Form von Kursbelegungen an der Universität. Auf den ersten Blick erscheinen neun Seiten für diese grundlegenden Informationen etwas dürftig, jedoch darf man nicht vergessen, dass viele alltägliche Dinge der 1920er in den USA bereits in dem neuen Amerika-Quellenband angesprochen wurden und hier keiner Wiederholung bedürfen. Außerdem orientieren sich alle dargebotenen Informationen an Lovecrafts Geschichten, sodass keine vollständige Historie der Stadt vorgegeben werden muss. Sehr positiv fällt die Chronologie der Ereignisse aus den Erzählungen bis ins Jahr 1935 auf, sodass sich der Spielleiter die entsprechenden Jahreszahlen nicht erst mühsam aus den Prosatexten Lovecrafts heraussuchen muss. Ein Wehmutstropfen ist jedoch die Tatsache, dass sich an so gut wie keiner Stelle innerhalb dieses Bandes eine Zuordnung einer Person oder eines Ereignisses zu einer bestimmten Geschichte findet. Zumindest die Angabe des Titels der Erzählung wäre an manchen Stellen sinnvoll gewesen.

Die nächsten 75 Seiten sind mit der Stadtbeschreibung Arkhams gefüllt. Hier werden – nach Vierteln geordnet – knapp 270 mehr oder weniger wichtige Wegpunkte der Stadt beschrieben. Zu den Wegpunkten gehörende Personen werden an entsprechender Stelle in separaten Textkästen (mit Spielwerten) beschrieben, zu dem Hexenhaus (aus der Geschichte „Träume im Hexenhaus“) und Crowninshield Manor („Das Ding auf der Schwelle“) sind Hauspläne vorhanden. Jeder Wegmarke ist eine dreistellige Nummer zugewiesen, von welcher die erste Zahl stets auf das entsprechende Viertel verweist, was ein leichtes Nachschlagen ermöglicht.

Die nächsten zwölf Kapitel (oder 188 Seiten) sind der Miskatonic-Universität gewidmet und nehmen damit den Hauptanteil des Buches ein. Nach einer Kurzbeschreibung von der Geschichte der Universität und dem Studentenleben folgen drei Kapitel, die sich mit speziellen Örtlichkeiten auf dem Universitätsgelände befassen. Weitere Kapitel widmen sich dem Ablauf des Studiums, dem gesellschaftlichen Leben an der Miskatonic, dem Lehrpersonal und den Instituten. Die Verbindung zwischen Cthulhu-Mythos und Universität sowie dort befindliche Okkultisten und andere Bösewichten werden in zwei weiteren Kapitel beschrieben. Auf alle Inhalte im Detail einzugehen würde den Rahmen dieser Rezension sprengen. Die Miskatonic ist ein Mikrokosmos innerhalb Arkhams, und diesem Status wird ihre Beschreibung in diesem Band zweifelsohne gerecht.

Danach finden sich noch ein Anhang mit 32 neuen Zaubern, ein halbseitiger Abschnitt über nützliche Alltagsgegenstände der Universität (wie Lötlampen und Klaviere), zwei Seiten über vormenschliche Sprachen und elf Seiten Kopiervorlagen von Studienbüchern und Universitätszertifikaten. Ein thematisch geordnetes Ortsverzeichnis sowie ein Personen- und ein Bücherverzeichnis beschließen den Buch. Außerdem liegt eine Arkham-Karte im A2-Format bei, die der Vorlage des englischen Originals entspricht, jedoch die doppelte Größe aufweist. Leider ist keine Kartenlasche für diese Karte eingefügt, ein Luxus, den man für den Preis von 40 Euro eigentlich noch hätte integrieren können. Auch ein Lesebändchen sucht man vergebens.

Der Band selbst kommt im gewohnten Hardcover-Format daher, was einerseits für die nötige Stabilität sorgt und sich andererseits sehr gut im Bücherregal macht. Natürlich findet sich auf dem Buchrücken die Fortsetzung des Artworks früherer Veröffentlichungen. Der Inhalt wird durch die gewohnten zeitgenössischen Fotografien aufgelockert, und viele der beschriebenen Personen wurden ebenfalls mit Porträtfotos versehen.

Im Gegensatz zu vielen bisherigen Cthulhu-Veröffentlichungen von Pegasus-Spiele handelt es sich bei „Arkham – Hexenstadt am Miskatonic“ eher um eine reine Übersetzung der englischen Originale – wenn auch mit leichter Nachbearbeitung. Dies ist keineswegs negativ zu verstehen, denn die Autoren der ursprünglichen Arkham- und Miskatonic-Bände (darunter der kürzlich verstorbene Keith Herber, dem dieses Buch gewidmet ist) haben bereits sehr gute Arbeit bei der Beschreibung der beiden wichtigsten Orte in Lovecrafts Erzählungen geleistet. Alle relevanten Geschichten wurden berücksichtigt und – trotz Lovecrafts teilweise unzusammenhängender Chronologie – in ein kohärentes Ganzes verwandelt. In diesem Band findet der interessierte Leser alles Wichtige über Arkham und die Miskatonic-Universität; allerdings auch einiges Unwichtiges. Damit ist der Problem bei diesem Band erreicht: „Arkham – Hexenstadt am Miskatonic“ kommt mit 316 Seiten und einem Preis von 39,95 Euro daher. Dieser Preis ist aufgrund der Qualität des vorliegenden Bandes vollauf gerechtfertigt. Allerdings stellt sich die Frage, ob der Preis den Nutzen für den Spielleiter rechtfertigt. Wenn man seine Gruppe nur durch vorgegebene Abenteuer jagt oder lediglich für zwei Szenarios nach Arkham schickt, so ist dies definitiv nicht der Fall. Hierfür sei dem Spielleiter vielmehr angeraten, sich selbst eine Kurzbeschreibung Arkhams und der Universität auszudenken und die 40 Euro in Sinnvolleres zu investieren. Faktisch gesehen rechnet sich der Band nur für Cthulhu-Spieler, die länger in Arkham verweilen und sich womöglich an der Universität eine Basis aufbauen wollen. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass ein separater Abenteuerband mit dem Titel „Grauen in Arkham“ in Vorbereitung ist, der das nötige Abenteuer-Futter für diesen Buch liefern soll.

Fazit: „Arkham – Hexenstadt am Miskatonic“ ist der ultimative Reiseführer für Arkham und die Miskatonic-Universität. Für 40 Euro bekommt man 316 Seiten geballte Information über die bekannteste Stadt in Lovecraft-Country und ihre nicht minder bedeutende Miskatonic-Universität. Kleinere Fehler wie das Fehlen einer Kartenlasche oder eines Lesebändchens werden durch die inhaltliche und optische Qualität des Bandes gut ausgemerzt. Weitaus wichtiger ist für jede Gruppe jedoch die Frage, ob sich ein 40 Euro teurer Quellenband über Arkham lohnt, oder ob man das Geld lieber in universeller einsetzbare Bände investiert. Der Qualität dieses Produktes tut dies jedoch keinen Abbruch.

Markus Goedecke



Hardcover | Erschienen: 1. Januar [Value3] | ISBN: 978-3-939794-81-3 | Originaltitel: H.P. Lovecraft's Arkham / Miskatonic University | Preis: 39,95 Euro | 316 Seiten | Sprache: Deutsch

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