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 In 80 Tagen um die Welt


Cover
Gesamt +++--
Aufmachung
Brutalität
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton


Zahllose Buchausgaben, Verfilmungen, Lesungen, Hörspieladaptionen, Brett- sowie Computerspielumsetzungen - Jules Vernes Roman "In 80 Tagen um die Welt" gilt schon lange als Klassiker der Literatur und wird gerne und häufig in andere Medien übertragen. Nun erschien im August 2005 eine neue Hörspielproduktion des Mitteldeutschen Rundfunks beim Hörverlag auf zwei CDs.

Erst jüngst hat Phileas Fogg, durch und durch ein britischer Gentleman, in einem Zeitungsartikel gelesen, dass es möglich sei, die Erde in nur achtzig Tagen einmal komplett zu umrunden. Als er die Rechnung der Zeitung den Kameraden seiner Whist-Runde vorliest, halten diese eine derartige Reise allerdings für unmöglich. Da er die in der Zeitung angegebenen Daten für die Umrundung der Erde jedoch selbst geprüft hat, ist Phileas Fogg der festen Überzeugung, innerhalb von achtzig Tagen einmal die Welt umreisen zu können. So schlägt er seinen Mitspielern eine Wette mit einem Einsatz von stolzen zwanzigtausend Pfund vor - seinem halben Vermögen. Seine Whist-Kameraden gehen auf die Wette ein und Phileas Fogg verkündet, dass er noch am selben Abend abreisen möchte. Mit nur wenig Gepäck - was an Proviant und Kleidung benötigt wird, soll der Einfachheit halber unterwegs erst gekauft werden - und weiteren zwanzigtausend Pfund - Mr. Fogg geht davon aus, dass seine Reise ihn im Gesamten so viel kosten wird - bricht Phileas Fogg gemeinsam mit seinem erst am selben Tag eingestellten Diener Passepartout auf, um einmal um den Globus zu reisen. Anfangs scheint alles glatt zu laufen, ja, Phileas Fogg spart sogar einige Tage ein, indem er ansehnliche Trinkgelder verteilt. Doch dann scheint sich das Blatt zu wenden: Unvorhergesehene Komplikationen und Zwischenfälle behindern das schnelle Vorankommen des Engländers und legen ihm Steine in den Weg. Um sein Ziel nicht in weite Ferne rücken zu sehen, muss Phileas Fogg großen Einfallsreichtum beweisen und auf ungewöhnliche Fortbewegungsmittel zurückgreifen. Während Passepartout seinem Herrn treu ergeben ist und ihm mit Rat und Tat zur Seite steht, heftet sich schon bald Detective Fix an Phileas Foggs Fersen. Denn der Detective hält Mr. Fogg für einen gesuchten Bankräuber, und der Umstand, dass der Engländer mit sehr viel Geld bei sich in größter Eile umherreist, verstärkt bei ihm diesen Verdacht noch. So wartet Fix nur noch auf einen Haftbefehl und eine günstige Gelegenheit, Phileas Fogg in Ketten zu legen und abzuführen. Diesem wird jedoch langsam die Zeit knapp - um noch rechtzeitig in London anzukommen und Mr. Foggs Wette zu gewinnen, müssen sich Phileas Fogg, Passepartout und die Inderin Miss Aouda, welche die beiden inzwischen begleitet, nun sputen ...

Das vorliegende Hörspiel setzt sich - wie bei Hörspielen, die für die Ausstrahlung im Radio produziert werden, üblich - aus mehreren, genauer gesagt zwei Teilen zusammen. So hat auch jede der beiden CDs ihre eigene Ansage, die sich bis auf den Unterschied des ersten und zweiten Teiles jedoch gleichen. Eine akustische Sprecherliste folgt dann jedoch erst ganz am Ende des zweiteiligen Hörspiels; eine solche wurde also als Abschluss des ersten Teiles bei der für den Handel bestimmten Fassung der Produktion vernünftigerweise herausgeschnitten.
Das Hörspiel beginnt sehr seicht und plätschert eine Weile ruhig vor sich hin, ohne sonderlich Spannung oder Tempo zu erzeugen. Zudem geht dem Hörer die beständige Auflistung irgendwelcher Zahlen, sowie die akribische Dokumentation der Uhrzeit zu Beginn der Produktion nach einigen Minuten dann doch auf die Nerven. Später gerät diese Exaktheit inkonsequenterweise beinahe völlig aus dem Blickfeld, was aber im Endeffekt angenehm für den Hörer ist. Der erste Teil des Hörspieles wird auch im weiteren Verlauf nicht viel spannender, lässt sich aber flüssig und ansprechend hören. Der zweite Teil der Produktion legt im Gegensatz dazu jedoch deutlich an Tempo und auch Spannung zu, was durch einen ganz einfach Umstand erklärt werden kann: Von hier an nämlich muss Phileas Fogg sich nun langsam sputen, um noch rechtzeitig zurück nach London zu gelangen, und genau dann, wenn es knapp zu werden beginnt, passieren natürlich die meisten Zwischenfälle.

Erzählt wird die Geschichte von Butler James, welcher von Peter Fricke gesprochen wird. Obwohl der bekannte Schauspieler seine Rolle hervorragend vorträgt, ist dies eine Methode, die anfangs ein wenig befremdet, da James die Whist-Runde, welcher Mr. Fogg angehört, lediglich bedient und folglich an Phileas Foggs Erlebnissen keinen Anteil hat, sondern dessen Abenteuer und Reiseverlauf aus zweiter, wenn nicht sogar dritter Hand erzählt. Schnell jedoch gewöhnt sich der Hörer an diesen Umstand, nimmt den Erzähler nach einer Weile gar nicht mehr als Butler, sondern als unbekannten Dritten wahr, der die Geschichte aus einer übergeordneten, allwissenden Perspektive erzählt. Während neben Peter Fricke vor allem auch Axel Milberg als Phileas Fogg sowie Boris Aljinovic als französischstämmiger Diener Passepartout in ihren Rollen überzeugen können, sind es einige der kleinen Nebenrollen - von denen das Hörspiel einige zu besetzen hatte -, die manchmal aufgesetzt und unecht wirken.
Auch technisch weist die Produktion kleinere Mängel auf. So sind die Dialoge der verschiedenen Charaktere an einigen Stellen nicht sehr optimal abgemischt - entweder klingen sie stumpf und gedämpft, oder aber sie haben einen Hall, der der Situation in keinster Weise angemessen ist.

Die Hörspielproduktion wird musikalisch von einem Thema begleitet, welches als ständig wiederkehrendes Leitmotiv fungiert. Die Komposition von Rudolf Schmücker, die unter Leitung von Oliver Pohl vom Deutschen Filmorchester Babelsberg eingespielt wurde, wirkt sehr zeitgemäß und passt hervorragend zur Grundstimmung der Geschichte. Allerdings wird sie ein wenig zu oft und auch des Öfteren an unpassenden Stellen eingespielt. Während das Hörspiel auch auf sehr realistische Geräusche zurückgreift, wird auch für die Hintergrundkulisse viel mit dem Orchester gearbeitet, um Dramatik zu erzeugen oder zu steigern. Als Phileas Fogg zum Beispiel auf einem Schiff in einen Sturm gerät, wird dieser durch verschiedene Instrumente inszeniert, welche lediglich durch Wellenrauschen und anfangs kurz durch Donnergrollen unterstützt werden.

Fazit:
Die Hörspielproduktion des Mitteldeutschen Rundfunks zu Jules Vernes Klassiker "In 80 Tagen um die Welt" beginnt sehr ruhig und steigert Tempo und Spannung erst im Verlauf seines zweiten Teils. Während die Sprecher der Hauptfiguren in ihren Rollen überzeugen können, wirken einige der Nebenrollen der Geschichte leider aufgesetzt und realitätsfern. Dass die Dialoge jedoch manchmal stumpf und gedämpft oder im Gegensatz dazu während anderer Szenen sehr hallig erscheinen, ist der wohl am meisten zu bemängelnde Punkt der ansonsten recht ordentlichen Produktion.

Valentino Dunkenberger



CD | CD-Anzahl: 2 | Erschienen: 01. August 2005 | ISBN: 3899404149 | Laufzeit: 135 Minuten | Originaltitel: Around the World in 80 Days | Preis: 19,95 Euro

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