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 Incognito, Band 1: Stunde der Wahrheit

Serie: Incognito, Band 1
Autoren: Ed Brubaker
Illustratoren: Sean Phillips, Val Staples
Übersetzer: Claudia Fliege
Verlag: Panini Comics

Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Was für ein langweiliges Leben: Zack schiebt Akten von links nach rechts, hält sich aus allem raus und kann nicht mal bei der Büroschlampe landen. Einzig sein Kumpel Farmer kann ihn ein wenig aus seiner Lethargie reißen. Er verführt Zack dazu, Drogen zu nehmen. Mit einem Mal ist alles anders. Zack spürt seine Kräfte wieder, erinnert sich an seine Zeit als "Zack Overkill", den gefährlichsten und brutalsten Killer in der Truppe von "Black Death". Die Drogen von Farmer haben die Wirkung der Medikamente, die ihm die S.O.S.-Agenten verabreichen, aufgehoben. Und nicht nur das. Er spürt eine solch gewaltige Kraft in sich wie nie zuvor, als wären die Kräfte seines bei der Verhaftung getöteten Zwillingsbruders Xander auf ihn übergegangen. Zack zieht in den nächsten Wochen jede Nacht los, um wieder zu leben. Doch zu seiner eigenen Überraschung mordet er nicht, überfällt keine Banken und überzieht die Stadt nicht mit blankem Terror. Ganz im Gegenteil, er tötet Verbrecher, rettet Frauen, wütet mit brutaler Gewalt in den Reihen der Bösen.

Zack ahnt, dass die S.O.S. irgendwann merkt, dass er wieder "Zack Overkill" ist. Doch hätte er gewusst, dass auch "Black Death" und seine Schergen - allen voran der zynische und überaus grausame Doktor Zeppelin - bemerkt haben, dass er wieder da ist, er würde türmen bis ans Ende der Welt. Doch auch dort wäre er nicht sicher, das zumindest weiß Zack. Denn "Black Death", obwohl im sichersten Gefängnis der Welt inhaftiert, ist das mächtigste Wesen auf Erden - und das grausamste und rachsüchtigste zudem.

Gewalt, Superhelden, Superganoven, grausame Schergen, überirdische Mächte, viel Blut und Action, harte Sprüche, völlige Humorlosigkeit, laszive, willige, nach Sex gierende Frauen und ein dunkles Geheimnis - die Liste der Zutaten ist lang und Erfolg versprechend. Leider aber kennt man diese Liste bereits aus "Sleeper", der vorangegangenen Serie von Brubaker und Phillips. Und leider sind die Parallelen bei näherer Betrachtung sogar noch größer. Selbst die Quelle der Macht erscheint ähnlich wie in Sleeper und der Gang der Ereignisse wirkt wie ein Aufguss.

Also ein Desaster und Misserfolg? Nein, keineswegs. Denn "Incognito - Die Stunde der Wahrheit" ist trotz der Parallelen eigenständig und zieht den Leser unweigerlich in seinen Bann. Weniger komplex als Sleeper, dafür kompromissloser und grausamer, kantiger und düsterer ist der Auftakt-Band "Die Stunde der Wahrheit". Der Held ist abgrundtief böse und eher widerwillig bekämpft er die noch Böseren. Das macht ihn nicht zu einem Helden, die treten in "Incognito" nur als Fischfutter für die Bösen auf und sind selbst nicht gerade edel und gut. Überhaupt geht diesem Band etwas verloren, das man in "Sleeper" finden konnte und in sämtlichen anderen Superheldengeschichte ebenso: Es gibt überhaupt keine Seite der Guten. Als Identifikationsfigur dient allein ein Massenmörder, der gezwungenermaßen statt Unschuldigen nun Verbrecher tötet.
Ob das genügt, ist fraglich, zumal auch grafisch keine Überraschungen geboten werden. Phillips erfindet sich nicht neu, bleibt seinem Stil treu, der jedoch perfekt zu der harten Geschichte passt. Holzschnittartige Szenen, Minimalismus und Purismus, wie in Blei gegossene Action-Szenen.
Dazu die meist doppelseitig in einem vorherrschenden Ton kolorierte Fläche, die blutrot oder düster, violett, braun und in grellen Farben Schockeffekte betonend zusätzlich die Szenerie atmosphärisch beleuchtet und einen manisch-depressiven Eindruck erzeugt. Hierfür ist Val Staples verantwortlich. Gemeinsam gelingt dem Trio eine düstere, fast zu düstere, immer aber vor atemloser Spannung vibrierende Geschichte, die jedoch kaum als innovativ betrachtet werden kann.
Bleibt zu hoffen, dass sich der zweite Band stärker von seinen berühmten Vorgängern lösen kann - das Zeug dazu haben Brubaker, Phillips und Staples allemal.

Stefan Erlemann



Softcover | Erschienen: 20. November 2009 | ISBN: 9783866078529 | Originaltitel: Incognito 1 | Preis: 16,95 Euro | 132 Seiten | Sprache: Deutsch

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