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 Die Korsaren der Alkibiades, Band 2: Der Rivale


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Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
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Die Geheimorganisation, der Mike, Maryline, Lydia, Curtis und Peter seit kurzer Zeit angehören, wird überraschend von innen heraus bedroht. Denn wichtige Unterlagen, die kurz vor ihrer Dechiffrierung standen und die den genauen Standort eines gewaltigen Piratenschatzes offenbaren sollten, werden aus einer hermetisch von der Außenwelt abgeriegelten Kammer entwendet. Jetzt erst verrät man den fünf Freunden, dass ein gewisser Edinger die Organisation vor kurzem verlassen hat und sich mit einigen Getreuen denselben Zielen verschrieben hat - Reichtümer zu bergen und anzuhäufen.
Die Jagd nach dem Schatz wird also zu einem Duell der Geheimbünde. Und beide Seiten bekriegen sich skrupellos. Nachdem die Alkibiades 2 in letzter Sekunde zerstört wurde, um nicht in die Hände von Edinger zu gelangen, versuchen Mike, Lydia, Curtis und Peter - Maryline konnte das Schiff nicht mehr rechtzeitig verlassen - mit der Alkibiades 3 zuerst die Schatzinsel zu erreichen. Dort aber erwartet die rivalisierenden Geheimbünde eine wahre Hölle, die ihren dunkelsten Alpträumen entsprungen zu sein scheint.

Szenarist Denis-Pierre Filippi und Illustrator Èric Liberge haben mit "Die Korsaren der Alkibiades" Steampunk vom Feinsten abgeliefert - so suggeriert es zumindest die Werbung für diese mindestens fünfteilige Serie, die in Frankreich seit 2004 erscheint und im Frühjahr 2011 mit dem fünften Band fortgesetzt wird.
Steampunk - also eine alternative Welt, in der die Dampfkraft bereits im neunzehnten Jahrhundert zu machtvollen Gerätschaften und Möglichkeiten genutzt wird - sorgt für den zeichnerischen Leitfaden dieser Geschichte. Dampfmaschinen, Kupfer, Messing und Holz machen aus dem viktorianischen London eine Art perfektes Jules Verne- und H.G. Wells-Universum. Schiffe ohne Segel, Waffen und Gerätschaften beherrschen die Bilder, ansonsten fühlt man sich in einen der Piratenfilme der 20er-Jahre versetzt. Grafisch schwelgt Liberge in einer seltsamen, dystopischen Welt, in der Gier und Missgunst vorherrschen.

Doch wie bereits im Auftaktband "Geheime Eliten" vermag Denis-Pierre Filippi der Geschichte keine sinnvolle Struktur zu geben. Die Ereignisse sind bruchstückhaft aneinander geheftet, die Handlungsträger stolpern durch ein Universum, in dem sie keinen Sinn erkennen können. Und nicht nur die austauschbaren Figuren, auch der Leser versteht nicht einmal ansatzweise, worum es geht. Um Schätze? Um Treue? Um Kreativität? Um "den Kampf ums Dasein" im Sinne Darwins als Selbstzweck? Um Rivalität? Oder um Ehre und Nationalstolz?
Jedes einzelne Motiv wird thematisiert und in dem Raum gestellt - und nicht weiter verfolgt. Immer wieder bricht die Handlung ab und verliert sich in den folgenden Panels im Absurden, Ungefähren, Sinnlosen. Zu keinem Zeitpunkt werden die fünf Personen, die doch im Mittelpunkt stehen sollten, sympathisch. Zumal die Gesichter meist völlig ausdruckslos und wie in die Szenarien einkopiert wirken - entstanden in anderem Kontext und hineinversetzt in eine sie nicht interessierende Handlung.

Noch schlimmer verhält es sich mit den Texten. Sie wirken immer wieder wie nicht zu den Bildern und schon gar nicht zu den Personen gehörend.
Es gibt zwar viel zu lesen, doch die stilistisch eher traurigen Sätze vermitteln keine Gefühle, helfen dem Leser nicht über seine Verstimmung ob der vielen Brüche hinweg und verraten auch im zweiten Band nichts Wesentliches über die Ziele und Zwecke der "Korsaren der Alkibiades".

"Der Rivale" ist beinahe ein einziges Desaster. Wären nicht die elegischen Hintergründe, die fast manisch detailreichen Bilder von Geräten und Maschinen, die grandiosen Ansichten von Landschaften, Segelschiffen und die wahrhaft gelungen gezeichneten, schreckenerregenden Ureinwohner der Schatzinsel sowie die futuristisch wie viktorianisch anmutende Architektur der wunderschönen Gebäude, man müsste vom Erwerb des zweiten Teils dieser Serie abraten. So aber werden Steampunk-Fans endlos Gelegenheit haben Details zu entdecken, die sie begeistern. Doch eine Geschichte wird man in diesem Band kaum finden - eher eine Ansammlung von perfekt bebilderten hektischen Aktionen.

Stefan Erlemann



Hardcover | Erschienen: 8. November 2010 | ISBN: 9783770433612 | Originaltitel: Les Corsaires d'Alcibiade: Le Rival | Preis: 13,95 Euro | 47 Seiten | Sprache: Deutsch

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