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 Der siebte Schwan

Autoren: Lilach Mer
Verlag: Heyne

Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Wieder einmal hat sich die 14-jährige Mina auf den Dachboden geschlichen, wo sie Zuflucht findet, wenn sie ihrer Familie und der strengen Mamsell entgehen will. Dort oben hortet sie auch ihre kleinen Schätze. Ihr wertvollstes Gut ist wohl die alte Spieluhr mit den abgebrochenen Figuren oben drauf; ihre Melodie erwärmt Mina noch jedes Mal das Herz und lässt sie dazu unentwegt im Kreise tanzen.
Minas Familie lebt eher zurückgezogen. Einzig die Besuche des Doktors gestalten sich stets als gesellige und fröhliche Abende, zumal sich Mina seiner ganzen Aufmerksamkeit erfreuen kann. Doch diese Abende nehmen immer ein frühes Ende für Mina, denn sie muss ins Bett, während die Erwachsenen noch etwas plaudern. An einem Abend hält es Mina jedoch nicht in ihrem Bett, und so wird sie Zeuge einer beunruhigenden Unterhaltung: Sie soll fortgebracht werden, denn der Doktor ist sich sicher, dass das Mädchen alle Anzeichen einer Verrückten und Tagträumerin aufweist und deswegen umfassender Pflege bedarf.
Mina ist entsetzt, doch die vertraute Melodie ihrer Spieluhr weist ihr den Weg - allerdings kommt die Musik dieses Mal nicht aus ihrer Spieluhr, sondern ein Spielmann vor der Türe lässt sie erklingen. Wie die Motte vom Licht angezogen wird, so verlässt Mina das Haus, um der Melodie hinterherzujagen. Und sie begibt sich dabei auf eine abenteuerliche Reise in eine fremde Welt voller Geheimnisse.

"Der siebte Schwan" von Lilach Mer ist ein Ausflug in die Märchen- und Mythenwelt. Vor allem die norddeutschen Sagen- und Märchensammlungen werden hier von der Autorin aus der Versenkung geholt. Dabei wirkt der Einstieg noch nicht fantastisch, außer dass die Hauptfigur Mina eine etwas lebhafte Fantasie aufweist. Doch die Hauptfigur wird von ihrer Umwelt falsch verstanden - Mina soll in psychiatrische Behandlung, da ihre Tagträumereien als psychische Instabilität gewertet werden. Aber größere Mächte haben etwas dagegen, und so führen Figuren, die der Leser ebenso wie die anderen Figuren des Buches in die Welt der Mythen und Legenden einordnen würden, hinüber in eine andere Welt, in der es für Mina viel zu erleben gibt.
Wirkt die Handlung zu Anfang noch klar, verliert sie im Laufe der Handlung deutlich an Schärfe. Dies ist zum einen dem grundsätzlich unwirklichen Charakter von Märchen zuzuschreiben. Zum anderen wird es jedoch besonders verwirrend, weil nicht nur ein Märchen verarbeitet wurde, sondern viele Elemente verschiedener Märchen zu einem Ganzen gemacht wurden. Sehr bedauerlich, versucht doch die Autorin ihre Märchenwelt als etwas zu verkaufen, was tatsächlich real sein könnte, wofür den modernen Menschen aber einfach der Sinn fehlt, so dass diese Welt bald nicht mehr zu erreichen oder überhaupt zu finden sein wird. Sicherlich spricht Autorin Lilach Mer damit ein sehr zentrales Thema unserer modernen Gesellschaft ein, in der alles rational erklärt werden soll und der Raum für Träume und den Glauben an Wunder immer kleiner wird. Doch durch die Überladung der Handlung mit so vielen Märchen verliert die Botschaft genauso an Schärfe wie die Handlung. Trotzdem kann der Leser aus diesem Buch einiges mitnehmen. Die Autorin verarbeitet beinahe vergessene Märchen, so dass man aus dem Buch einige ganz neue für sich ziehen kann. Und durch die Aneinanderreihung der Märchen wird es zumindest nie langweilig, denn immer wieder warten eine neue Aufgabe und die damit verbundene Sagen- oder Märchengestalt auf die Figur und den Leser gleichermaßen.
Abgeschlossen wird das Buch durch ein Nachwort, in dem Lilach Mer auch ihre Quellen verrät. Sollte man an dem einen oder anderen verstecken Märchen Gefallen gefunden haben, findet sich hier also ein guter Anhaltspunkt das Original ausfindig zu machen.

"Der siebte Schwan" ist damit ein Quell alter Märchen und Mythen, leider ist dies auch die Schwäche des Buches, weil es irgendwann zu viel des Guten wird.

Sandra Seckler

Probe


Taschenbuch | Erschienen: 10. Januar 2011 | ISBN: 978-3453527492 | Preis: 14,00 Euro | 556 Seiten | Sprache: Deutsch

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