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 Liebe Alice! Liebe Barbara!


Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Ton


Freundschaften sind stets etwas ganz Besonderes. Oft trennen sich die Wege nach Monaten oder Jahren und selten gibt es einen Anknüpfungspunkt, der diese Freundschaft nach Jahren wieder erfolgreich aufleben lässt.
Anders verlief es bei Alice Schwarzer und Barbara Maia, und von ihrer Freundschaft handelt das Hörbuch, das mit einer Gesamtlaufzeit von 259 Minuten auf drei CDs eine gekürzte Lesung des Briefwechsels der beiden Frauen beinhaltet.

Alice und Barbara lernten sich mit etwa sechzehn Jahren in der Schule kennen und waren bald darauf unzertrennlich. Sechs Jahre dauerte ihre innige Freundschaft an, dann trennten sich ihre Wege und vier Jahrzehnte lang bestand kein Kontakt zwischen ihnen.
Als Alice Schwarzer zu ihrem sechzigsten Geburtstag Menschen aus ihrem ganzen Leben einladen möchte, erinnert sie sich auch wieder an Barbara und kontaktiert sie und lädt sie ein. Barbara sagt ab, doch einige Monate später eröffnet sie den regen Briefwechsel, der in diesem Hörbuch gekürzt und bei Kiepenheuer&Witsch auch vollständig dokumentiert ist.

Die Idee, diese privaten Briefe zu veröffentlichen, begründete sich darin, dass die beiden Frauen irgendwann feststellten, dass sie nicht nur gemeinsame Erinnerungen in ihren Briefen auffrischten, nicht nur die Geschichte einer von vielen Freundschaften erzählen konnten, sondern auch ein Stück Zeitgeschichte niedergeschrieben hatten, indem sie ihre gemeinsame Zeit in den 50er und 60er Jahren sowie ihre Prägung durch den zurückliegenden Krieg reflektieren.
38 Briefe, die zwischen Dezember 2003 und September 2004 ausgetauscht wurden, finden sich im Hörbuch wieder.

Niemand kann die eigene Geschichte so gut erzählen wie man selbst, darum liest Alice Schwarzer die Briefe an Barbara vor, Barbara Maia hingegen ihre Briefe an Alice.
Beide Stimmen sind nicht nur zwangsläufig authentisch, sondern auch gut anzuhören. Die Artikulation und Modulation ist tadellos und dem Hörer werden ausreichende Pausen geboten, den Inhalt sich auch setzen zu lassen, ohne dadurch unnötige Hörpausen zu verursachen.

Die Ereignisse, Ansichten, Pläne und Empfindungen der beiden Frauen zu der von ihnen geschilderten Zeit sind interessant, doch ist das mit Sicherheit Interessanteste an diesem Briefwechsel das Persönliche, das der Hörer von Alice Schwarzer mitbekommt. Dieser Austausch wirft ein völlig anderes und viel persönlicheres Bild auf die Frau, die eigentlich jedem ein Begriff ist und die man auch oft als unbeugsame Frau in der Öffentlichkeit erlebte.
Die viel gerühmte Zeitgeschichte jedoch lässt zu wünschen übrig. Nicht mehr oder weniger davon ist in dem Hörbuch enthalten, als wenn man sich mit seinen Eltern, eigenen Freunden oder Großeltern über das "Damals" austauscht und entsprechenden Anekdoten lauscht. Und solche Anekdoten, so interessant sie auch sein mögen, so spannend auch die Geschichte einer seltenen und doch typischen Frauenfreundschaft ist, verlieren sie im gebotenen Rahmen von über vier Stunden irgendwann beinahe zwingend den Reiz, ihnen weiter zuzuhören.

Dieses Hörbuch eignet sich vor allem für Frauen und vor allem für diese, die schon immer gern einen persönlicheren und privateren Blick auf Alice Schwarzer werfen wollten. Es erfordert einige Muße, da es sich nicht sozusagen zwischen Tür und Angel hören lässt, sondern Aufmerksamkeit erfordert. Wer nach zeitgeschichtlichen Dokumenten sucht, ist mit anderen Produkten speziell zu diesem Thema jedoch besser bedient.

Tanja Elskamp



CD | CD-Anzahl: 3 | Erschienen: 01. Oktober 2005 | ISBN: 3455304257 | Laufzeit: 259 Minuten | Preis: 24 Euro

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