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 Ideal

Die Neue Weltreligion


Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Pure Langeweile veranlasste die Übergeordnete Entität dazu, Dinge zu erschaffen. Sie begann gemächlich mit mehreren Asteroiden, und damit sie endlich Licht hatte, folgte gleich danach die Sonne, dann einige Planeten und Landschaften, Pflanzen und Tiere. Und schließlich ... zwei Menschen - die ersten ihrer Art. Aber damit sich der Große Schöpfer an Ada und Evan nicht zu schnell satt sähe und die bisher einzigen Menschen Inspiration erfahren konnten, erfand die Entität eine Vielzahl von Idealen.
Die Ideale nun tragen ihre "Regeln" an Ada und Evan heran, leben aber selbst zurückgezogen auf einem fernen Planeten, so dass die Menschheit nicht Gefahr laufen kann, das ein oder andere der frisch erschaffenen Ideale einfach aus dem Weg zu räumen, wenn es ihren eigenen Zielen und Wünschen widerspricht.
So begegnen Ada und Evan der Wirklich Wahren Liebe, dem Unabwendbaren Schicksalsorakel, dem Muskelbepackten Konkurrenten und dem Geilen Konsumluder. Und jedes der Ideale hält für die Beiden seine ganz eigenen Ansichten bereit.

"Ideal - Die Neue Weltreligion" wird im Verlagsprogramm des kunstanstifter-Verlags als "Bibel"-Ausgabe geführt. Und dem wird die Aufmachung des Titels auch teilweise gerecht, ist der Band doch hochwertig leinengebunden und die Coverprägungen sind silber-metallisch-glänzend. Auch gibt es wohl keine Bibel, die in knalligem Lila daher kommt und außerdem durch und durch farbig illustriert ist. Aber hier handelt es sich ja auch um eine "Neue Weltreligion" - und zwar eine, die unser Leben, unsere Ideale und auch Zwänge, denen wir täglich bewusst und unbewusst ausgesetzt sind, karikiert. "Ideal" ist eine moderne Gesellschaftssatire, die sich traut, in allen Bereichen bis in die äußersten Ecken und Winkel vorzudringen und kein Blatt vor den Mund nimmt.

So werden von jedem Ideal, das in dieser "Bibel" vorgestellt wird, Richtlinien aufgestellt. Und auch wenn die zehn Gebote hier Pate standen, können diese Regeln damit nicht verglichen werden. Nicht selten sind Klischees, Vorurteile und (schlechte) Angewohnheiten Bestandteile der aufgestellten Punkte und so schafft es der Autor in jedem seiner Kapitel aufs Neue zu provozieren. Hin und wieder gleitet er dabei etwas ins klamaukige ab, was beim Lesen überrascht, es aber stellenweise auch albern wirken lässt. So kann eine der Lehren philosophisch sein, die nächste aber sogleich lächerlich wirken. Und diese Einschätzung wird sich von Leser zu Leser wohl auch stark unterscheiden, ganz abhängig davon, ob vielleicht genau dieses oder jenes Ideal in seinem eigenen Leben eine große Rolle spielt. Die Vielfalt und Skurrilität der Kapitel macht zudem aus, dass der Text einen dann doch nicht so schnell wieder los lässt.
Nach einigen Kapiteln jedoch stellt sich schleichend eine Langeweile ein; das Muster wiederholt sich stellenweise und an die Besonderheiten des Textes ist man bereits gewöhnt. Es mag helfen, dann eine längere Pause einzulegen und erst später weiterzulesen, um wieder frisch an die übrigen "Ideale" zu gehen.

Grafisch ist der Band sehr ansprechend gestaltet, wirft dabei mit poppigen Farben und Comic-Illustrationen nur so um sich. So ist das gesamte Buch ein Kunstwerk, das ganz unterschiedliche Reaktionen bei seinen Lesern und Betrachtern hervorrufen wird. Eine Retrospektive aus Sicht der verschiedenen Leser wäre tatsächlich sehr interessant, spannend und vermutlich auch aufschlussreich.

Christophe Chan Hin war Gast in der Sendung "Dschungel" des SWR2. Das Interview kann auf der Webseite des Senders angeschaut werden: zum TV-Beitrag.
Einen Blick ins Buch bietet der kunstanstifter-Verlag auf seinen Seiten: zum Buch.

Sandra Wiegratz



Hardcover | Erschienen: 1. September 2010 | ISBN: 978-3981284232 | Preis: 19,80 Euro | 130 Seiten | Sprache: Deutsch

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