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 His Dark Materials, Folge 1: Der goldene Kompass

His Dark Materials, Band 1


Gesamt +++--
Aufmachung
Brutalität
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton
Mit seiner Roman-Trilogie "His Dark Materials" schuf der britische Schriftsteller Philip Pullman ein Fantasy-Epos, das weltweit zahlreiche Leser fand und schnell zum Bestseller avancierte. Im November 2004 ist der erste Band der erfolgreichen Trilogie, "Der goldene Kompass", im Hörbuchverlag Jumbo Neue Medien als inszenierte Lesung erschienen - ungekürzt, wie auf dem Pappschuber zu lesen ist.

Lyra wächst in der friedlichen Welt Oxfords auf. Sie lebt im Jordan College, hat dort viele Freunde und auch die Professoren und Wissenschaftler behandeln sie immer sehr nett. Das Oxford, in dem Lyra lebt, ist übrigens nicht dasselbe Oxford, das wir aus unserer Welt kennen - nein, Lyra lebt in einer von Millionen Welten, die parallel zu unserem Universum bestehen. In dieser Welt haben alle Menschen sogenannte Dæmonen, die stets in Gestalt eines Tieres erscheinen. Der Dæmon einer Person ist dessen ständiger Begleiter und bester Freund und beide können sich nicht weiter als einige Meter voneinander weg bewegen, da sie auf magische Weise miteinander verbunden sind. - Und wenn einer der beiden stirbt, so muss auch der andere sterben. In dieser Welt, die zeitlich in unserem neunzehnten Jahrhundert anzusiedeln ist, lebt Lyra also, doch die Idylle, die in Oxford herrscht, nimmt eines Tages ein abruptes Ende. Denn als Lyras Onkel Lord Asriel zu einem seiner Besuche im College auftaucht, erzählt er von seinen Expeditionen in den kalten Norden, von geheimnisvollem Staub, den plötzlich jeder erforschen möchte, von Panzereisbären und großen Abenteuern. Die wilde Lyra ist ganz scharf darauf, einmal aus Oxford herauszukommen, deshalb bittet sie ihn, sie auf seine nächste Forschungsreise mitzunehmen. Doch Lord Asriel schlägt ihr diesen Wunsch energisch ab. Ihr Onkel ist bereits wieder abgereist, als Lyra von einer fremden Frau abgeholt wird, die sie - mit Einverständnis Lord Asriels, wie sie behauptet - mit nach London nimmt, wo Lyra auf eine baldige Expedition in den Norden vorbereitet werden soll. Vor ihrer Abreise gibt ihr der Rektor von Jordan College ein merkwürdiges Instrument, das er Alethiometer nennt, doch Lyra weiß nicht so recht, was sie damit anfangen soll.
Nachdem sie einige Zeit in der Obhut von Mrs. Coulter verbracht hat, findet Lyra erschrocken heraus, dass diese anfangs so nett scheinende Frau die Vorsitzende der Oblations-Behörde ist, welche für das zahlreiche Verschwinden von Kindern aus ärmlichen Verhältnissen verantwortlich sein soll, die dann zu grausigen Forschungszwecken in den Norden transportiert werden. Aus diesem Grund läuft Lyra aus dem Haus Mrs. Coulters weg und findet unerwartet Zuflucht und Hilfe bei den Gyptern, einem Flussvolk, das sehr stark unter der Oblations-Behörde zu leiden hat und das auf der Suche nach den verschwundenen Kindern ist. So bricht Lyra schon bald zu einer abenteuerlichen Reise auf, um die entführten Kinder - und Lord Asriel, der inzwischen von den skrupellosen Panzerbären gefangen gehalten wird - zu befreien. Und sie ist nicht allein - an ihrer Seite kämpfen Gypter, Hexen, ein Aeronaut und sogar ein Panzerbär, der mächtige Iorek Byrnison ...

Mit "Der goldene Kompass", dem ersten Roman seiner fantastischen Trilogie, hat Philip Pullman ein wirklich herausragendes Buch geschrieben. Mit einfachen Mitteln, viel Liebe zum Detail und überaus glaubwürdigen Zusammenhängen hat er eine komplexe Parallelwelt zu der unsrigen entworfen, die sich durch zauberhafte Einfälle und sorgfältig durchdachte und damit nachvollziehbare Strukturen auszeichnet. Zudem ist die Geschichte nicht nur äußerst flüssig geschrieben, sodass sie sehr kurzweilig erscheint, sondern durch überraschende Wendungen auch so spannend gestaltet, dass sie ihren Leser trotz - oder vielleicht auch gerade wegen - ihrer Gradlinigkeit an sich fesselt.

Die Gesamtausgabe der Lesung zu "Der goldene Kompass" setzt sich aus zwei Teilen zu jeweils fünf beziehungsweise sechs CDs zusammen, welche auch einzeln im Handel zu erwerben sind. Gerade angesichts dieser Tatsache verwundert es jedoch dann ein bisschen, dass der erste Teil des Hörbuchs mitten in einem Kapitel abbricht, der zweite an dieser Stelle wieder mittendrin ansetzt. Besitzt man die Gesamtausgabe des Hörbuchs, stört dieser Umstand jedoch nicht.
Bei der vorliegenden Produktion handelt es sich um eine sogenannte inszenierte Lesung, was bedeutet, dass das Hörbuch zwar im Wortlaut der Romanvorlage folgt, diese jedoch nicht von einem einzelnen Sprecher vorgetragen, sondern jedem Charakter wie bei einem Hörspiel eine eigene Stimme zugeteilt wird. Während dadurch zwar immer noch ein großer Teil der Qualität des Hörbuchs vom Erzähler abhängt, sorgen die anderen Sprecher für Abwechslung und entlasten gleichzeitig denjenigen - in diesem Fall Jürgen Thormann -, der die Rolle des Erzählers übernimmt. Nun sollte man meinen, dass gerade diese durch mehrere Sprecher entstehende Abwechslung für Spannung und Tempo sorgt, doch bei "Der goldene Kompass" verhält es sich gerade anders. Das Hörbuch klingt über lange Zeit hinweg steif und ein wenig gekünstelt und schafft es bei weitem nicht, die Faszination, die der Leser während der Lektüre dieser fantastischen Trilogie empfindet, zu vermitteln. So gestalten sich die ersten CDs des vorliegenden Hörbuchs abschnittsweise nicht nur sehr langweilig, sondern erscheinen auch - obwohl die Buchvorlage diesen Eindruck nicht vermittelt - ein bisschen langatmig. Erst gegen Ende des ersten Teiles beginnt so viel Leben und damit auch Schwung in die Lesung zu kommen, dass sie ihren Hörer fesseln kann, und bis zum Ende hin steigert sich die Spannung kontinuierlich, sodass dem geneigten Hörer doch noch ein spannendes Hörabenteuer bevorsteht.
Dass es sich bei "Der goldene Kompass" um eine "ungekürzte Audiofassung" handelt - so kann man es sowohl auf dem Pappschuber als auch auf dem ersten sowie zweiten Teil lesen -, ist schlichtweg falsch. Zugegebenermaßen wurde nur sehr spärlich und behutsam gekürzt, doch gekürzt ist nun mal gekürzt. Dies fängt allein schon bei der Tatsache an, dass durch die verteilten Sprecherrollen Satzpartikel wie "..., sagte er" oder "..., fragte sie" wegfallen, und weitet sich darauf aus, dass einige seltene Male ganze Sätze oder gar Abschnitte für die Hörbuchfassung herausgeschnitten wurden. Zudem findet der aufmerksame Hörer zuweilen Stellen, an denen der Wortlaut der Buchvorlage geringfügig geändert wurde. So sagt Lyra einmal beispielsweise nicht mehr "ich beobachtete", was für eine Jugendliche tatsächlich ein wenig steif klingt, sondern - sehr viel mehr dem Sprachdeutsch angepasst - "ich hab? gesehen". Zweifellos haben all diese Änderungen dem Hörbuch gut getan und vermutlich hätte man sogar noch mehr kürzen können, ohne den Zusammenhang der Geschichte zu verlieren, die Angabe "ungekürzte Audiofassung", die dem Käufer gemacht wird, stimmt jedoch keinesfalls.

Während man auf der Sprecherliste des vorliegenden Hörbuchs zahlreiche professionelle und bekannte Sprecher wiederfindet - beispielsweise Jens Wawrczeck, Hermann Lause oder Dietmar Mues -, taucht mit Kelly Darboven ein neues Gesicht - beziehungsweise eine neue Stimme - auf, das mit der Rolle der Lyra eine der wenigen jugendlichen Hauptrollen der Erzählung übernimmt. Trotz ihres noch jungen Alters schafft es die Sprecherin zwar, dem Hörer ihre Rolle näherzubringen, spricht dabei oft leider viel zu emotionslos. Gleichzeitig jedoch kann sie sich diesbezüglich gegen Ende des Hörbuchs deutlich steigern. Ähnlich ergeht es auch vielen der anderen Sprecher: Der gekünstelte, steife Beiklang, der vielen Rollen beihaftet, verschwindet erst nach und nach, bevor sich die Sprecher endgültig in ihre Charaktere eingelebt haben.
Die Musikunterlegung von Rainer Bielfeldt scheint zwar nicht nur in keinem Zusammenhang mit der Geschichte zu stehen und vermittelt dem Hörer kaum Bilder, die zur Handlung passen, dennoch wirkt sie stimmig und atmosphärisch. Nachdem der Hörer zudem einige Stunden mit diesem Hörbuch verbracht hat, hat er schon bald das Gefühl, diese fantasievolle Melodie, die die Handlung immer wieder durchbricht, bereits ewig zu kennen, so vertraut erscheint sie nach einer Weile.

Fazit:
Die Hörbuchproduktion zu Philip Pullmans Bestseller-Roman "Der goldene Kompass" hat zwar einige Startschwierigkeiten, die sich sowohl auf die Spannung auswirken als auch auf die anfänglich eher schwächeren Leistungen der Sprecher zurückzuführen sind, steigert sich jedoch kontinuierlich doch noch zu einem unterhaltsamen und spannenden Hörvergnügen.

Valentino Dunkenberger



CD | CD-Anzahl: 11 | Erschienen: 1. November 2004 | ISBN: 3833712899 | Laufzeit: 829 Minuten | Originaltitel: The Golden Compass | Preis: 42,95 €

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