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 Der amerikanische Investor


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Gesamt +++--
Anspruch
Gefühl
Humor
Spannung
Eine Berliner Altbauwohnung. Das Leben eines Schriftstellers und seiner Familie gerät aus den Fugen, als der Häuserkomplex den Besitzer wechselt. Der neue - ein amerikanischer Investor, der als wurzelloser Schatten im Flugzeug über die Kontinente huscht und sich lukrative Immobilien unter den Nagel reißt - kündigt per Post Renovierungsmaßnahmen an. Kurz darauf werden in der darunterliegenden Wohnung schon die Decken "entkernt" ... die Statik des Hauses gerät mächtig in Schieflage, wie auch das Innenleben des Autors, der sich mit Schreib- und Ehekrisen herumquält, der nicht weichen und nicht bleiben will und mit der der fixen Idee anhängt, dem amerikanischen Investor einen Brief zu schreiben, ihn von seiner Seelenlage in Kenntnis zu setzen.

Jan Peter Bremer gießt in "Der amerikanische Investor" den "neuen Berliner Häuserkampf" um Gentrifizierung und illoyale Immobilienfinanziers in eine knappe literarische Form. Knapp 160 Seiten lang ist sein Roman, der allerdings mehr die Seelennöte eines Schriftstellers behandelt als das an sich spannende Thema. Der Text kommt leider recht weinerlich und unentschlossen daher, rechte Brisanz mag sich trotz des sich absenkenden Wohnungsbodens nicht einstellen. Für die sprachliche Dichte des Romans wurde Bremer der Alfred-Döblin-Preis 2011 verliehen ... trotzdem, so ganz kann "Der amerikanische Investor" auch stilistisch nicht überzeugen. Wer in exzellenter Sprache über Berliner Immobilienhais, schimmelnde Altbauten und postarchitektonischen Schrecken lesen will, ist mit dem fast zehn Jahre älteren Roman "Hundsnächte" von Reinhard Jirgl deutlich besser bedient.

Fazit: Weinerliche Selbstbespiegelung einer Schriftstellerexistenz - ein Roman, der trotz Döblinpreis nicht jedermanns Sache sein dürfte. Wer Bremers Stil schätzt, wird freilich auch am "Amerikanischen Investor" seine Freude haben.

Hagen Hoffmann



Hardcover | Erschienen: 6. August 2011 | ISBN: 9783827010353 | Preis: 16,90 Euro | 158 Seiten

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