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 Filmsemiotik

Eine Einführung in die Analyse audiovisueller Formate


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Preis - Leistungs - Verhältnis
Gute Filme zeichnen sich nicht nur durch anspruchsvolle oder unterhaltende Inhalte aus, sondern werden auch ganz wesentlich von einer durchdachten strukturellen Organisation ihrer Zeichen geprägt. Die Entschlüsselung dieser Zeichenprozesse ist Aufgabe der Filmsemiotik.

Was auf den ersten Blick als eine reichlich komplizierte Materie anmutet, gewinnt bei der Durchsicht der Einführung "Filmsemiotik. Eine Einführung in die Analyse audiovisueller Formate" schnell einen konkreteren Charakter. Denn nach einer Einführung in filmsemiotische Grundlagen, widmet sich der Band anschließend ausführlich den "Parametern" der filmischen Darstellungsweise, welche sich in folgende Kategorien aufschlüsseln lassen: Bildstrukturen, Parameter der Einstellung, Perspektiven der Einstellung, Kamerabewegung sowie Schnitt und Montage.

Im nächsten Großkapitel rückt dann Frage in den Blick, auf welche Art und Weise eine "filmische Wirklichkeit" geschaffen wird. Dabei rücken Aspekte wie der filmische Raum, Figuren und Körper, Film und Musik sowie die Ordnungsstrukturen der dargestellten Welt und die filmischen Argumentationsweisen in den Blickpunkt. Nicht zuletzt spielt in diesem Zusammenhang auch die Frage, welchen Bezug die filmische Wirklichkeit zur außerfilmischen Wirklichkeit aufweist, also die Frage nach der Referenzialität, eine Rolle.

Grundlegend für eine filmsemiotische Analyse sind zudem die im vierten Großkapitel behandelten Aspekte des filmischen Erzählens, die an dieser Stelle mit den Begriffen "Point of View", Handlung und narrative Strukturen, Grenzen und Grenzüberschreitungen sowie Dramaturgie nur angedeutet werden sollen.

Abgeschlossen wird die Einführung mit einer kurzen Darlegung der Anwendungsbereiche der Filmanalyse.

Die Einführung überzeugt vor allem durch eine äußerst strukturierte Herangehensweise an die Thematik, die gerade Einsteigern, an die diese Einführung ja gerichtet ist, einen nachvollziehbaren Überblick über die Materie bietet.

Gleichzeitig wird dabei jedoch nicht nur an einer inhaltlichen Oberfläche gekratzt, sondern es werden immer wieder auch tiefergehende Einblicke in die filmsemiotische Arbeit gewährt. Dies liegt vor allem daran, dass die theoretischen Ausführungen häufig anhand von Beispielen konkretisiert werden. So wird beispielsweise Branigans Theorie des POV-Shots anschaulich und sehr präzise anhand des Films "The Lady in the Lake" erläutert. Zudem werden diese Ausführungen durch Standbilder aus dem Spielfilm illustriert, sodass die Erläuterungen auch nachvollziehbar sind, wenn man den genannten Film nicht gesehen hat. Diese Vorgehensweise lässt sich immer wieder beobachten und trägt wesentlich zu einem besseren Verständnis des Dargestellten bei.

Hinzu kommt, dass disziplinenübergreifende Grundlagen wie die aristotelische Dramentheorie kurz und prägnant dargelegt und damit für eine Weiterarbeit nutzbar gemacht werden. Gerade die Ausführungen zur Dramentheorie von Aristoteles überzeugen zudem dadurch, dass mit dem Spielfilm "Der Name der Rose" ein einheitlicher Filmbezug hergestellt wird, auf den in der Erläuterung immer wieder zurückgegriffen wird.

Hervorzuheben ist weiterhin auch die thematische Bandbreite und Dichte, was dazu führt, dass sich die Einführung gut und gerne auch als Handbuch titulieren ließe. Das heißt, der Band bietet auch Kennern einen schnellen und fundierten Überblick über einzelne Aspekte der Filmsemiotik.

Auffällig ist hingegen, dass am Ende ein Register fehlt, was allerdings nicht gravierend ist, da das Inhaltsverzeichnis sehr detailliert die behandelten Begrifflichkeiten auflistet. Kritischer ist, dass die Hinweise zu den Anwendungsbereichen der Filmanalyse recht dürftig ausgefallen sind. Dies ist etwas schade, da die Herausgeber selbst anfügen, dass die "Analyse (…) nie reiner Selbstzweck sein" kann, sondern einen "wissenschaftlichen Mehr- und Nutzwert" aufweisen sollte. Gerade angesichts dieser Tatsache wäre hier eine etwas detailliertere Aufschlüsselung der filmsemiotisch geprägten Anwendungsbereiche der Filmanalyse wünschenswert gewesen.

Trotz dieses zuletzt genannten Defizits bleibt aber festzuhalten, dass der Band dennoch eine gelungene Einführung in das umfangreiche Feld der "Filmsemiotik" bietet, in der vor allem die "handwerklichen" Instrumentarien der semiotischen orientierten Filmanalyse anschaulich und präzise dargestellt werden.


Eine Leseprobe bietet die Verlags-Website.

Matthias Jakob Schmid



Softcover | Erschienen: 1. August 2011 | ISBN: 978-3894727406 | Preis: 29,90 Euro | 412 Seiten | Sprache: Deutsch

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