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 Jack Aubrey und Stephen Maturin, Band 21: Der unvollendete Band 21


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Jack steht im Zenit seiner Karriere. Bald kann er die frisch genähte und gestickte Flagge eines Konteradmirals an seinem eigenen Linienschiff hissen. Doch zunächst muss er zum Rio de la Plata gelangen, an dem er sich mit den anderen Schiffen des Geschwaders und dem Admiral treffen soll, um sein neues Flaggschiff, die HMS Suffolk, zu übernehmen. Die Segeltour an den Küsten Südamerikas ist jedoch nicht so entspannend wie die Mannschaft sich das vorgestellt hat. Egal wo die Surprise anlegt, schlägt den Briten immer unverhohlener Hass entgegen. Die strenggläubigen Katholiken wollen mit den Häretikern nichts zu tun haben. Sogar von Hexenverbrennung ist die Rede. Als das Schiff in Rio de la Plata vor Anker geht, droht die Lage zu eskalieren. Ein päpstlicher Legat wird erwartet, was die aufgeladene Stimmung zusätzlich anheizt.

Als der Admiral mit dem Hauptteil der Flotte dazu stößt werden die Probleme noch größer. Obwohl Jack alle Aufträge bestens erfüllt hat, gibt der alte Griesgram sich nicht zufrieden und nörgelt an allem herum. Auch die Post, welche Jack und Stephen von zu Hause erhalten, muntert die beiden nicht auf. Dort stehen die Zeichen ebenfalls auf Sturm. In dieser Lage entschließen sich die beiden zu einer riskanten Familienüberführung.

Der letzte, unvollendete Band der maritimen Reihe um Jack Aubrey und Stephen Maturin ist aus den Fragmenten zusammengesetzt, die der Autor nach seinem Tode hinterließ. Insofern darf der Leser hier nicht erwarten, ein vollständig ausgearbeitetes Buch in Händen zu halten. Es ist vielmehr ein Werkstück – eine Art aufbereitetes Rohmaterial. Aber auch wenn die Dialoge nicht so geschliffen sind, die Handlung doch eher seicht dahin plätschert, bekommt der Leser ein letztes Mal einen Einblick in das Denken und Handeln der Personen zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die humorvollen Wortduelle zwischen den beiden Freunden, ihre Sorgen und Nöte, die gesellschaftlichen Restriktionen, denen sie unterliegen, all dies sorgt doch noch für ein kurzweiliges Vergnügen. So hat auch dieses letzte Stück von allem etwas, das diese Serie ausmacht.

Sogar der dichte Pulverdampf der schweren Schiffsgeschütze legt sich ein letztes Mal vor die Augen der Protagonisten und Leser. Geht der Leser also mit einem eingeschränkten Maß an Anforderung an diese wenigen Romanseiten, so wird es ihm trotz aller Unzulänglichkeiten Spaß bereiten, Stephen und Jack auf ihren letzten Schritten zu begleiten. Einzig die etwas zu häufig auftretenden Rechtschreibfehler trüben das Vergnügen ein wenig. Dies hätte selbst für ein unvollendetes Werk nicht sein müssen.

Ergänzend zum Romanfragment erhält der Leser eine Fülle an zusätzlichen Informationen. Zunächst sind da die Anmerkungen des Übersetzers Uwe D. Minge, einem echten maritimen Kenner. Weiterhin sind die einleitenden Worte des Herausgebers der amerikanischen Ausgabe und das Nachwort von Richard Snow dabei. Ein wahrer Schatz ist aber das handschriftliche Manuskript des Autors, welches zwar etwas klein aber vollständig abgedruckt ist, einschließlich seiner privaten Anmerkungen und Gedächtnisstützen. Leider ist die Handschrift Patrick O‘Brians mitunter etwas schwer lesbar, doch erhält der Leser so einen Eindruck von der Arbeit des Autors und des Übersetzers. Selten bekommt ein Buchkonsument einen so tiefen Einblick in die Entstehung und Umsetzung eines Romans. Somit ist dieses Buch gerade für Menschen, die selber schreiben wollen, ein perfektes und beeindruckendes Anschauungsmaterial.

Fazit: Ein Romanfragment, das einen tieferen Einblick in die Arbeit des Autors gewährt als es der vollendete Roman je hätte tun können.

Lars Perner



Softcover | Erschienen: 12. November 2012 | ISBN: 9783942270304 | Originaltitel: The Final Unfinished Voyage | Preis: 8,95 Euro | 200 Seiten | Sprache: Deutsch

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