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 Das wahre Leben

Autoren: Franz Plendner
Verlag: AAVAA

Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Robert und Leon sind grundverschieden und trotzdem schon seit ihrer Schulzeit befreundet. Das Comiczeichnen, ihr gemeinsames Hobby, haben sie zum Beruf gemacht. Heute entwerfen sie zusammen Comicstrips für die Grazer Tageszeitung. Unterstützt werden sie dabei von Lisa, ihrer persönlichen Layouterin, die ebenfalls auf dieselbe Schule ging. Bereits früh hat sich Robert in Lisa verliebt, die seine Zuneigung aber nicht erwidert, sondern stattdessen immer wieder versucht, sich Leon anzunähren. Jedoch weißt dieser Lisa stets und oft rüde zurück. Die drei Freunde stecken folglich in einer problematischen Beziehungskonstellation. Als dann eine Unbekannte Leon einen Messerstich zufügt und sich anschließend aus dem Fenster stürzt, gerät ihre Dreiecksgeschichte aus den Fugen.
Am Tatort zurück bleibt nur ein Zettel mit einem Namen, der zu Hans Berger führt. Mit dessen Hilfe erhofft sich Robert, das Attentat auf seinen Freund erklären zu können. Jedoch hat Berger kürzlich einen Schlaganfall erlitten, unter dessen Folgen er leidet. Trotzdem gelingt es Robert mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen von Begebenheiten zu erfahren, die schon lange zurückliegen.

Die vorliegende Geschichte ist nicht spektakulär oder besonders aufsehenerregend, schließlich enthält sie keine wilden Verschwörungstheorien oder womöglich einen psychopathischen Mörder, der Jagd auf unschuldige Menschen macht. Doch das alles braucht die Erzählung auch gar nicht, um zu wirken. Denn packend und realistisch schildert der Autor Franz Plendner Ereignisse aus dem Leben seiner Protagonisten, die buchstäblich nur "Das wahre Leben" schreiben kann. Und damit hätte er keinen besseren Titel für sein neustes Buch wählen können.

In diesem Roman dreht sich alles um die drei Charaktere Robert, Leon und Lisa und um ein Ereignis, das ihre komplizierte Beziehung zueinander für immer verändern wird. Obwohl der Leser zu Anfang in eine dramatische Szene eintaucht - Leon wird durch eine unbekannte Frau mit einem Messer verletzt, die sich anschließend selber tötet -, werden alle Ereignisse ruhig und ohne Hektik beschrieben; die gesamte Geschichte entwickelt sich langsam und gemächlich. Dabei begleitet der Leser Robert immerzu, welcher versucht das Attentat auf seinen Freund zu verstehen. Entgegen der Erwartung, dass sich der Roman hauptsächlich mit der Aufarbeitung des Angriffs auf Leon beschäftigt, wird eine ungleich vielschichtigere und komplexere Handlung erzählt. Durch Gespräche mit Hans Berger oder Tante Mitzi erfährt Robert Dinge, die mit Leons verworrener Familiengeschichte verkettet zu sein scheinen, aus denen er sich aber zunächst - genau, wie der Leser - keinen Reim machen kann. Die Auflösung der Messerattacke erscheint dagegen beinah banal.

Die Story besitzt nur so viele Seiten, wie sie benötigt, daher sind die Kapitel angenehm kurz und animieren stets zum Weiterlesen. Auch die dynamische Erzählstruktur, der ständige Wechsel zwischen Erinnerung und Gegenwart, verleiht den Personen Tiefe und erhält die unterschwellige Spannung aufrecht. Vor allem, wenn die informativen Gespräche an spannenden Stellen unterbrochen werden. Die Auflösung des Ganzen wird so immer noch etwas nach hinten verschoben.
Dabei ist die Lektüre in ein sehr flexibles Softcover gehüllt, das sich sämtlichen Lesegewohnheiten anpasst.

Fazit: "Das wahre Leben" ist anders als erwartet, dadurch aber keinesfalls schlechter. Die Geschichte wird bedächtig erzählt und von den Emotionen ihrer Charaktere getragen, die Spannung ist dabei eher unterschwellig. Generell eine Empfehlung für alle, die es ruhig und am Leben orientiert mögen.

Eine Leseprobe steht auf der Verlagsseite zur Verfügung.

Sarah Mehring



Softcover | Erschienen: 1. Januar 2013 | ISBN: 978-3845905228 | Preis: 11,95 Euro | 175 Seiten | Sprache: Deutsch

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