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 Metzler Lexikon der deutsch-jüdischen Literatur

Jüdische Autorinnen und Autoren deutscher Sprache von der Aufklärung bis zur Gegenwart

Herausgeber: Andreas B. Kilcher
Verlag: Metzler

Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Preis - Leistungs - Verhältnis
Emanzipation versus Assimilation: So ließe sich die ambivalente Haltung deutsch-jüdischer Autoren kurzgefasst auf einen Nenner bringen. Denn seit jeher bewegten sich diese in einem Spannungsfeld der eigenen religiös geprägten Kultur und der Angleichung an die Kultur ihrer deutschsprachigen "Wahlheimat". Mit dem "Metzler Lexikon der deutsch-jüdischen Literatur" werden nun die "literarischen Selbstbestimmungsdiskurse" der deutsch-jüdischen Autoren in Form von Porträts aufgearbeitet. Ausgangsbasis bilden dabei sowohl literarische als auch autobiografische Schriften der einzelnen Autoren.

Die erste Ausgabe des Lexikons erschien bereits 1999 und umfasste damals mehr als 250 Einträge zu einzelnen deutsch-jüdischen Autoren. Mit der zweiten Auflage sind nun 50 weitere Porträts hinzugekommen. Verfasst wurden diese von gut 130 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

So individuell das Leben und die Haltung der einzelnen deutsch-jüdischen Autoren, so individuell sind auch die Lexikonartikel gestaltet. Gemeinsam ist diesen jedoch, dass der Schwerpunkt in den einzelnen Artikeln darauf gelegt wird, die Haltung der einzelnen Autoren im Spannungsfeld von Judentum und Deutschsein auszuloten. Im Anschluss an jeden Eintrag finden sich zudem Literaturangaben zu Werken und Sekundärliteratur.

Da die einzelnen Einträge kein umfassendes Bild liefern, sondern mosaikartig die individuellen Haltungen widerspiegeln, findet sich zu Beginn eine synthetisierende Einführung, welche eigens für diese zweite Auflage neu verfasst wurde.

Das Lexikon überzeugt zunächst einmal durch die vielfältige Auswahl, wodurch ein sehr breites Spektrum deutsch-jüdischer Autoren abgedeckt wird. Dieses reicht von Schriftstellern der Aufklärung bis hin zu jungen Literaten der Gegenwartsliteratur.

Sehr abwechslungsreich sind weiterhin die einzelnen Einträge, da die einzelnen Verfasser teilweise ganz unterschiedlich an die thematische Ausrichtung des Lexikons herangehen. Während manche einzelne Werke oder Äußerungen – immer wieder finden sich beispielsweise Ausschnitte aus Gedichten – in den Blick nehmen, bilden bei anderen biografische Elemente den Ausgangspunkt der Ausführungen. Dies führt dazu, dass Leser, welche lediglich nach biografischen Informationen suchen, hier nur teilweise fündig werden. Dies liegt jedoch nicht an der Qualität des Lexikons, da eine solche vollständige biografische Erschließung nicht angestrebt wird. Denn es handelt sich hier vielmehr um ein Speziallexikon, das die "literarischen Selbstbestimmungsdiskurse" deutsch-jüdischer Autoren erschließt. Eine solche spezifische Herangehensweise ist jedoch keineswegs weniger spannend. Denn an vielen Stellen stoßen die Leser auf interessante Details und Blickwinkel. Zudem vermeiden die Verfasser der Einträge eine allzu hohe Theorielastigkeit, sodass diese ansprechend zu lesen sind.

Auch die Handhabung des Lexikons ist – wie dies für viele Lexika aus dem Metzler Verlag gilt – einfach und unkompliziert. Hinzu kommt, dass die Länge der einzelnen Beiträge, die zwischen zwei und neun Spalten schwankt, stets klug gewählt wurde, um die Leser auf der einen Seite nicht mit Informationen zu erschlagen beziehungsweise auf der anderen Seite einen notwendigen Spielraum erhalten, um einzelne Schwerpunkte zu setzen.

Erwähnenswert und nicht selbstverständlich für ein derartiges Lexikon ist zudem die Tatsache, dass bei nahezu allen Autorinnen und Autoren eine Porträtfotografie oder -zeichung abgedruckt wurde.

FAZIT: ein abwechslungsreiches Speziallexikon, das nicht nur Experten empfohlen werden kann, da die einzelnen deutsch-jüdischen Autoren an vielen Stellen so dargestellt werden, dass deren Persönlichkeit und die zugrunde liegenden Haltungen auf vielfältige Weise deutlich werden.

Weitere Informationen zum Buch sowie eine Leseprobe finden sich auf der Webseite des Verlags

Matthias Jakob Schmid



Hardcover | Erschienen: 14. Dezember 2012 | ISBN: 978-3476024572 | Preis: 69,95 Euro | 576 Seiten | Sprache: Deutsch

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