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 Das Cape 1969

Serie: Das Cape, Band 2
Autoren: Jason Ciaramella, Joe Hill
Illustratoren: Nelson Daniel
Übersetzer: Gerlinde Althoff
Verlag: Panini Comics

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Brutalität
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
1969: Der Vietnamkrieg befindet sich in vollem Gange und fordert seine Opfer; auf beiden Seiten. Captain Gordon Chase ist Arzt und Pilot eines Rettungshubschraubers der US-Armee. Genau wie seine Kameraden hofft er jeden Tag, dass dieser schreckliche Krieg bald endet und er zu seiner Frau und seinen beiden kleinen Söhnen Nick und Eric zurückkehren kann. Doch während einer Rettungsmission wird der Hubschrauber vom Feind abgeschossen und die wenigen Überlebenden direkt attackiert. Nur der Captain und ein weiterer Feldarzt werden gefangen genommen, welcher kurz darauf vor Gordons Augen hingerichtet wird. Dieser ist außer sich vor Wut und versucht sich zu widersetzen, aber er hat keine Chance. Sie sperren ihn in einen Käfig, demütigen ihn und zwingen ihn zu Handlungen, die er nur äußerst widerwillig, aus der Hoffnung heraus, seine Familie wiederzusehen, über sich bringt. Bei all dem Leid erhält er völlig unerwartet und unfreiwillig von einem alten, mysteriösen Mann eine Fähigkeit, eine Macht, die ihn verändert ...

Nach der erfolgreichen Comicadaption von Joe Hills düsterer Kurzgeschichte "Das Cape" folgt nun mit "Das Cape 1969" das Prequel, in dem das Geheimnis um die magische Eigenschaft, die das Cape seinem Träger verleiht, gelüftet wird. Für die Ausarbeitung der Geschichte zeigen sich wieder Autor Jason Ciaramella und Nelson Daniel, dieses Mal nicht nur als Colorist, sondern auch als Illustrator, verantwortlich. Erzählt wird hier von Gordon Chase, der im Jahr 1969 als Pilot eines Rettungshubschraubers im Vietnamkrieg dient, dort in Gefangenschaft gerät, ums nackte Überleben kämpfen muss, dabei auf okkulte Weise eine Fähigkeit erhält, die ihm nicht nur zur Flucht verhilft, sondern ihn ebenso schleichend zerstört - und wie letzten Endes Eric Chase, noch als glückliches Kind, in den Besitz seines magischen Capes kommt.

Mit Kenntnis des ersten Teils zeigen sich sowohl Ähnlichkeiten als auch Unterschiede zwischen Vater und Söhnen: Nick erweist sich als zielstrebig und tritt künftig in die Fußstapfen seines Vaters, während die Gemeinsamkeit zum Jüngsten eher optischer Natur ist. Denn im Gegensatz zu seinem rachsüchtigen Sohn Eric steht Gordon mit beiden Beinen fest im Leben; beruflich als Arzt (während des Krieges als Pilot), privat als liebender Ehemann und Vater. Doch mit der neuen Fähigkeit zu fliegen, geht auch eine Änderung seines Charakters einher, die ihn ins Verderben stürzt. Das legt den Verdacht nahe, dass Erics labile Psyche nicht allein der Grund für seine schrecklichen Taten wird, sondern das diese dunkle Macht seine seelische Imbalance und seine Aggressionen weiter verstärkt. Ein weiteres Zeichen dafür, wie unheilvoll, alles verzehrend diese Kraft ist, könnte Gordons düstere Vision sein, die sich Jahre später bewahrheiten soll.
Insgesamt wirken die Begebenheiten weniger traurig als im ersten Band, da hier nicht die einst geliebten Menschen zum Ziel der Angriffe werden - was die Geschichte aber keineswegs weniger spannend oder dramatisch macht. Schließlich werden die Schrecken sowie Grausamkeiten des Krieges gezeigt und offenbart, wozu Menschen fähig sind.

Obwohl nun Nelson Daniel die Handlung illustriert hat (zuvor Zach Howard) ist der Zeichenstil annähernd gleich geblieben: ausdrucksstark, realitätsnah und detailreich. Auch diesmal findet sich in den einzelnen Zeichnungen Rasterfolie (Punkte), was die Ähnlichkeit noch mehr verstärkt. Das ist insofern fantastisch, da schon die Bilder des Vorgängers optimal zur düsteren Geschichte gepasst haben - und nun erneut. Ferner liegt dieser eine abwechslungsreiche und interessante Panelstruktur mit immer wieder tollen Bild-im-Bild-Darstellungen sowie ganz- und doppelseitigen Illustrationen zugrunde, die das ganze Geschehen noch spannender machen. Dabei ist die Kolorierung, meist bestehend aus trostlos blassen Erd- und Grüntönen, dem Krieg und der restlichen Umgebung angepasst.
Unschön sind zwar einige leicht verschwommene / unscharfe Visualisierungen (die Texte sind davon nicht betroffen), die aber durch die mitreißenden Ereignisse schnell wieder vergessen sind.

FAZIT: "Das Cape 1969" bietet eine solide, lesenswerte und spannend in Szene gesetzte Vorgeschichte. Die darin enthaltenen Informationen über die Persönlichkeitsveränderung und den zerstörerischen Hass, lassen zudem neue Annahmen für die späteren Geschehnisse zu.

Sarah Mehring



Softcover | Erschienen: 17. März 2014 | ISBN: 978-3862017997 | Originaltitel: The Cape 1969 | Preis: 14,99 Euro | 104 Seiten | Sprache: Deutsch

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