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 Das unerhörte Leben des Alex Woods

oder Warum das Universum keinen Plan hat

Autoren: Gavin Extence
Übersetzer: Alexandra Ernst
Verlag: Limes Verlag

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
"Ich nenne es einen Unfall, weil mir kein passenderes Wort dafür einfällt, aber es trifft die Sache nicht wirklich. Ich bin nicht sicher, ob es überhaupt ein passendes Wort dafür gibt. Die Presse sprach von einem 'außergewöhnlichen Ereignis' oder von einem 'in der Menschheitsgeschichte einzigartigen Vorfall' - obwohl sich das als nicht ganz zutreffend herausstellte."

Alex Woods ist zwölf Jahre alt, als ein Meteorit das Dach seines Hauses durchschlägt und seinen Schädel zertrümmert. Als er nach Wochen im Koma erwacht, kann er sich an die dramatischen Ereignisse nicht erinnern, ist dafür aber eine Berühmtheit in der Welt der Wissenschaft, denn bisher hat nur ein einziger weiterer Mensch einen direkten Meteoritenkontakt überlebt. Das überaus unwahrscheinliche und seltsame Ereignis scheint ein Vorzeichen zu sein für das, was noch folgen soll an unwahrscheinlichen und seltsamen Dingen.
Fünf Jahre später wird Alex auf dem Weg von Calais nach Dover mit einer großen Menge Marihuana im Handschuhfach und einer Urne auf dem Beifahrersitz vom Zoll gestoppt - wie es dazu kommen konnte, erfährt der Leser in diesem Roman ...

Gavin Extences Debüt "Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat" ist eine einfühlsam geschriebene, packende Geschichte voller skurriler Szenen, die immer wieder mit den Erwartungen des Lesers spielt und ihn mal zum Lachen reizt, mal stark berührt.
Anders als der deutsche Titel vermuten lässt, dreht sich der Roman nicht hauptsächlich um Alex' turbulentes Leben, sondern stellt eine ungewöhnliche Freundschaft in den Mittelpunkt. Gavin Extences Protagonist ist - zumindest in den Augen der anderen - ein ziemlich seltsamer Junge, der es durch seine Andersartigkeit nicht leicht hat. Als Alex in einer Verkettung unglücklicher Umstände den alten, meist mürrischen Mr. Peterson kennenlernt, ändern sich beide Leben. So wie Alex durch Mr. Petersons schnörkellose Sicht der Dinge einiges über das Leben lernt und erwachsen wird, so profitiert der alte Herr von Alex' Art und wird zugänglicher. Interessant für alle auf der Suche nach neuem Lesestoff: Durch den alleinstehenden Mann entdeckt Alex unter anderem die Werke des US-amerikanischen Autors Kurt Vonnegut für sich - hat man diesen Roman zugeklappt, bekommt man unweigerlich Lust, die Bücher des 2007 verstorbenen Schriftstellers zu lesen.
Am Ende der Freundschaft von Alex und Mr. Peterson steht ein gesellschaftliches Tabuthema, über das zweifellos mehr geschrieben werden sollte, vor allem auf so unaufgeregte Art.

Zwar gibt es inzwischen zahlreiche Coming-of-Age-Romane mit ähnlich skurrilen Protagonisten (der deutsche Buchtitel zielt vermutlich genau darauf ab), aber dieser Roman hier ist trotzdem erfrischend anders. Einen besseren Aufhänger als einen Meteoriten, von dem jemand am Kopf getroffen wird und es entgegen aller Wahrscheinlichkeit überlebt, kann es kaum geben - doch Gavin Extence hütet sich, alle Karten auf die seltsam äußeren Umstände und auf Alex' Innenleben zu setzen oder ausschließlich mit Kuriositäten zu punkten. Stattdessen überrascht er immer wieder durch ein sehr gutes Gespür für kleine Nuancen, für unaufgeregte Alltagsszenen und ein Ende, das trotz seiner bedrückenden Thematik wunderbar realitätsnah ist.

Eine schöne, witzige und bewegende Geschichte übers Erwachsenwerden und übers Anderssein, vor allem aber über Freundschaft, über das Leben - und das Sterben. Lesenswert!

Eine Leseprobe gibt es hier auf der Verlags-Website.

Christina Liebeck



Hardcover | Erschienen: 3. März 2014 | ISBN: 978-3-8090-2633-4 | Originaltitel: Alex Woods vs. The Universe | Preis: 19,99 Euro | 480 Seiten | Sprache: Deutsch

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