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 Die Berechnung der Welt

Autoren: Klaus Mainzer
Verlag: C. H. Beck

Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Preis - Leistungs - Verhältnis
Big Data ist in aller Munde. Riesige Datenmengen werden Tag für Tag durchs Internet gejagt und von Rechnern verarbeitet. Dabei geht es nicht nur um Forschung, Börsenwerte oder ökonomische Entwicklungen. Auch personenbezogene Daten werden von Facebook und Co. gesammelt und verwertet - mit allen unerwünschten Folgen für einen selbstbestimmten Umgang mit seinen Daten. Der Philosoph Klaus Mainzer legt in seinem Buch "Die Berechnung der Welt: Von der Weltformel zu Big Data" die mathematischen Grundlagen des Umgangs mit diesen riesigen Datenmengen dar.

Das gut 350-seitige Buch ist in 14 Kapitel gegliedert, die sich sowohl mit der Geschichte der Mathematik und Informatik wie auch mit deren Anwendung in verschiedenen Bereichen wie Medizin, Wirtschaft oder Soziologie beschäftigen. Jedes Kapitel ist dabei in zahlreiche Unterkapitel gegliedert, die meistens zwischen einer halben und drei Seiten lang sind. Ergänzt wird der Text durch zahlreiche Formeln und Grafiken.

Der 60-seitige Anhang des Buches umfasst einen längeren Anmerkungsapparat, ein Literaturverzeichnis sowie je ein Sach- und ein Personenregister.

Klaus Mainzers Buch "Die Berechnung der Welt: Von der Weltformel zu Big Data" ist eine anspruchsvolle Geschichte der Mathematik, die für Laien recht schwer zu lesen ist, aber auch stellenweise anschauliche Beschreibungen aus der Anwendung bietet. Darüber hinaus will der Autor dem Big-Data-Wahn ein Plädoyer für Theorie und Verstehen entgegenhalten.

Die mangelnde Verständlichkeit des Buches ist sein größtes Manko. Insbesondere die erste Hälfte des Buches gleicht stellenweise einer Einführung in die höhere Mathematik. Der Autor erklärt recht dicht mit vielen Fachvokabeln und auch an Hand einiger Formeln die Entwicklung der Mathematik und ihrer Probleme. Es werden zwar alle eingeführten Begriffe erklärt und erläutert, aber dabei bleibt der Text zu oft zu nah an einem Lehrbuch-Stil, als dass er Lesefreude aufkommen lassen würde. Diese Wirkung wird noch durch die Gliederung des Textes verstärkt. Die vielen kurzen Unterkapitel, aus denen das Buch besteht, zerfasern den Text in zu viele kleine Häppchen. Was bei einem Lehrbuch sinnvoll ist, um einen Gedanken nach dem anderen zu verstehen, stört hier eher den Lesefluss.

Dabei hat Mainzer viel Interessantes zu erzählen. Er schreibt letztlich eine Geschichte der Mathematik, Informatik und Physik, in der sowohl die Idee der Weltformel als auch die Idee von Big Data erzählt wird. Die mathematischen Entdeckungen der letzten Jahrhunderte werden dabei nicht nur trocken und formalisiert nachvollzogen, sondern auch immer ihre Bedeutung für Wissenschaft und unser heutiges Leben dargestellt. Diese anwendungsorientierten Unterkapitel sind dann auch die für den Laien lesbarsten.

Auch ist die Grundthese des Autors wichtig. Bei Big Data geht es vor allem darum riesige Datenmengen zu sammeln und mittels Algorithmen Korrelationen zu entdecken. So können bisher unbekannte Zusammenhänge entdeckt werden oder in vielen Bereichen Frühwarnsysteme oder Zukunftsprognosen entwickelt werden. Aber Korrelation ist keine Kausalität. Mainzer führt im gesamten Buch immer wieder Beispiele auf, die zeigen, dass wir Zusammenhänge verstehen müssen, wenn wir nachhaltig Probleme lösen wollen und neue Erkenntnisse anstreben. Sich einzig auf das Konzept Big Data zu verlassen, kann mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen.

Hätte Mainzer sich auf diese These konzentriert, hätte er auf so manche komplexe mathematische Herleitung verzichten können. Es ist als Leser gar nicht notwendig, jedes theoretische Detail der Turingmaschine oder der Wahrscheinlichkeitsrechnung zu verstehen, um dieses Anliegen des Autors zu begreifen. Letztlich ist das Buch zwar wegen dieses Anliegens und vieler interessanter Stellen die Lektüre wert, aber die Kost hätte sehr viel leichter zu verdauen sein können. Wer dieses Werk lesen will, sollte daher viel Muße mitbringen und auch mal die Geduld haben, manche Abschnitte mehrmals zu lesen.

Das Inhaltsverzeichnis gibt es auf der Verlagswebsite.

Andreas Schmidt



Hardcover | Erschienen: 14. April 2014 | ISBN: 978-3406661303 | Preis: 24,95 Euro | 352 Seiten | Sprache: Deutsch

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