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 Der Wind in den Dünen

Autoren: Michel Plessix
Illustratoren: Michel Plessix
Übersetzer: Harald Sachse
Verlag: Toonfish Verlag

Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Michel Plessix hat den Kinderbuchklassiker "Der Wind in den Weiden" von Kenneth Grahame als Comic umgesetzt. Dabei hat er offensichtlich so viel Spaß an der Geschichte und den Figuren entwickelt, dass er sich noch mehr Abenteuer für Maulwurf, Ratte und den Kröterich ausgedacht hat. Diesmal weht "Der Wind in den Dünen".

Ratte ist mit dem Leben zufrieden und genießt jeden Moment, den er am Fluss verbringt. Eines Tages begegnet ihm auf einem seiner Spaziergänge eine Schiffsmaus, die ihm von ihren zahlreichen Seefahrten berichtet und was es für sie bedeutet, sich die Meeresluft um die Nase wehen zu lassen. Als Erinnerung oder Dankeschön für ein kleines Picknick lässt sie Ratte sogar eine kleine Muschel da. Nach dieser leidenschaftlichen Erzählung kommt dieser ins Grübeln. Weiß er wirklich schon alles? Hat Ratte wirklich schon alles gesehen, was das Leben ihm zu bieten hat? Er wird unsicher und spricht mit seinen Freunden darüber.
Dummerweise nimmt ausgerechnet der Kröterich sich die Berichte sehr zu Herzen, er wittert seine ganz große Chance und macht sich auf den Weg zum Hafen. Seine Freunde versuchen alles, um ihn einzuholen, allerdings gelingt es ihnen nur noch, ebenfalls auf das Schiff zu gelangen, auf dem der Lurch sich versteckt hält, bevor es auch schon ablegt. So haben sie sich das nicht vorgestellt. Jetzt sind sie blinde Passagiere auf dem Weg ins Ungewisse.

Es dauert eine ganze Weile, bis sie endlich wieder festen Boden unter den Füßen spüren. Nun sind Ratte, Maulwurf und der Kröterich also im Orient angelangt. Niemand spricht ihre Sprache und sie haben nicht mal Geld für die Rückreise. Eigentlich sieht es für sie gar nicht mal so rosig aus, aber zum Glück gibt es die sprichwörtliche Gastfreundschaft. Und ganz ohne ein Abenteuer können sie natürlich auch nicht nach Hause, ob sie wollen oder nicht. So beginnt eine Reise in die geheimnisvolle Wüste...

Dem "Wind in den Dünen" ist deutlich anzumerken, dass nun nicht mehr die Romanvorlage von Kenneth Grahame Pate für die Geschichte stand, nur die Charaktere habe es in die weitergedachte Welt von Michel Plessix geschafft. Und von denen kommt ausgerechnet der Dachs, eine der beliebtesten Figuren des Originals, nur am Rande vor. Da Plessix hier komplett eigene Wege geht, ist das aber nur eine Geschmackssache und tut der Story selbst keinen Abbruch, ganz im Gegenteil wäre ein besonnener Kopf wie der des Dachses für eine verschrobene und ungeplante Geschichte, wie wir sie hier erleben, vermutlich gar nicht geeignet.

Der Autor und Zeichner Plessix entführt seine Leser in eine Welt weit entfernt von der Idylle des Waldes. Das passt gut zu der neuen Geschichte und der Leser ist nicht ständig versucht, Vergleiche zu ziehen. Erzählerisch gibt ihm das außerdem die Möglichkeit, sich mit einer anderen Kultur zu beschäftigen und seine Figuren in immer wieder neue und fremde Situationen stolpern zu lassen. Dabei bedient er sich sowohl positiver als auch negativer Klischees, die der Orient zu bieten hat. Positiv ist zum Beispiel besagte Gastfreundlichkeit, als Negativbeispiel dient die Hygiene, wobei hier lobenswerterweise Unterschiede beleuchtet werden, anstatt einfach nur platte Witze zu reißen.
Auch zeichnerisch bietet das Umfeld ganz neue Möglichkeiten als die Originalgeschichte. Endlose Wüste, fremdländische Kleidung und eine gänzlich andere Farbwelt lassen den Leser in eine mystisch anmutende Welt eintauchen.

Ein schöner "Running Gag" sind die Fliegen und andere Insekten, denen hier eine Stimme gegeben wurde. Es sind immer nur ganz kleine Momente, die nebenbei während einer großen Szene ablaufen, aber dafür umso größeren Spaß machen. Eine Fliege begleitet die Gruppe quasi auf ihrer Reise, nämlich auf der Suche nach ihrem verschwundenen Gefährten, der im Magen einer Schwalbe gelandet ist. Insgesamt ist die Geschichte noch deutlich humorvoller geworden als ihr Vorgänger.

Fazit:
Es ist nicht "Der Wind in den Weiden", aber auch wenn der Wind durch die Dünen weht, kann der Fan von Ratte, Maulwurf und dem Kröterich viel Spaß mit altbekannten Charakteren haben. Der Leser bekommt eine lustige und erstaunlich vielschichtige Fortsetzung geboten, die auch zeichnerisch wieder von sehr hoher Qualität ist.

Toonfish hat alle Einzelteile von "Der Wind in den Dünen" als hochwertige Gesamtausgabe veröffentlicht und bietet auf seiner Homepage eine ausführliche Leseprobe an.

Bine Endruteit



Hardcover | Erschienen: 1. Dezember 2013 | ISBN: 9783868696974 | Originaltitel: Le Vent dans les Sables | Preis: 34,80 Euro | 160 Seiten | Sprache: Deutsch

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