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 Die Haie von Lagos - Zweiter Zyklus, Band 1: Die Geister des Meeres


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Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Lambert lebt. Sein Hass ist unermesslich. Sein Ziel ist Rache. Rache am Leben, Rache am Tod, Rache an allen, die ihm in die Quere kommen.
Doch zwischen ihn und seine Rache schiebt sich ein gewaltiger Orkan auf hoher See. Er und Sarah sehen dem Tod ins Auge. Einem mitleidlosen, kalten und nassen Tod inmitten gewaltiger Wellenberge und seelenloser Naturgewalten. Nur ein stiller und gnadenloser Beobachter folgt dem kleinen Schiff in seinem ausweglosen Kampf gegen die zerstörerische Macht des Meeres. Der Hai, dessen Seele in Lambert wütet.

Ein Vierteljahrhundert nach der bahnbrechenden Trilogie Die Haie von Lagos versucht Matthias Schultheiss anzuknüpfen an etwas, was fast zu einem Mythos geworden ist. Kann das gut gehen? Kann man zum Beispiel heute "Harry Potter 8" schreiben oder gar "Der Herr der Ringe" fortsetzen?
Man kann, aber die Erwartungen wären hoch, sehr hoch und der Druck gewaltig, etwas Perfektes, Großartiges abzuliefern.

Dem entzieht sich Matthias Schultheiss, indem er eigentlich gar keine Geschichte bietet. Er lässt seinen Helden einfach in Hemingway'scher Manier aufs Meer hinausfahren und gegen einen Orkan - und einen Hai - antreten. Finish, Klappe, Fortsetzung folgt.
Der Rahmen - die ersten Seiten spielen vierundvierzig Tage nach dem Orkan, was in gewisser Weise das Ende dieses Kampfes vorwegnimmt, und die letzten Seiten führen zu einem kleinen Cliffhanger, der ins Nirgendwo weist - ist kaum der Rede wert. Außer einer gruseligen Folterszene (die hier zu "genießen" ist) gibt es weder eine Dramaturgie noch einen roten Faden. Es sind einfach nur Bilder eines Kampfes auf hoher See - sonst nichts.

Trotzdem, oder grade wegen dieser erzählerischen Nullnummer ist der Band Die Geister des Meeres eine Sensation. Und zwar einzig und allein aufgrund der unglaublichen Illustrationen, die das Ausnahmetalent Schultheiss (grade eben 68 geworden) abgeliefert hat. Solch ein Sturm ist in Comic-Form noch nicht da gewesen. Diese Panels erzählen in atemberaubender Art und Weise eine Geschichte, die es wert ist, betrachtet zu werden. Bei aller oben geäußerter Kritik bleibt dieses Album doch wirklich einmalig. Die prachtvolle Optik des Splitter-Druckes, das große Format, die variantenreiche Panelanordnung, der Einsatz der Blautöne, die Wucht der Bilder muss ein jeder gesehen haben.
Schade nur, dass hier nicht ein wenig Story hinzugefügt wurde. Oder wenigstens die Texte, die dem Geschehen hinzugefügt wurden, weniger platt daherkommen würden. Schade, dass Folter und Gewalt Selbstzweck sind und keiner Dramaturgie folgen. Schade, dass der Mythos "Die Haie von Lagos" nicht fortgesetzt wird, sondern einem - wenn auch großartigen - Intermezzo weicht, das dem Meer und den zeichnerischen Fähigkeiten von Matthias Schultheiss eine Bühne bietet.

Stefan Erlemann



Hardcover | Erschienen: 1. Juni 2014 | ISBN: 9783868697421 | Preis: 13,80 Euro | 48 Seiten | Sprache: Deutsch

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