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 Die 7 Todsünden

1.700 Jahre Kulturgeschichte


Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Preis - Leistungs - Verhältnis
Hochmut, Habgier, Neid, Trägheit, Völlerei, Wollust und Zorn So heißen die sieben Todsünden, welche im Mittelpunkt dieses Ausstellungsbandes stehen. Auch wenn bereits in der Bibel erste Ansätze zu erkennen sind, so haben die Todsünden ihren eigentlichen Ursprung erst im 4. Jahrhundert nach Christus in Ägypten. Dort entledigte sich der christliche Mönch Antonius jeglichen weltlichen Versuchungen, um fortan ein Leben in vollkommener Askese zu führen. Damit wurde er zum Vorbild für andere Mönche wie Evagrius Ponticus, der erstmals acht Laster definierte, welche er auch schriftlich festhielt. Mit Papst Gregor dem Großen fand die "Hauptlasterlehre" im 6. Jahrhundert nach Christus weitere Verbreitung, insbesondere bei geistlichen Amtsträgern. Allerdings dauerte es dann bis zum Vierten Laterankonzil (1215), dass diese Hauptlaster unter der neuen Bezeichnung "Todsünden" bei der breiten Bevölkerung bekannter wurden. Denn fortan sollte jeder Christ mindestens einmal im Jahr beichten. Im Laufe der nachfolgenden Jahrhunderte hat sich die Bedeutung und Gewichtung der Todsünden dann immer wieder verschoben. Und so manche Todsünde dient heute eher als Verheißung denn als Sünde. "Geiz ist" in unseren Zeiten eben "geil", "Sex sells" und mit Hochmut in Form einer inszenierten Selbstdarstellung erlangte schon so mancher Casting-Bewerber Berühmtheit.

Neben einer Einführung und zwei Aufsätzen zur Entstehung der Todsündenlehre enthält der Band im ersten Teil sechs Beiträge, welche diese Veränderungen von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart thematisieren. Ergänzt werden die einzelnen Aufsätze durch den Exponatteil im zweiten Teil des Bandes.

Bereits ein kurzer Blick in das Buch verdeutlicht, dass die Todsünden seit jeher auch visuell in Szene gesetzt wurden und eine vielfältige Ikonografie hinterlassen haben. So ist es kein Wunder, dass der Band zahlreiche bildliche Darstellungen enthält, welche den Menschen die Todsünden nahegebracht haben. Und es lohnt sich einen genauen Blick auf diese zu werfen, denn es sind die bildhaften Darstellungen, die aus den abstrakten Begrifflichkeiten, mit denen die Todsünden bezeichnet werden, konkrete Vorstellungen werden lassen. Wie gut, dass der Band durch seine sehr hohe Abbildungsqualität überzeugt. Hinzu kommen gut nachvollziehbare Bilderläuterungen, die zwar nicht jedes Detail thematisieren, welche aber ausreichend sind, um den grundlegenden Sinngehalt zu verstehen.

Je näher sich die Exponate in die Gegenwart bewegen, desto mehr zeigt sich, dass die Todsünden ihren ursprünglichen Schrecken verloren haben. Dies deckt sich auch mit den Ausführungen von Alexandra Buterus, die konstatiert: "Die Gesellschaft der Gegenwart betrachtet die einstigen Laster differenziert: Sie werden zunehmend als körperliche und geistige Bedürfnisse, Emotionen oder Charakterzüge verstanden, denen sowohl positive als auch negative Effekte abgewonnen werden können." So ist beispielsweise die Trägheit in unserer schnelllebigen Arbeitswelt heute nicht nur negativ konnotiert, sondern kann als maßvoller Müßiggang gar eine notwendige Voraussetzung darstellen, um nicht einen "Burn-Out" zu erleiden. Hier aber auch an anderen Stellen des Bandes zeigt sich, dass die Autoren des Bandes die sieben Todsünden nicht eindimensional betrachten, sondern deren Ambivalenz sowie die feinen begrifflichen Unterschiede herausarbeiten.

FAZIT: So dämonisch die sieben Todsünden seit jeher auch wirken mögen, der vorliegende, visuell sehr ansprechende Ausstellungsband schafft die richtige Balance zwischen Faszination und differenzierter Aufarbeitung.

Weitere Informationen zum Buch finden sich auf der Webseite des Verlags.

Matthias Jakob Schmid



Hardcover | Erschienen: 30. Mai 2015 | ISBN: 9783870233792 | Preis: 29,90 Euro | 304 Seiten | Sprache: Deutsch

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