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 Das dunkle Herz der Welt

Autoren: Liliana Le Hingrat
Verlag: Knaur

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Vladislav Basarab will Fürst der Walachen werden, nun, da sein Vater gestorben ist. Der Thron steht im zu, denkt er, doch er ist weit von seinem Heimatland entfernt. Seit er fünf Jahre alt ist, lebt er am Hofe des luxemburgischen Königs Sigismund und ist diesem treu ergeben, zumal der König ihn zum Drachenritter ernennt. Fortan soll es Vladislavs Aufgabe sein, das Christentum zu verteidigen und die Türken davon abzuhalten, Europa zu erobern. Doch in seiner Heimat spinnen Gegner ihre Intrigen und wollen den Thron mit einem der ihren besetzen. Auch aus anderer Richtung droht dem Adeligen Ärger, denn sein bis dahin guter Freund János neidet ihm die Aufmerksamkeit des Königs. Als dann auch noch eine Frau ins Spiel kommt, setzt János alles daran, Vlad vom Thron der Walachen fernzuhalten. Dieser kann Ränkespiele nun so gar nicht gebrauchen, denn in der Ferne streckt Mehmet II seine Fühler nach weiteren Eroberungen aus und schon bald sieht sich Vladislav in einer Vielzahl von Konflikten und Intrigen verstrickt.

Vlad II Dracul, ist das nicht ...? Nein, es ist nicht der gefürchtete walachische Pfähler und noch weniger ist es der transsylvanische Blutsauger, sondern der Vater des später so berüchtigten Vlad Draculea. Wer sich mit der Familiengeschichte noch nicht auseinandergesetzt hat, wird erstaunt sein, wie verstrickt die Fürsten in die Ränkespiele der europäischen Politik waren.

Da geht es nicht nur um ungarische oder rumänische Politik, auch das Osmanische Reich und das römisch-deutsche Kaiserreich sind verstrickt, vom Vatikan mal ganz abgesehen, geht es doch um das Schicksal des Christentums. Autorin Liliana Le Hingrat macht da keine halben Sachen, sie will eine umfassende Geschichte erzählen, sachlich fundiert und spannend aufbereitet, und so füllt sie ihr Erstlingswerk auf 768 Seiten mit jeder Menge Informationen. Da gibt es nichts zu rütteln, die Fakten sind gut recherchiert und es ist eine Freude, sie so durchgehend interessant präsentiert zu lesen. Nun ist die europäische Geschichte dieser Zeit ein gewaltiges Thema und nimmt einen großen Raum in diesem Buch ein. Es ist daher nicht überraschend, das den einzelnen Personen weniger Aufmerksamkeit eingeräumt wird. Sicher, Vladislav, der Ritter des Drachenordens ist die Hauptperson und steht daher natürlich im Mittelpunkt. Schon bei seinem Freund János Hunyadi dagegen ist nicht ganz klar, warum dieser großartige Stratege und Ritter sich gegen seinen Freund wendet.

Unerfüllte Liebe, und dann auch noch wegen einer Frau, die ihn nicht einen Augenblick liebt und ihm das auch klar macht? Das ist schwer zu glauben, ist János doch ansonsten ein Mann, der mitten im Leben steht. Sollte es die erfahrene Kränkung sein, ein verlorenes Turnier? So ganz nachvollziehbar ist das nicht und auch andere Protagonisten wirken in sich nicht ganz logisch. Besonders die Personen, die nur kurz auftreten, wirken manchmal wie Scherenschnitte. Schlimm ist das nicht, es macht nur deutlich, für wen "Das dunkle Herz der Welt" gedacht ist. Wer am Liebsten eine Geschichte liest, die ans Herz geht und ein paar historische Fakten enthält, der sollte seine Schritte beschleunigen und an diesem Buch vorbei gehen.

Wer auf leidenschaftliche Liebesschwüre pfeifen kann und stattdessen mehr über Europa im 15. Jahrhundert erfahren will, vielleicht tatsächlich noch mit dem Schwerpunkt auf die Walachei, der ist hier richtig, denn in diesem Fall findet er alles, was sein Herz begehrt.

Weitere Informationen finden sich auf der Verlagsseite

Iris Jockschat



Softcover | Erschienen: 2. November 2015 | ISBN: 978-3-426-51759-8 | Preis: 14,99 Euro | 768 Seiten | Sprache: Deutsch

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