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 Das Opfer von Angel Court

Serie: Thomas und Charlotte Pitt Romane, Band 30
Autoren: Anne Perry
Übersetzer: K. Schatzhauser
Verlag: Heyne

Cover
Gesamt ++---
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Warum ausgerechnet der Staatsschutz für Sofia Delacruz zuständig sein soll, leuchtet dem ehemaligen Polizeiinspektor Thomas Pitt nicht ein. Doch die junge Frau, die als Predigerin tätig ist, hat Morddrohungen erhalten und sollte ihr etwas zustoßen, würden sich die ohnehin schwierigen Beziehungen zwischen Großbritannien und Spanien möglicherweise so sehr verschlechtern, dass Krieg droht. Als Delacruz schließlich spurlos verschwindet, wird klar, dass die Drohungen einen ernsten Hintergrund hatten und Thomas Pitt muss alles daran setzen, die Frau zu finden, bevor es zu einer Katastrophe kommt.

Die Inhaltsangabe des Verlags zu diesem Buch fällt recht knapp aus, doch um es deutlich zu sagen, mehr muss auch nicht sein. Eine Frau verschwindet, sie muss gefunden werden und das ist nicht so einfach. Mehr Inhalt ist nicht drin. Sicher, die Autorin Ann Perry fügt dieser recht dürren Handlung noch ein paar Aspekte hinzu, etwa die gesellschaftliche Stellung der Frau, das christliche Weltbild und beider Einfluss auf die viktorianische Gesellschaft. Es ist nur kein bisschen interessant. Machten in früheren Werken der Autorin eben solche Überlegungen den Reiz des Krimis aus, sind sie hier nur Seitenfüller. Thomas Pitt ist nun Leiter des Staatsschutzes und kann seine Fälle nicht mehr mit seiner Frau Charlotte teilen, wie er es früher tat. So überlegt er einsam vor sich hin, während Charlottes Rolle darauf beschränkt ist, ihm abends verständnisvoll zuzuhören und liebevoll zu lächeln. Tagsüber fährt Pitt von einem Ort zum anderen, um Leute zu befragen, und zwischendurch grübelt er darüber nach, wie schön seine Frau ist, wie groß seine Tochter geworden ist und was für ein reines Herz sie doch hat. Auch der tiefe Glaube seiner Mutter und verschiedene christliche Theorien beschäftigen ihn. Einerseits passt das ganz gut zu den theologischen Thesen, welche die verschwundene Frau verbreitet hat, andererseits werden diese dem Leser gleich dreimal serviert, nämlich wenn Frau Delacruz predigt, wenn Pitt darüber nachdenkt und wenn er nach Hause kommt. So oft will das wirklich niemand lesen.

Der Roman hat also ein deutliches Problem. Er fällt zu gedankenschwer aus, zu melancholisch und der Reiz, der die früheren Pitt-Romane ausgemacht hat, ist dahin. Charlotte und ihre durchaus bunt geratene Familie sind zu Statisten geworden, die keine größere Rolle mehr spielen und das wäre schon schade genug. Doch es kommt hinzu, dass die Handlung vorhersehbar ist. Täter und Motiv sind leicht zu erraten. Kaum dass sie auf der Bildfläche erscheinen und während sich der Staatsschutz noch in bedeutungsvollen Analysen verdächtiger Blicke und verschwiegener Worte verliert, möchte der Leser den Chefermittler schütteln, damit dieser endlich seine erdenschwere Lethargie abschüttelt und handelt.

Über die Jahre hat sein Weg Thomas Pitt unwiderruflich nach oben geführt, doch einen Gefallen getan hat Pitt sich damit nicht. Schon immer war dieser Mann eher nachdenklich als impulsiv, doch in seinem neuen Roman scheint er in eine Schockstarre verfallen zu sein, die ihn lähmt und seine Leser langweilt. Ann Perry hat spannende, interessante Figuren geschaffen. Es wird Zeit, dass sie sich daran erinnert und ihnen wieder Leben verleiht.

Ein Blick ins Buch ist auf der Verlagsseite möglich.

Iris Jockschat



Taschenbuch | Erschienen: 11. Januar 2016 | ISBN: 9783453438194 | Originaltitel: The Angel Court Affair | Preis: 9,99 Euro | 416 Seiten | Sprache: Deutsch

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