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 Manifest Destiny, Band 1: Flora und Fauna

Serie: Manifest Destiny, Band 1
Autoren: Chris Dingess
Illustratoren: Owen Gieni, Matthew Roberts
Übersetzer: Christian Langhagen
Verlag: Cross Cult

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Von der Lewis- & Clark-Expedition mag der eine oder andere schon gehört haben. Allerdings nicht so, wie sie in diesem Comic beschrieben wird: Wir schreiben das Jahr 1804, als die beiden Forscher mit einer Gruppe von Freiwilligen, gut bezahlten Kräften, aber auch Sträflingen in unbekanntes Gefilde aufbrechen. Die Schiffsreise verläuft weitgehend unspektakulär. Ungewöhnlich wird es, als sie an Land gehen. Was sie als Erstes sehen ist ein riesiger Bogen aus Pflanzen, fast schon ein Tor, von dem sich niemand erklären kann, wer dazu fähig wäre, so etwas zu bauen. Er sieht allerdings nicht aus, als wäre er zufällig entstanden. Während der Trupp noch grübelt, taucht ein Wesen auf, das alle Vorstellungen übertrifft. Es bricht aus dem Unterholz hervor und greift die Gruppe an. Trotz des anfänglichen Schreckens wird das Wesen besiegt und bei einer Autopsie untersucht. In Ermangelung einer geeigneteren Bezeichnung wird es Minotaurus genannt, obwohl das Wesen statt auf den Hinterbeinen zu laufen, einen Büffelkopf hatte, was nicht wirklich dem Minotaurus der Sage entspricht. Aber ein anderes Wort als dieses oder "Monster" lässt sich einfach nicht finden.

Die Männer sind verwirrt, ängstlich und wütend, denn das, was ihnen in dieser Welt begegnet ist, ist nicht ein einfacher Stamm von Wilden, damit hätten sie umgehen können. Trotz oder gerade wegen der aktuellen Ereignisse zieht die Truppe weiter in Richtung des Forts La Charrette, ihrem ursprünglichen Ziel, entgegen. Lewis und Clark sollen dort auf eine junge Frau treffen, eine Indianerin, die ihnen dabei helfen soll, ihre Mission zu erfüllen. Was die Forscher hier erwartet ist jedoch etwas ganz anderes.

Eins der ganz großen Horror-Themen derzeit sind immer noch Zombies. Die ganz große Welle ist zwar schon wieder abgeflacht und wer sich jetzt noch dem Thema widmet, muss mit mehr aufwarten können als dem klassischen, wiederauferstandenen Toten, der auf der Suche nach Hirn durch die Gegend schlurft. In "Manifest Destiny" begegnen wir solch besonders ungewöhnlichen Exemplaren dieser Art.

Den Fokus legt die Geschichte auf eine degenerierte Natur. Nur oberflächlich präsentiert sich die Wildnis als normal. Doch es gibt eben auch die "Minotauren", merkwürdige Gebilde und (quasi als Highlight) Pflanzen-Zombies. Also Menschen, die von einer krankhaften Flora befallen werden und sie aufs drastischste in willenlose Monster verwandelt. Damit muss die Lewis- & Clark-Expedition, die den Rahmen für die Erzählung bildet, erst einmal zurechtkommen.

Als wären die übernatürlichen Probleme nicht schon genug, gibt es auch zwischenmenschliche Dramen. Gerade die Sträflinge, die zu dieser Mission mitgenommen wurden, geben einen prima Gegenpart zu den gewissenhaften Forschern ab. Ihnen geht es hauptsächlich ums Überleben und die Hoffnung mit ihrem Einsatz irgendwie die Freiheit zu erlangen. Legal oder durch Flucht. Dabei schrecken sie nicht vor Mord zurück.

Es ist also ein wahrer Hexenkessel, in dem sich der Leser hier befindet. Alles ist bedrohlich. Menschen, Pflanzen, das Unbekannte. Nichts und niemandem kann sicher vertraut werden. So entsteht schnell eine bedrückende Atmosphäre voller Ungewissheit. Dem Leser wird über die Hintergründe des Geschehens nicht mehr enthüllt als den Figuren im Comic, was dazu führt, dass am Ende mehr Fragen offen bleiben als beantwortet sind. Der Spannungsbogen wurde weit gespannt, aber leider nicht aufgelöst, weshalb sich die Geschichte auch noch nicht in ihrer Gesamtheit entfalten kann. Sie ist klar als Ganzes zu sehen, nur der erste Band lässt noch zu viel offen.

Der Gewaltanteil ist hoch und blutig und gibt dem Leser so manches zum Ekeln und Gruseln mit auf den Weg. Dabei geht der Eindruck einer "echten" Expedition aber nie verloren. Es ist jedoch schon so, dass das Geschehen im Mittelpunkt steht, nicht die Menschen. Dementsprechend ist es nicht immer ganz einfach, sich mir ihnen zu identifizieren. Dafür sind die Bilder umso eindringlicher. Wunderbar detailreich und optisch überzeugend ziehen sie den Leser schnell in ihren Bann und lassen ihn auch nach der Lektüre nicht so schnell wieder los.



Die ersten Seiten des Comics stehen auf der Webseite Cross Cult als Leseprobe zur Verfügung.

Bine Endruteit



Hardcover | Erschienen: 25. Januar 2016 | ISBN: 9783864258268 | Originaltitel: Manifest Destiny Vol. 1 | Preis: 20,00 Euro | 128 Seiten | Sprache: Deutsch

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