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 1917 - Revolutionäres Russland


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Preis - Leistungs - Verhältnis
Wer das 20. Jahrhundert verstehen will, kommt nicht umhin, ins Jahr 1917 zu blicken und dort die Geschehnisse in Russland zu betrachten. Immerhin gelang dem Kommunismus, dessen Ideologie fortan nachhaltig das Weltgeschehen mitprägte, hier der machtpolitische Durchbruch. Denn aus dieser revolutionären Keimzelle entwickelte sich nichts anderes als die spätere Sowjetunion. So stellt das Jahr 1917 sicherlich eine der wichtigsten Zäsuren der jüngeren Geschichte dar, welche jahrhundertelange Gepflogenheiten einfach hinwegfegte.


Die Revolution aber besiegelte nicht nur das Ende des alten Russland. Sie war der Beginn einer neuen Ära, in der alles möglich schien, was bislang nur gedacht worden war.


Folgerichtig beginnt der vorliegende Band genau da, wo dieses Ende offen zutage tritt - mit der Ermordung der Romanows, der Zarenfamilie Russland. Auch wenn Revolutionen bekanntlich mit einem plötzlichen Umsturz umschrieben werden, so gab es auch in Russland bereits seit Längerem Anzeichen eines derartigen Wandels, der in zwei weiteren Aufsätzen ("Der gärende Vielvölkerstaat", "Der Bazillus des Umsturzes") behandelt wird. Erst der Beitrag "Die Revolution vor der Revolution", welcher den Sturz der Monarchie und das Handeln der provisorischen Regierung thematisiert, führt die Leser ins Jahr 1917 oder besser gesagt in das Frühjahr desselbigen. Ein halbes Jahr später war jedoch alles bereits wieder ganz anders, als "Lenin, Trotzki & Co", so ein weiterer Aufsatztitel, im "Roten Oktober" die Macht an sich rissen und "eine Partei neuen Typs" prägten. Beides, sowohl der Staatsstreich der Bolschewiki als auch die Organisation der Macht und die damit einhergehende "Kulturrevolution", sind Themen von drei weiteren Beiträgen des Bandes. Abgerundet wird der Band schließlich mit einem Aufsatz zum Russischen Bürgerkrieg, der auf die Revolution folgte, sowie einem Beitrag von Jörg Baberowski, der die Geschehnisse und Folgen in Form einer Synthese noch einmal zusammenfassend betrachtet.

Der vorliegende - in Zusammenarbeit mit der Geschichtszeitschrift "DAMALS" entstandene - Band ist so ein Buch, bei dem eigentlich alles passt: fachlich einwandfreie Texte, ein übersichtliches und äußerst ansprechendes Layout sowie Hochglanzbilder in Farbe und Schwarz-Weiß. Und dennoch zündet der Band nicht so richtig. Doch woran liegt das? In der Hauptsache wohl am nüchternen Stil der einzelnen Aufsätze, welche die Geschehnisse und Hintergründe sehr distanziert beschreiben und analysieren. Fachlich werden so die Sachverhalte zwar alle einwandfrei dargestellt, was jedoch auf der Strecke bleibt, sind die Geschichten hinter der Geschichte beziehungsweise die Menschen, deren alte Welt von den revolutionären Geschehnissen - egal ob sie dies gut oder schlecht fanden weggerissen wurde. So ist der Band eben kein Geschichtsbuch, das im Stile eines Orlando Figes fesselt. Symptomatischerweise beschäftigt sich zum Beispiel der Beitrag Helmut Altrichters zum Russischen Bürgerkrieg vergleichsweise viel mit Aspekten der Verwaltung und Organisation, während das menschliche Leid vornehmlich auf der Bildebene (und dies auch erst am Ende des Beitrages) transportiert wird. Eine Schwierigkeit des Bandes liegt sicherlich auch darin, dass die Beiträge aufgrund ihrer hohen Faktendichte ohne Vorwissen eine Hürde darstellen, die erst einmal verdaut werden muss. Ist dieses Wissen vorhanden, bieten die einzelnen Aufsätze eine konzise Darstellung zum Thema.

Wie bereits angedeutet liegt die Stärke des Bandes in der Optik - und das ist nicht abwertend gemeint. Denn dieser enthält zahlreiches Bildmaterial zum Thema, welches so bisher in deutschsprachigen Publikationen kaum zu finden war und hier in hervorragender Druckqualität vorliegt. Erschlossen werden diese durchgängig durch Bilderklärungen, die allerdings zum Teil etwas oberflächlich sind. So fehlen sowohl Angaben zur Entstehung und Ursprung der Bilder (ein Bildquellenverzeichnis wird der Leser am Ende ebenfalls vermissen) als auch eine tiefere inhaltliche Erschließung.

FAZIT: Der Band ist gewiss nicht schlecht und fachlich auf der Höhe. Trotzdem fehlt diesem trotz der sehr ansprechenden Aufmachung und der vielen Hochglanzbilder das gewisse Etwas.

Weitere Informationen sowie ein Blick ins Buch finden sich auf der Webseite des Verlags.

Matthias Jakob Schmid



Hardcover | Erschienen: 12. September 2016 | ISBN: 9783806233650 | Preis: 24,95 Euro | 128 Seiten | Sprache: Deutsch

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