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 Der Dieb

Autoren: Fuminori Nakamura
Übersetzer: Thomas Eggenberg
Verlag: Diogenes

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Eigentlich führt der namenlose Tokioter Taschendieb und Ich-Erzähler ein recht unkompliziertes Leben. Er hat sich auf wohlhabende Männer spezialisiert, denen er dezent das Portemonnaie aus der Luxusmanteltasche zieht. Das Geld darin behält er, alles andere lässt er den Besitzern wieder zukommen. Für seine Tätigkeit bietet sich Tokio geradezu an mit seinem Gedränge in den Straßen und Bahnen. Etwas in seinem Leben verändert sich jedoch allmählich, als er einen kleinen Jungen beim Stehlen in einem Supermarkt beobachtet. Der Kleine wurde von seiner Mutter, einer Prostituierten, angestiftet. Niemand scheint das Kind zu lieben, und ohne es zu wollen, beginnt der Dieb, sich für das Kind verantwortlich zu fühlen. Doch dann tritt zum zweiten Mal im Leben des Protagonisten Kizaki auf den Plan, ein Yakuza-Boss, und das bedeutet nichts Gutes.

Zwar bietet Tokio einem Taschendieb optimale Arbeitsmöglichkeiten, doch auch Kleinkriminelle können der Yakuza, der japanischen Mafia, nicht ausweichen, wenn diese sich für ihre Tätigkeit und vor allem ihre Fähigkeiten interessiert. Das hat auch der Protagonist in Nakamuras Roman erfahren müssen. Überraschenderweise ließ ihn der Yakuza-Boss Kizaki nach einem erzwungenen Einsatz am Leben, obwohl er sonst gern seine sadistischen Neigungen auslebt. Und so hat sich der Dieb wieder ungestört in sein übliches Leben eingefunden - ein bisschen Robin Hood gehört dazu, bestiehlt er doch nur Reiche und unterstützt eine Prostituierte, insbesondere deren kleinen Sohn, der ihm unerwartet etwas ans Herz wächst. Diese Schwäche nutzt Kizaki, um sich erneut des Diebes zu versichern, der nun erpressbar ist.

Es gelingt Nakamura, diesen Roman wie eine harmlose Schelmengeschichte beginnen zu lassen und den Leser anschließend immer tiefer in eine Düsternis hineinzuziehen, aus der es kein Entrinnen gibt. Im Zentrum steht der mächtige Yakuza Kizaki, der seine Macht genießt, alle Menschen in seiner Umgebung nach Belieben manipuliert beziehungsweise auch tötet oder aus einer Laune heraus auf das Töten verzichtet - und das alles ohne sich je die Finger schmutzig zu machen. Kizaki umgibt eine Aura des abgrundtief Bösen, und Nakamura zeichnet diese völlig glaubwürdig. Kizaki erscheint wie eine Verkörperung eines unvermeidlichen und unerbittlichen Schicksals. Ebenso authentisch wie der Yakuza wirkt der Dieb, der sich lediglich seinen bescheidenen Lebensunterhalt zusammenstiehlt und sein Herz entdeckt, als ihn ein kleiner, armseliger Junge an seine eigene trostlose Kindheit erinnert. Zwischen diesen beiden Gegenpolen bewegen sich noch einige andere Figuren, doch diese bleiben schemenhaft - sie erfüllen ihren Zweck, ohne etwas von der gewaltigen Spannung zwischen dem einfachen Dieb und dem personifizierten Bösen abzuschwächen.

Eine grenzenlose Tristesse verscheucht jeden Gedanken an ein zwischendurch eigentlich mögliches "Happy End". Mit "Der Dieb" präsentiert Fuminori Nakamura einen atmosphärisch dichten Roman, der den Leser packt und nicht mehr loslässt.

Eine Leseprobe bietet die Verlagsseite.

Regina Károlyi



Taschenbuch | Erschienen: 18. Januar 2017 | ISBN: 9783257243765 | Originaltitel: Suri | Preis: 12,00 Euro | 211 Seiten | Sprache: Deutsch

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