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 Digitaler Deutschunterricht

Neue Medien produktiv einsetzen


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Preis - Leistungs - Verhältnis
Wer die diesjährige Bildungsmesse "Didacta" besucht hat, wird die zunehmende Digitalisierung des Unterrichts nicht entgangen sein. Inzwischen kommt kaum noch ein Schulbuchverlag ohne eine entsprechende Plattform aus. Doch auch frei zugängliche Programme bieten eine immense Vielfalt, sodass insbesondere Fachdidaktiker gefragt sind, tragfähige Konzepte zu entwickeln, um dieser neuer Entwicklung gerecht zu werden. In vorliegenden Fall stellt der an der Kantonsschule Wettingen (Schweiz) lehrende Philippe Wampfler die Grundlagen der digitalen Arbeit im Deutschunterricht vor, um jene anschließend anhand von konkreten Projekten und Unterrichtsideen zu konkretisieren.


Digitale Medien stehen im Zentrum des Deutschunterrichts [...] Sie sind der Zugang zum Wissen, zu beruflicher Kompetenz, zur Selbstreflexion [...]


Im Unterschied zu dem jüngst erschienenen zweibändigen Werk "Deutsch digital" (Schneider Verlag) legt dieser Band seinen Schwerpunkt mehr auf den gymnasialen Deutschunterricht. Dies zeigt sich vor allem an den vorgestellten Projekten und Ideen im zweiten Teil des Buches, die sich immer wieder an höhere Klassenstufen wenden und mitunter auch reflektierende Anteile wie bei einer Unterrichtseinheit zur Creative-Commons-Lizenzierung oder zu sogenannten Chatbots, Programmen, die an Gesprächen teilnehmen, beinhalten. Teilweise geraten dabei sogar diffuse Internetphänomene wie die Memes, einer bis dato nicht genau definierten Bild-Text-Kombination, die sich massenhaft im Internet verbreitet, in den Blick. Typischerweise haben diese Vorschläge eine eindeutige mediendidaktische Ausrichtung und werden dabei insbesondere einem erweiterten Textbegriff gerecht. Gleichwohl bedeutet diese Schwerpunktsetzung nicht, dass auch niedrigschwellige Ideen wie die Überarbeitung eines Wikipedia-Artikels oder das Verfassen von WhatsApp-Gedichten Eingang in den Band finden. Zum Teil können die Ansätze sogar als digitale Brücke zum klassischen Deutschunterricht genutzt werden. So zum Beispiel das Konzept "Fräulein Else twittert", in dem Schüler in einer festgeschriebenen Anzahl an Tweets den Plot der Erzählung von Arthur Schnitzler zusammenfassen sollen.

Seiner Herkunft geschuldet - Wampfler ist in der Schweiz als Lehrer an einer Kantonsschule tätig - greift der Autor immer wieder auf Publikationen aus unserem Nachbarland zurück, wodurch neue Perspektiven und Ideen in die deutschdidaktische Debatte um die Digitalisierung gelangen. Ebenfalls greift er gängige didaktische Theorien auf und adaptiert diese für sein Thema, beispielsweise wenn er in Anlehnung an Hilbert Meyer die "zwölf Merkmale digitalen Deutschunterrichts" postuliert. Nicht nur hier benennt er wichtige Grundvoraussetzungen für das digitale Lernen. Dass Wampflers Blick über den Horizont der Deutschdidaktik hinausgeht und auch grundsätzliche Fragen berücksichtigt, zeigt sich, indem er zum Beispiel rechtliche Fallstricke wie den Datenschutz thematisiert, denen er zum Teil kreative Vorgehensweise entgegensetzt. Auch wenn sein Interesse sicherlich darin liegt, die Chancen eines digitalisierten Deutschunterrichts zu demonstrieren, geht er dabei offen vor. Das bedeutet, dass dieser ohne Scheuklappen an die Sache herangeht und gleichwohl kritische Aspekte anspricht. Überhaupt sieht er den Mehrwert der Digitalisierung nicht im bloßen Einsatz, sondern in einer sinnvollen Kombination aus "Wissensaufbau, Mediennutzung und Medienreflexion".

FAZIT: Ein grenzüberschreitender Band, der nicht nur aufgrund der schweizerischen Herkunft des Autors so bezeichnet werden kann. Vor allem im Hinblick auf die mediendidaktische Ausrichtung erweitert Philippe Wampfler das Feld der Deutschdidaktik um zahlreiche innovative und überraschende Ideen, deren Tragfähigkeit sich allerdings in der Praxis erst noch erweisen muss.

Weitere Informationen sowie ein Blick ins Buch finden sich auf der Webseite des Verlags.

- Matthias plaudert -

Dank dieses Bandes bin ich auf die sehr interessante Internetseite www.schreiblabor.com aufmerksam geworden, welche nicht nur Deutschlehrern eine äußerst praktikable Möglichkeit bietet, mit wenigen Klicks eigene und fremd verfasste Texte auf ihre Lesbarkeit hin zu überprüfen.

Sehr interessant ist es auch, den Autor einmal selbst zu hören. Möglich ist dies unter auf YouTube, wo ein Mitschnitt eines Vortrags zum Thema "Lernen in einer digitalisierten Welt - Philippe Wampfler über Schule und Social Media" zu sehen ist.


Matthias Jakob Schmid



| Erschienen: 16. Januar 2017 | Preis: 20,00 Euro

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