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 Herrschaft der Dinge

Die Geschichte des Konsums vom 15. Jahrhundert bis heute


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Als die Menschen sesshaft wurden, gewannen zunehmend Gegenstände für sie an Bedeutung, die nicht unmittelbar dem Überleben dienten, sondern der Bequemlichkeit, dem Vergnügen, dem Genuss oder dazu, Status zu beweisen. Die Menschen umgaben sich zunehmend mit Dingen.
Konsum, das heißt, der Erwerb, Gebrauch und Verbrauch von Gütern aller Art, ist der Wirtschaftsmotor schlechthin. Darum, wie sich die Menschen zunehmend von Dingen abhängig machten und welche Auswirkungen dies auf die unterschiedlichsten Lebensbereiche, auf Soziales und Politik, Kultur, Leben und Sterben hatte und hat, geht es in Frank Trentmanns Buch.

Im ersten Teil von "Herrschaft der Dinge" befasst sich der Autor mit der Geschichte des Konsums, wobei er nicht nur die westliche Welt betrachtet. Teil zwei handelt von den Mechanismen des Marktes und des Konsums selbst, davon, wie Kaufanreize geschaffen und der Erwerb von im Grunde überflüssigen Dingen regelrecht zur Notwendigkeit wird. Den Abschluss bilden Epilog, Dank, Anmerkungen, Register, Bildnachweis und editorische Hinweise.

Besitzen wir eigentlich wirklich die Dinge, die uns umgeben, oder sind wir von ihnen besessen? Mancher Leser dürfte bereits gelegentlich beunruhigt darüber gewesen sein, wie viel "Kram" sich in kürzester Zeit anhäuft. Sachen, die wir unbedingt haben wollten.
Im ersten Teil seines Buchs über den Konsum lädt der Autor zu einer Zeitreise ein, die, in der italienischen Renaissance beginnend, in Richtung Gegenwart führt. Neben Europa und später Nordamerika bilden auch das östliche Asien und Afrika Schwerpunkte: Die Herrschaft der Dinge ist kein der westlichen Welt vorbehaltenes Phänomen.
Es gelingt Trentmann, aufzuzeigen, wie die Gier nach immer Neuem, Angesagten, die Gesellschaft umgestaltete: wie die Dienstmädchen nach den Accessoires der Damen trachteten und die Bürger nach den zur Schau gestellten Attributen des Adels. Wie die Erschließung neuer Ressourcen und Märkte die Weltpolitik in Konstellationen trieb, die uns bis heute prägen.
Ein besseres Titelbild als das Vanitas-Stillleben hätte wohl kaum gewählt werden können.

Vieles davon tritt im zweiten Teil voll in Erscheinung, der sich mit den Mechanismen des Konsums, das heißt natürlich vor allem des Marktes, befasst. Dass Trentmanns Abschlusskapitel "Wegwerfgesellschaft?" betitelt ist, verwundert nicht. Dem Autor geht es zudem um die "Kollateralschäden" des hemmungslosen Konsums, wenngleich er nicht als Schwarz-Weiß-Maler auftritt und schon gar nicht als Ratgeber-Verfasser. Ihm gelingt eine erstaunlich wertungsfreie Behandlung des in der Gesellschaft durchaus emotional besetzten Themas, und das in einer trotz des enormen Gehalts und Umfangs unterhaltsamen Darstellung. Zahlreiche Grafiken und Karten veranschaulichen Abläufe und Zusammenhänge.

Rund neunhundert Seiten (ohne Anhang!) wirken abschreckend auf viele Leser unserer Zeit, doch diese dürfen beruhigt sein: Das Buch liest sich fast wie im Fluge. Und es ermöglicht ein Nachdenken über die Zwänge, denen wir scheinbar ausgesetzt sind, und damit ein Umdenken oder zumindest einen bewussteren Umgang mit den Dingen. Dass die Lektüre einfach Spaß macht und auch manchen überraschenden historischen Einblick bietet, kommt hinzu.

Ein Blick ins Buch ist auf der Verlagsseite möglich.

Regina Károlyi



Hardcover | Erschienen: 22. Mai 2017 | ISBN: 9783421042736 | Preis: 40,00 Euro | 1095 Seiten | Sprache: Deutsch

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