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 Candice Renoir, Staffel 4: Candice Renoir

Mörderjagd mit Chic und Charme


Cover
Gesamt +++++
Action
Anspruch
Bildqualität
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton
Die Methoden von Commandant Candice Renoir waren ja schon immer etwas eigen, doch bisher konnte die Brigade de Sûreté Urbaine (BSU), Renoirs Einheit, bei der Polizei in Sète viele Erfolge verzeichnen. Doch nachdem Capitain Antoine Dumas zu einer anderen Abteilung gewechselt ist, hat scheinbar auch Candice das Glück verlassen. Eine unbedachte Äußerung in einer Gerichtsverhandlung ist für die Presse ein gefundenes Fressen und die Mutter von vier Kindern wird zum Gespött in der Öffentlichkeit. Der Staatsanwalt traut ihr keine schwierigen Fälle mehr zu und zieht stattdessen immer öfter eine Spezialeinheit zu Ermittlungen heran; zu allem Überfluss die Einheit, in die Antoine gewechselt hat. Auch die Leiterin dieser Abteilung, Sylvie Leclerc, scheint Candice auf dem Kieker zu haben: Bei jeder Gelegenheit lässt sie die andersdenkende Blondine auflaufen und erntet das Ansehen für gelöste Fälle, zu denen nicht selten Candice einen entscheidenden Beitrag leistet. Das überreizte Nervenkostüm der verspotteten und vorgeführten Ermittlerin führt zu immer mehr Fehlgriffen, nicht nur die Arbeit und das Team scheinen ihr zu entgleiten, sondern auch die familiäre Situation wird zusehends angespannter. Candice verliert nach und nach immer mehr von ihrem Selbstvertrauen, bis sie schließlich gar nicht mehr weiß, wer sie eigentlich ist, und wer sie gerne sein möchte.



Die vierte Staffel der französischen Krimiserie "Candice Renoir" schlägt einen deutlich ernsteren Ton an, als die vorherigen. Der Witz und die Leichtigkeit, die sonst oft die Ermittlungen der charmanten und eigensinnigen Commandant begleiteten, ging schon in Staffel drei ein wenig verloren; nun wendet sich die Geschichte bis hin ins dramatische. Im Mittelpunkt der zehn Folgen steht die Frage nach dem Umgang mit der eigenen Individualität. Candice ist nun einmal einfach etwas anders als ihre Kollegen, ihre Arbeitsmethoden weichen weit vom Standard-Protokoll ab. Ihr Team respektiert das, auch wenn die beiden verbliebenen Kollegen oft die Augen verdrehen. Dass sie die Methoden letztlich jedoch für erfolgreich halten, zeigt sich, als Candice versucht streng nach Vorschrift zu handeln. Chrystelle und auch Mehdi, der Neuzugang, der gegen Ende von Staffel drei endlich den verwaisten Platz von Jean-Baptiste dauerhaft besetzen konnte, versuchen selbst wie ihre Chefin zu denken, fordern ihre Ideen und ihr Vorgehen immer wieder ein. Doch es fällt schwer einen ganz eigenen Weg zu beschreiten, wenn dieser von anderen, wie etwa dem Rechtsanwalt, verspottet wird, von den Chefs nicht gebilligt, von vielen lediglich belächelt. Candice verliert das Vertrauen in die eigenen Stärken, beginnt nicht nur an ihren Methoden, sondern an ihrer ganzen Art zu zweifeln. Die Abwärtsspirale, die die Protagonistin über mehrere Folgen hinweg in eine immer tiefere Krise stürzt, ist für den Zuschauer regelrecht belastend. Cécile Bois überzeugt in ihrer Darstellung, berührt und zieht den Zuschauer mit. Eine Negativschablone als Appell an die eigene Courage und das Selbstvertrauen.

Auch andere Figuren beleuchten das Thema der Selbstwahrnehmung: Antoine kämpft gleich an zwei verschiedenen Fronten mit der Frage, was ihn eigentlich glücklich macht? Mit dem Wechsel zur neuen Abteilung hat er einen deutlichen Sprung auf der Karriereleiter gemacht. Doch ist Karriere eigentlich das Wichtigste? Ist er nicht glücklicher, wenn er in dem Team arbeitet, in dem er geschätzt wird, in dem seine Freunde sind und natürlich auch Candice?
Das Thema seiner Zukunft, und wie er sie selbst gerne hätte, zieht sich durch die gesamte Staffel. Er teilt sein Leben mit Jennifer, doch ist sie die Richtige? Will er bei ihr bleiben? Will er mit ihr eine Familie gründen?
Und auch Gerichtsmedizinerin Aline muss sich der Frage um die eigenen Prioritäten stellen, als ihre Vergangenheit sie plötzlich einholt. Wem schuldet sie letztlich Loyalität, ihren alten oder ihren neuen Freunden?
Die vierte Staffel eröffnet dem Zuschauer erneut Einblicke in die Vergangenheit verschiedener Figuren. Auch Candice muss sich auf dem Weg zurück zu ihrem eigenen Selbst, den Geistern der Vergangenheit stellen: die Herkunft, die Eltern, die prägenden Ereignisse der Jugend. Doch wie immer bei dieser Serie sind all diese Fragen eingebunden in einzelne Kriminalfälle. Und diese dienen nicht nur als Folie für den Metaplot: Die unterschiedlichen Ermittlungen sind stets spannend und führen selten zu einem vorhersehbaren Ende.

Mit Staffel vier liefert "Candice Renoir" erneut gute Kriminalfälle eng verknüpft mit der Beleuchtung einzelner Charaktere. Die Grundstimmung ist etwas düsterer als in den vorhergehenden Staffeln, der Fortgang der Geschichte dramatisch. Und ebenso fesselnd. Die französische Serie bleibt weiterhin absolut sehenswert und regt in dieser Staffel zur Reflexion an, wie nie zuvor. Die fünfte Staffel, die in Frankreich bereits ausgestrahlt wurde, darf also mit Spannung erwartet werden.

Claudia Heinzelmann



DVD | EAN: 4029759122715 | Erschienen: 6. Oktober 2017 | FSK: 12 | Laufzeit: 505 Minuten | Preis: 23,50 Euro | Verfügbare Sprachen: Deutsch,
Französisch

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