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 The Woman in the Window

Was hat sie wirklich gesehen?

Autoren: A. J. Finn
Regisseure: Karin Weingart
Sprecher: Nina Kunzendorf
Übersetzer: Christoph Göhler
Verlag: Random House Audio

Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton
In Anna Fox' Leben geschieht nicht viel. Seit einem traumatischen Erlebnis lebt sie allein in ihrem prächtigen Haus in New York, außerstande, es zu verlassen, ein klassischer Fall von Agoraphobie. Sie vermisst ihren Mann und ihre Tochter, die nicht mehr bei ihr sind. Umso mehr schmerzt es sie, als eine offensichtlich perfekte Familie – Vater, Mutter, fast erwachsener Sohn – ins Nachbarhaus einzieht.

Anna hat sich schon länger die Zeit mit dem heimlichen Beobachten ihrer Nachbarn vertrieben, nun wird es zur Obsession. Aber die Familie Russell, die "Neuen", erweist sich rasch als recht merkwürdig. Und dann wird Anna hinter ihrem Teleobjektiv Zeugin eines aggressiven Angriffs auf die Frau nebenan.
Doch als Anna sich an die Polizei wendet, schenkt ihr niemand Glauben. Denn bekanntlich trinkt Anna exzessiv und nimmt starke Medikamente. Anscheinend ist ihr in ihrem benebelten Zustand die Fantasie durchgegangen – so die Meinung der Polizisten, gestärkt von der Familie Russell.

Wie glaubwürdig wirkt eine Zeugin, die eindeutig unter die Rubrik "Alkohol- und Medikamentenabhängig" fällt und die eine mörderische Attacke im Nachbarhaus gesehen haben will? Zumal Dr. Anna Fox seit geraumer Zeit massiv an Agoraphobie leidet, ihr Haus, in dem sie allein lebt, nicht verlässt und am Leben ihrer Nachbarn lediglich über ihr gern benutztes Teleobjektiv teilnimmt.
Andere Zeugen gibt es so wenig wie eine verletzte Person oder eine Leiche. Anna versucht verzweifelt, Beweise zu finden. Damit bringt sie sich zunehmend in Gefahr.

Fast die gesamte erste CD hindurch geschieht eigentlich gar nichts. Der Hörer lernt Anna Fox, eine Psychologin, die derzeit nicht arbeitet, mehr und mehr kennen. Erste Kontakte mit den neuen Nachbarn entstehen. Doch alles wirkt banal und langweilig, selbst wenn Annas Agoraphobie und Suchterkrankung (sowie der weitere Lauf der Geschichte) in Betracht gezogen werden.
Dann, als es zu dem Überfall nebenan kommt, atmet der Hörer beinahe auf. Und von nun an entwickelt sich die Story gut – und nimmt gewaltig Fahrt auf, wird fulminant, explodiert fast. Es kommt zu unerwarteten Wendungen und unheimlichen Situationen mit geballter Spannung; ein rasanter Showdown erzeugt ein lebhaftes Kopfkino. Ein Top-Thriller. Aber eben erst nach ungefähr der Hälfte des Umfangs.
Laut Angabe auf dem Cover handelt es sich um eine gekürzte Version. Es hätte noch einiges weiteren Kürzens bedurft, damit das Hörbuch perfekt wäre.

Immerhin bringt Sprecherin Nina Kunzendorf Leben auch in den ersten Teil. Es gelingt ihr, durch unterschiedliche Stimmfärbungen die einzelnen Charaktere authentisch zu präsentieren. Und als die Spannung zunimmt, packt Kunzendorf zu und trägt wesentlich zum erwähnten Kopfkino bei.

Insgesamt: eine ganz klare Empfehlung, jedenfalls für Hörer, die Durchhaltevermögen haben – diese dürfen sich auf eine explosive zweite CD freuen, während der ersten können sie getrost ein bisschen dösen.

Reinhören ist auf der Verlagsseite möglich.
Die beiden MP3-CDs befinden sich in einem Karton-Leporello mit Steckfächern für die CDs.

Regina Károlyi



MP3-CD | CD-Anzahl: 2 | Erschienen: 19. März 2018 | ISBN: 978-837141481 | Laufzeit: 555 Minuten | Originaltitel: The Woman in the Window | Preis: 15,00 Euro | Sprache: Deutsch

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