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 Die siebte Nacht

Autoren: Alina Reyes
Übersetzer: Gaby Wurster
Verlag: Bloomsbury Berlin

Cover
Gesamt +----
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


"Die siebte Nacht" lautet der Titel eines der vielen erotischen Werke junger französischsprachiger Autoren, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden schossen, und wurde von Alina Reyes geschrieben. Wie die Franco-Kanadierin Nelly Arcan ("Hure", 2002), der Skandalautor Michel Houellebecq ("Plattform", 2001), die französische Kunstredakteurin Catherine Millet mit ihrer erotischen Autobiografie "Das sexuelle Leben der Catherine M." (2001) und die Regisseurin Virginie Despentes mit ihrem pornografischen Film "Baise-moi" (1994) gehört Reyes zu den Stellvertretern einer neuen blühenden Künstlergeneration im Spannungsfeld zwischen Erotik und Pornografie.

Allen gemeinsam ist ein recht drastischer, direkter und damit provozierender Umgang mit Erotik. "Die siebte Nacht" ist ein intimes Tagebuch einer ungewöhnlichen Leidenschaft. Eine Frau berichtet aus der Ich-Perspektive, wie sie sich mit ihrem Liebhaber in einem anonymen Hotelzimmer trifft - sieben Nächte lang. Der Mann setzt jede Nacht neue Regeln fest. Die letzte soll zum Gipfel der sexuellen Erfahrungen werden; in ihr soll alles erlaubt sein.

Sieben Nächte einer Liebe ohne Tabus - detailliert schildert die Frau ihre Erwartungen und Sehnsüchte, ihre Vorbereitungen auf die Nacht, das Hotelzimmer, den Akt in all seinen Facetten. Leider fehlt dem Buch jedoch das gewisse Etwas, das Können eines Autors durch einen tieferen Sinn aus einer erotischen Geschichte ein Stück Literatur und kein schmuddeliges Pornoheftchen zu gestalten.

Alina Reyes schmeißt mit ordinären Ausdrücken gerne um sich, ohne dass ihr dabei ein ordentliches Vorspiel, ein gelungener Höhepunkt oder geschweige denn ein zärtliches Nachspiel gelingt. Durch den fehlenden Spannungsaufbau wirken die erotischen Beschreibungen der Autorin einfach nur gähnend langweilig und mitunter grotesk, wie: "Ich ging ins Bad, er immer noch hinter mir. Ich musste pissen von dem vielen Champagner. Ich pisste so, auf allen vieren, auf die Kacheln. Dann kroch ich weiter, damit er durch die Pisse krabbeln musste."

Einziger Pluspunkt des Buches ist seine Gestaltung. Auf dem Cover ist das Gemälde "Liegende Frau vor violettem Grund" von Felix Vallotton aus dem Jahr 1924 abgebildet, die erotische Darstellung einer nackten Frau, von der nur der Bauch, die Hüften, die Oberschenkel zu sehen ist. Ihre Scham ist von einem schwarzen Tuch verhüllt. Jedes neue Kapitel, also jede Nacht, ist mit einer Seite abgetrennt, die mit verschnörkelter Herzchen versehen ist - ein kitschiges Design, das aber durch die Tagebuchform von "Die siebte Nacht" seinen Zweck erfüllt.

Insgesamt ist dieses Beispiel französischer Erotikliteratur leider eine Mogelpackung. Es scheint durch seine Aufmachung einen literarischen Anspruch zu verfolgen, ist jedoch inhaltlich nicht mehr als ein 83-Seiten langes ödes Pornoheftchen ohne Bilder. Es zeichnet sich weder durch diskutable Themenwahl, noch durch provokante Wortwahl und auch nicht durch stimulierende Beschreibungen aus. Wer sich für französische Erotikliteratur interessiert, sollte die happigen zwölf Euro, die das dünne Büchlein kostet, lieber in ein anderes der bereits genannten Schriftsteller investieren. Excusez-moi, Madame Reyes, Votre livre était terrible.

Nikola Poitzmann



Hardcover | Erschienen: 01. Februar 2005 | ISBN: 3827005876 | Originaltitel: La septième nuit | Preis: 12 Euro | 83 Seiten | Sprache: Deutsch

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