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 Böses Blut


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton


Ein Serienkiller mordet wieder. Nachdem der "Kentucky-Killer" achtzehn Menschen auf bestialische Weise ermordet hat, endet seine Mordlust abrupt. Fünfzehn lange Jahre geschieht nichts, der ermittelnde FBI-Beamte Ray Lahner, der einen Hauptverdächtigen zum Ende der Mordserie in den Tod trieb, ermittelt zwar verbissen weiter, kommt aber zu keinem Ergebnis.
Und nun werden wieder Menschen mit einem Instrument aus dem Vietnam-Krieg, entwickelt zur lautlosen Folter im Dschungel, gequält und ermordet. Eine unglaubliche und den Ermittlern völlig unverständliche Wendung tritt ein, als eine Leiche auf dem Flughafengelände in New York auftaucht und der Killer offensichtlich den Sitzplatz des Toten einnehmend nach Schweden geflogen ist.
Die dort in einer Sonderermittlungsgruppe eingesetzten Polizisten Paul Hjelm und Kerstin Holm und ihre Kollegen, die auf Serienkiller spezialisiert sind, übernehmen die Suche nach "K". Der Killer tötet auch in Schweden mit furchtbarer Präzision weitere, scheinbar zufällig ausgesuchte Menschen. Hjelm und Holm fliegen in die USA, um mit den FBI-Beamten über den Fall zu sprechen. Die Fülle des Ermittlungsmaterials ist unfassbar und die Details sind so schrecklich, dass sie den Verstand der Ermittler überschreiten. Doch Hjelm gelingt eine Entdeckung, die den gesamten Fall und vor allem die schwedischen Ermittlungen, in einem völlig neuen Licht erscheinen lassen. Die Schlinge um den Kentucky-Killer scheint sich endlich zu zu ziehen.

Zunächst beginnt dieses Hörbuch mit minutiösen Schilderungen des Polizeialltags in der Stockholmer Sonderermittlungsgruppe rund um die Polizisten Hjelm und Holm. Ihre Charakterzeichnung ist brillant und auch die Lebensumstände ihrer Kollegen werden am Rande, aber nicht weniger ausführlich dargelegt. Man entwickelt ein Gefühl für die Situation und der extreme Realismus, mit dem der Autor Arne Dahl zu Werke geht, beeindruckt. Dabei fällt die literarische Klasse der Vorlage angenehm aus den üblichen Kriminalstücken heraus. Die philosophischen Betrachtungen der Protagonisten sind spannend und demaskierend zugleich. Hier agieren scheinbar wirkliche Menschen, fernab jedes Klischees. Dabei gelingen dem Autor wundervolle Sprachbilder und eine dichte Atmosphäre der Alltagssituation entsteht.
In diese beschauliche schwedische Provinz bricht ein Serienkiller ein wie ein Orkan. Seine abscheuliche Mordtechnik, seine ungeheuere Grausamkeit und das völlige Fehlen irgendwelcher verwertbarer Spuren bilden einen krassen Kontrapunkt in der ruhigen Handlung und lassen die Ermittler und den Zuschauer erschauern.
Nie wird aber die Tat und deren technischer Ablauf derart zum Gegenstand der Erzählung, dass Voyeurismus oder Abscheu entsteht. Dem Autor gelingt es, die seelische, emotionale Seite der Personen in den Vordergrund zu stellen und die Taten als unvermeidlich und schicksalsgleich abzuhandeln.
Dennoch ist "Böses Blut" äußerst hart. Die Taten und ihre gnadenlose Grausamkeit schockieren, lassen die Emotionen des Zuhörers schwanken zwischen abgrundtiefem Entsetzen und Hoffung auf ein positives Ermittlungsergebnis. Dem Autor gelingt es aber über diesen Zustand des Mitfieberns hinaus, eine Art Gefühl für die Situation des Täters zu entwickeln, die auch dessen Ausweglosigkeit und Qual deutlich macht.
So befriedigt das Ende dieses Schauermärchens nicht, sondern lässt ein Gefühl für die Abgründe, die in dieser Welt herrschen, zurück. Dies klingt klischeehaft, wird aber so überzeugend und versiert erzeugt und vermittelt, dass die Geschichte für real gehalten wird.
Dieser Eindruck wird verstärkt durch den Einsatz von Till Hagen. Dem Sprecher gelingt es abseits von Effekthascherei und plakativem Horror, der in dieser Geschichte durchaus vorhanden ist, in ihrer ruhigen aber emotional mitreißenden Betonung, den Bericht-Charakter noch zu verstärken. Immer hat man das Gefühl, dass hier ein Sprecher den Kriminalfall aus den Polizeiakten zusammenfassend vorträgt, gewürzt mit den Innenbetrachtungen aller Protagonisten - übrigens auch des Täters!

Fazit: Die komplexe Geschichte ist äußerst spannend, perfekt vorgetragen und an manchen Stellen fast lyrisch geraten. Einzig die Mordmethode des Täters könnte abschreckend wirken, ist aber im Sinne der Geschichte und ihrer Schlüssigkeit unvermeidbar. Lassen Sie sich auf diesen Kriminalfall ein, er beeindruckt zutiefst und regt immer wieder zum Nachdenken an.
Denn eins macht der Autor oft und gern: Dahl philosophiert mit Vorliebe über die Bedeutung der Familie, die Rolle des Vaters und die Abgründe der modernen Gesellschaft. Und er schreckt nicht vor klaren, subjektiven Aussagen zurück, die wahrhaftig interessant sind.

Stefan Erlemann



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