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 Erfahrungen: Wir treffen uns wieder in meinem Paradies

Eine 15-Jährige nimmt Abschied von ihrer Familie


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Gesamt ++++-
Gefühl
Isabell Zachert ist fünfzehn Jahre alt und hat ihr ganzes Leben noch vor sich. Doch im November 1981 erfährt sie die schreckliche Diagnose: Sie hat einen Tumor. Das nun folgende Jahr soll ihr letztes sein und sie versucht, es so gut wie möglich zu gestalten. Das Jahr ist geprägt von zahlreichen Therapien, einigen Rückschlägen, genauso vielen Erfolgen und vor allem viel Mut, Liebe, Hoffnung und Trauer.

Im November 1981 kehrt das Ehepaar Christel und Hans Zachert aus Rom zurück und findet ihre Tochter krank im Bett vor. Zunächst sieht alles nach einem verschleppten grippalen Infekt aus und die Hausärztin bestätigt dies. Doch die Beschwerden werden schlimmer und Isabell kommt ins Krankenhaus. Die Ärzte untersuchen ihre Lunge und finden einen bösartigen Tumor. Isabell wird sofort behandelt und eine erste Therapie wird umgehend eingeleitet. Ohne diese erste Therapie wäre sie bereits nach einigen Tagen gestorben. Der Schock sitzt tief, sowohl bei Isabell als auch bei ihren Eltern und den Brüdern Christian und Matthias.
Im Bonner Krankenhaus wird die Familie auf das vorbereitet, was in der nächsten Zeit folgen wird: unzählige Chemotherapien, viele Rückschläge und hoffentlich auch viele Erfolge. Das Wichtigste sei aber, dass alle an Isabells Heilung glauben, vor allem Isabell selbst. Das tut das junge Mädchen. Die anfänglichen Briefe an ihre Freunde und Verwandte sind noch geprägt von Hoffnung, Zukunftsplänen und Fröhlichkeit. Zunächst sieht es auch sehr gut aus: Die ersten Therapien nach dem HOKschen Schema (benannt nach Prof. Dr. Hans Otto Klein), die in Köln durchgeführt werden, wirken und der Tumor bildet sich etwas zurück. Die Freude bei Belli, wie sie von ihrer Familie und ihren Freunden genannt wird, ist riesengroß und wieder sind ihre Briefe geprägt von Zukunftsplänen und sehr viel Zuversicht.
Das junge Mädchen macht in dieser Zeit außerdem eine sehr große Entwicklung durch. Sie reift von einer Jugendlichen zu einer außergewöhnlichen Persönlichkeit heran. Ihre Hoffnung und ihr Wille zu leben sind ungebrochen.
Mit dem ersten Rückschlag in der Therapie werden auch Isabells depressive Phasen schlimmer. Einmal ist sie sogar kurz davor die Therapie hinzuschmeißen, und sie sagt, dass sie sterben wolle. Dr. Töbellius ist der Arzt, dem Isabell am meisten vertraut und in den sie sogar verliebt ist - und er ist derjenige, der Isabells Entscheidung beeinflusst, so dass sie die Therapie weiterführt.
Während der Therapiepausen schöpft Isabell neue Kraft in Urlauben mit ihrer Familie und Kontakt mit ihren Freunden. Zwischenzeitlich geht sie sogar für ein paar Tage wieder in die Schule.
Sie will keinesfalls von der Gesellschaft ausgeschlossen werden und so geht sie sehr offen mit ihrer Krankheit um und versucht, so normal wie möglich weiterzuleben. Einige Monate vor ihrem Tod hilft sie bei der Organisation eines Tennisturniers, geht auf einen Ball und macht immer wieder Einkaufsbummel. Die Kraft, die Isabell ausstrahlt, hilft auch ihrer Familie, diese schlimmen Monate zu überstehen.
Im Herbst 1982 folgt allerdings die Ernüchterung: Die letzten beiden Therapien haben nicht angeschlagen und der Tumor in der Lunge wächst weiter. Isabells Tod ist nur noch eine Frage von wenigen Wochen. Die junge Frau bereitet sich und ihr Umfeld in vielen Gesprächen auf ihren Tod vor und spricht dabei immer davon, dass sie in ihr Paradies gehen würde.
Am 17. November 1982 um fünf Uhr morgens stirbt Isabell Zachert und geht in ihr Paradies.

"Wir treffen uns wieder in meinem Paradies" ist definitiv ein Buch, für das man sich Zeit nehmen sollte. Auch sollte man sich bewusst sein, dass es ein sehr trauriges Buch ist und einem regelmäßig die Tränen in die Augen treten werden. Das Buch macht aber auch Mut. Es beschreibt ein junges Mädchen, das einen unglaublichen Lebenswillen an den Tag legt, und ein Mädchen mit einem sehr starken Charakter. Es macht insofern Mut, als dass es die Botschaft vermittelt, dass man nie aufgeben sollte und immer an eine Heilung glauben sollte.
Außerdem zeigt dieser Erfahrungsbericht die Probleme auf, die eine Familie hat, wenn ein Familienmitglied an Krebs erkrankt ist - die psychische Belastung, die Koordination der Termine, damit immer jemand bei der kranken Tochter sein kann, und somit die totale Ausrichtung des Lebens auf eine Person. Auf der anderen Seite zeigt es aber auch die Anteilnahme vieler Menschen und ihre Hilfe.
Auch der Einsatz der Ärzte ist beeindruckend, da sie oftmals auch ihre freie Zeit für Isabell und ihre Familie geopfert haben. Vor allem der oben genannte Dr. Töbellius wurde für die gesamte Familie eine große Stütze.
Zu erwähnen ist aber auch die Tatsache, dass die Therapie und die psychologische Hilfe für krebserkrankte Kinder und ihre Familien in den 1980er Jahren bei Weitem noch nicht so gut waren wie in den heutigen Tagen und es somit noch beeindruckender ist, dass Isabell ihren Lebenswillen so lange aufrecht erhalten konnte.

Erzählt wird Isabells Geschichte durch ihre Mutter Christel Zachert, die ihre Erinnerungen niederschreibt, ergänzt durch viele Briefe von und für Isabell sowie ihr Tagebuch, wodurch der Leser die Eindrücke der schweren Krankheit von verschiedenen Personen vermittelt bekommt.

Eine Bewertung für dieses Buch zu finden ist nicht so einfach. Es liegt mir fern, es als gut oder schlecht zu bezeichnen. Deshalb sind die Bewertungspunkte nur Richtwerte. Was man allerdings sagen kann ist, dass "Wir treffen uns wieder in meinem Paradies" ein beklemmender Erfahrungsbericht ist, der zum Nachdenken anregt und an vielen Stellen zum Weinen bringt, wobei er ein bewundernswert willensstarkes und reifes Mädchen beschreibt.

Tobias Thieme



Taschenbuch | Erschienen: 1. August 2006 | ISBN: 9783404771189 | Preis: 4,99 Euro | 236 Seiten | Sprache: Deutsch

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