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 Artus, Band 1: Artus

Der magische Spiegel

Serie: Artus, Band 1
Autoren: Kevin Crossley-Holland
Illustratoren: Hermes Alles
Übersetzer: Alexandra Ernst
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Der magische Spiegel ist der erste Band der Artus-Trilogie von Kevin Crossley-Holland.
Der dreizehnjährige Artus lebt zusammen mit seinen drei Geschwistern auf dem Gutshof seiner Eltern an der Grenze zwischen England und Wales. Wir schreiben das Jahr 1199. Richard Löwenherz wurde auf einem Kreuzzug schwer verwundet und wird für tot gehalten. Sein Bruder John besteigt den Thron und beginnt, England zu verknechten. Dies ist der geschichtliche Hintergrund. Artus und der Leser erfahren davon eher nebenbei. Viel mehr Sorgen macht sich Artus um seinen zukünftigen Beruf. Sein Vater bildet ihn zwar zum Knappen aus, als Zweitgeborener wird er aber nicht den Hof erben können. Und insgeheim hat der Junge die Sorge, dass er Schreiber, Gelehrter oder Mönch werden soll. So konzentriert er sich, so gut er kann, auf das Waffenhandwerk, um sich für das Kriegshandwerk als würdig zu erweisen.
Allerdings spielen Artus seine Fantasie und seine Fähigkeiten, mit Worten umzugehen, immer wieder einen Streich: Dafür wird er am meisten gelobt und am meisten gehänselt. Der geheimnisvolle Merlin, der seit Jahren mit auf dem Hof lebt, schenkt ihm einen seltsamen Stein, der dem jungen Artus eine märchenhafte und spannende Geschichte erzählt: Die vom jungen Knappen Artus, der das Schwert aus dem Stein zieht und König wird. Mit dieser Entdeckung des anderen Artus, des Artus-im-Stein, beginnt für Artus sein Leben zum Rätsel zu werden. Mehr und mehr begreift der Artus der Geschichte, dass er mit dem anderen Artus im Stein viele Gemeinsamkeiten hat. Nur: Wie viele Gemeinsamkeiten sind es wirklich?
Am Ende des ersten Buches erlebt Artus eine große Überraschung, die sein ganzes Leben verändern wird.

Crossley-Hollands Buch führt sehr langsam und realistisch in das mittelalterliche Leben des jungen Artus ein. Der Alltag steht dabei im Vordergrund. In hundert teilweise sehr kurzen Kapiteln entfaltet sich ein ebenso umfassendes wie detailfreudiges Bild des damaligen Lebens und eine sehr behutsam und sensibel erzählte Geschichte. Dem Autor gelingt es besonders gut, die Spannung nicht durch allzu viel Handlung und überraschende Wendungen aufzubauen, sondern vor allem durch sehr liebevolle und tiefgehende Personenbeschreibungen. Diese sind so facettenreich und nachvollziehbar, dass man nicht nur mit dem jungen Artus mitfiebert, sondern auch mit den Eltern, den Geschwistern und den anderen Familien, die auf dem Gehöft leben. - Mit einem Satz: Die Geschichte ist historisch und psychologisch ausgezeichnet.
Alte holzschnittartige Buchillustrationen, die an passenden Stellen in den Roman eingefügt wurden, schöne Initiale zu jedem Kapitelbeginn, zwei sehr detaillierte Karten und eine Personenliste ergänzen das Buch hervorragend.
Der Roman wird als Jugendbuch angeboten. Das kann ich allerdings nicht ganz nachvollziehen. Zwar ist die Sprache leicht verständlich. Aber der Roman ist nicht geradlinig erzählt. Er entwickelt viele, teilweise durch die psychologische Tiefe recht komplexe Nebengeschichten. Viele Aspekte werden in einer Art und Weise angedeutet, die für den jugendlichen Leser schwer zu verstehen sein dürften. So ist dieses Buch eher ein Erwachsenenroman, hervorragend recherchiert, hervorragend geschrieben, aber - das ist meine Einschätzung - nur für leseerfahrene Jugendliche zu empfehlen.
Weil ich es eher für ein Erwachsenenbuch halte, und ausschließlich aus diesem Grund, werde ich dieses Buch in der Sparte Jugendbuch nicht vorbehaltlos empfehlen. Ich selbst freue mich schon auf den zweiten Teil.

Frederik Weitz



Taschenbuch | Erschienen: 1. September 2003 | ISBN: 3423707976 | Originaltitel: Arthur - The Seeing Stone | Preis: 11,00 Euro | 400 Seiten | Sprache: deutsch

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