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 Die Weltenbauer-Trilogie: Die Philosophin


Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Bis zum Tag ihrer Erstkommunion erscheint das Leben für Sophie noch idyllisch. Zwar gehört sie zu den Außenseitern im Dorf, da ihre Mutter nicht mit ihrem Vater verheiratet ist und nicht regelmäßig in die Kirche geht, doch die gelegentlichen Bemerkungen der übrigen Dorfbewohner kann sie ohne Probleme verschmerzen, hat sie doch ihre schöne junge Mutter und ihren Vater, der als Hausierer durchs Land zieht und sie öfters besuchen kommt. Doch an dem Tag, der ihr Freudentag werden sollte, ändert sich ihr Leben schlagartig. Die Mutter wird von einem enttäuschten, adligen Verehrer der Hexerei und der Teufelsbuhlerei bezichtigt und landet trotz der Fürsprache und der Bemühungen des Dorfpfarrers auf dem Scheiterhaufen.
Mit tiefer Angst vor allem, was der Kirche widerstreben könnte, aber auch mit dem Verlangen genau danach im Herzen, flieht Sophie, sobald sie alt genug ist, nach Paris, in die Hauptstadt des Landes, und gerät dort zwischen die Fronten von Monarchie und Philosophie. Sie verliebt sich in den Freigeist und Denker Diderot, der ein Buch plant, das die Grundfesten der Kirche und der Monarchie erschüttern könnte: eine Enzyklopädie mit dem gesamten Wissen der Menschheit. Zu allen möglichen Bereichen sollen hier Artikel zu finden sein. Zunächst besitzt das Buch die Duldung der Obrigkeit, doch als man merkt, dass alle Artikel verhohlen aussagen, dass die Menschen ein Recht auf Freiheit der Meinung, der Religion und des Geistes haben sollten, schreitet die Zensur ein. Dies entwickelt sich zu einem Zweikampf zwischen zwei besonderen Gegenspielern: Sartine, einem Polizisten, der später zum Obersten Zensor benannt wird, und Diderot - der eine Sophies Ehemann, der andere ihr späterer Geliebter.
Unter dem Einfluss von Diderot entwickelt Sophie ihre eigenen philosophischen und schriftstellerischen Tätigkeiten. Doch gerade dies droht die Enzyklopädie und ihre Macher zu verdammen. Sophie muss sich entscheiden: Entweder sie verrät Diderots Lebenswerk und rettet ihm somit das Leben, oder aber sie muss zusehen, wie beide zum Tode verurteilt werden - Diderot auf dem Schafott und das Werk in den Flammen des Scheiterhaufens.

Das Buch beschreibt den Aufstieg eines armen Mädchens vom Dorf zur Zofe Madame de Pompadours, die später nicht geringen Einfluss geltend macht, um ihren Geliebten irgendwie zu retten. Es schildert die Gegensätze zwischen dem Streben nach persönlichem Glück und der Kirche, die ihre eigenen Vorstellungen vom Glück des Menschen hat. Jeder, der sich damit nicht abfinden will und seine eigenen Wege geht, lebt ständig im Schatten des Schafotts. Unter diesen Umständen muss Sophie lernen, das Trauma des Todes ihrer Mutter zu überwinden und ihren eigenen Weg zu gehen, auch wenn er den Konventionen ihrer Gesellschaft und der Kirche stark widerstrebt.

Der Roman führt den Leser in ein Stück wichtige Zeitgeschichte ein: Im Jahr 1774 ist Paris ein Pulverfass, das durch den kleinsten Funken explodieren kann. Unbeabsichtigt könnte Sophie ein Teil dieses Funken werden, indem sie an der Enzyklopädie mitwirkt.
Schade ist allerdings, dass das Buch durch seinen Titel einen hohen Anteil der Philosophie verspricht, doch dies ist nicht so. Denis Diderot, Rousseau und andere Philosophen treten zwar auf, doch von ihren Ideen und Gedanken wird leider sehr wenig eingeflochten, außer der Kritik an der Kirche und dem Streben nach Handlungsfreiheit. Leider besteht diese Handlungsfreiheit, zumindest was Diderot angeht, zu großen Teilen aus seinen Frauengeschichten und den Problemen, die ihm eben diese Frauen - zumeist entweder Sophie oder seine Ehefrau - machen. Dass ist nicht wirklich ein philosophischer Ansatz, wie mancher ihn sich erhoffen könnte. Wenn man das Buch allerdings einfach als kleine Einführung in eine brodelnde Zeit nimmt, das eine unterhaltsame Liebesgeschichte und ein paar Hofintrigen enthält, dann erfüllt es seinen Zweck.

Sophies Existenz als reale Person ist heute gesichert, allerdings nur durch den Fund ihres Testaments. Diderot selbst schrieb viele Briefe an eine gewisse "Sophie", von der aber ungeklärt ist, ob die beiden Frauen wirklich ein und dieselbe sind oder ob Diderot einer Kunstfigur schrieb. Prange dichtet seiner Sophie eine Beziehung mit gleich drei wichtigen Personen der Geschichte an: In Denis Diderot verliebt sie sich heftig, heiratet dann aber Sartine, da sie keine Zukunft für eine Beziehung mit Diderot sieht. Da Sartine ihr nicht geben kann, was sie braucht, verlässt sie ihn. Jahre später hat sie dann auch noch eine Affäre mit Malesherbes, bis sein dunkles Geheimnis ans Licht kommt ? Keine dieser Geschichten ist gesichert, auch Sophies Existenz als Hofdame ist erfunden. Doch der interessierte Leser findet am Ende des Buches eine Zeittafel mit den Daten des Buches, die wirklich belegt sind. Dies hilft sehr bei der Einordnung von Fiktions- und Wirklichkeitsgehalt des Romans.

Insgesamt ist "Die Philosophin" von Peter Prange ein unterhaltsamer Historienroman ohne zu großen Anspruch. Der Leser erfährt viel über die Zeit des Umbruchs in Frankreich und lernt sehr viele wichtige Persönlichkeiten kennen, die der Autor sehr geschickt agieren lässt, so dass der Leser trotz der Fülle an Personen und Informationen nie den Überblick verliert.

Anja Thiemé



Taschenbuch | Erschienen: 1. Dezember 2004 | ISBN: 978426627716 | Preis: 9,95 Euro | 557 Seiten | Sprache: deutsch

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