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 Hexen, Teufel und Gespenster

Satanische Geschichten von Walpurgisnacht bis Halloween


Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Sabine Prilop hat in diesem kleinen Bändchen eine erkleckliche Anzahl an Erzählungen und Gedichten zusammengetragen, die sich ganz der Thematik des Unheimlichen und Satanischen widmen.

Das Buch ist in sechs Abschnitte unterteilt, die sich mit folgenden Themen beschäftigen:

- Halloween. Das Fest der Lebenden und Toten
- Walpurgisnacht. Auf dem Tanzplatz der Hexen
- Die Weiße Frau. Gespenstische Begegnungen
- Beschwörung, Zaubersprüche und Séancen
- In Satans Krallen. Höllenangst
- Dunkle Liebesnacht. Geisterhafte Bräute

Sämtliche Kapitel werden von einem kleinen Gedicht oder Vierzeiler des berühmten Dichters Johann Wolfgang von Goethe eingeleitet, wie zum Beispiel dem faszinierenden "Hexen-Einmaleins".

Das Thema "Halloween" wird von Ray Bradbury in seiner gleichnamigen Kurzgeschichte aufgegriffen, in der Kinder ihre Scherze treiben, während einer aus ihrer Mitte aus unerfindlichen Gründen fehlt.
Einen wohligen Schauer des Gruselns erwartet der Leser dieser Zeilen allerdings vergebens. Der stellt sich dafür um so mehr in der folgenden Story von Andreas Eschbach ein, die ebenfalls den kurzen und bündigen Titel des Vorgängers trägt und von dem klassischen Teufelspakt schlechthin handelt.
Die Herausgeberin selbst steuert einen kurzen, aber um so informativeren Text zu den "Ursprüngen von Halloween" bei.
Auch Marie Tevelyan berichtet in ihrem kurzen Bericht über "Die läutende Glocke" von seltsamen Bräuchen.
Den Abschluss des Kapitels macht die überaus düstere und nicht minder bekannte Erzählung "Die Maske des roten Todes" von Edgar Allan Poe. Die Geschichte um ein Maskenfest in einer Burg, während unter dem Volk eine tödliche Seuche wütet, gehört zu den unheimlichsten und besten Werken des Schriftstellers.

Auch für "Walpurgisnacht" verfasste Sabine Prilop einen Text mit viel Wissenswertem. Anschließend kommt einmal mehr Goethe zu Wort, der mit einem Auszug aus seinem weltberühmten "Faust" zitiert wird.
Heinrich Heine ist mit seiner stimmungsvollen Erzählung "Aufstieg zum Brocken" vertreten. Theodor Storm hat ein Gedicht zu diesem Thema beigesteuert, während Bram Stokers Kurzgeschichte "Draculas Gast" einmal mehr für eine Anthologie herhalten muss.
"Walpurgisnacht" von Kurt Tucholsky dagegen ist eine sehr anstrengende, mäßig witzige Geschichte um ein Fest auf dem Brocken, wo der Fürst der Finsternis höchstselbst erscheint.

Für den Abschnitt "Die Weiße Frau" wurde zunächst eine Story von Charles Dickens ausgewählt. "Das Gespenst im Aktenschrank" ist ein Auszug aus dem Werk "Die Pickwickier" und endet mit einer originellen und humoristischen Lösung für das Spuken an ungemütlichen Orten.
D. E. Jenkins berichtet in "Die weiße Dame von Abernathy-Paß" von einer weiteren Sage, die in England und Wales die Runde macht.
Friedrich Hebbel dagegen lehrt dem Leser wieder das Fürchten, in seiner Erzählung "Eine Nacht im Jägerhaus".
Im Anschluss folgt eine "Chinesische Erzählung" über "Das Gespenst im Gasthaus".
Danach läuft dem Leser wieder ein Schauer über den Rücken, wenn Marie Luise Kaschnitz ihre Gruselgeschichte "Gespenster" erzählt.

Das Kapitel 4 ist relativ kurz und präsentiert nach Goethes berühmten "Hexen-Einmaleins" die Gespenster-Geschichte "Die letzte Sitzung" von Krimi-Königin Agatha Christie. Dort beschwört ein Medium den Geist eines toten Kindes. Doch die verzweifelte Mutter gibt sich nicht mit dem bloßen verbalen Kontakt zufrieden und nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand.
Ein schauerliches Rezept für Hexen und Schwarzmagier beschreibt Marie Trevelyan in "Die Totenkerze".

"In Satans Krallen" berichtet Asmus Bremer von "Meister Christian und Frau Apollonia", einer historischen Kriminalgeschichte aus dem Kiel des 17. Jahrhunderts.
"Das Haus des Doktor Faust" ist eine Kurzgeschichte von Alois Jirásek und liest sich bisweilen ein wenig hölzern und langatmig, wartet aber mit einem gelungenen Ende auf, während Ludwig Hevesis "Jules Verne in der Hölle" eine sehr ermüdende und misslungene Satire darstellt, die nur stellenweise komisch ist.

Der letzte Abschnitt "Geisterhafte Bräute" dagegen zieht wieder alle Register der unheimlichen Dichtung. Goethe ist nicht nur mit dem obligatorischen Vierzeiler vertreten, sondern auch mit der Erzählung "Die Geschichte des Marschalls von Bassompierre" und dem berühmten Gedicht "Die Braut von Korinth". Beide Werke sind erstaunlich freizügig und offen für die damalige Zeit und zeugen von dem unglaublichen Schaffenstalent dieses Mannes.
Weiterhin vertreten ist Charles Baudelaire mit dem Gedicht "Die Verwandlungen des Vampirs" und die Erzählung "Der Vampir" von Hermann Löns, dem Wald- und Wiesendichter Deutschlands.


Die Auswahl der Gedichte und Erzählungen ist der Herausgeberin im Prinzip sehr gut gelungen, auch wenn zum Teil eher langweilige Beiträge dabei sind. Dennoch gelingt es Sabine Prilop mit diesem Buch den Beweis anzutreten, dass das Unheimliche, Bedrohliche und die klassischen Gruselelemente auch Bestandteil der deutschen Dichtung waren und immer noch sind.

Die Aufmachung des Bandes ist einfach grandios. Der gelblich-rote Rahmen mit den Teufelsgestalten versinnbildlicht die Hölle und das schwarze Titelbild zeigt die "Walpurgisnacht auf dem Brocken", eine Postkarte, die um das Jahr 1910 im Umlauf war.
Veredelt wird das Werk durch phantastische Innenillustrationen von Gustave Doré und Johann Heinrich Füssli.

Fazit: Eine klassische Sammlung unheimlicher Dichtung und Poesie mit großen Vertretern der Weltliteratur und informativen Zwischentexten der Herausgeberin. Gebunden als Hardcover mit Lesebändchen wird das Büchlein zu einem kleinen Schmuckstück im Regal, das man immer wieder gerne zur Hand nehmen wird, um an verregneten Herbstabenden die eine oder andere satanische Geschichte zu lesen.

Florian Hilleberg



Hardcover | Erschienen: 1. September 2001 | ISBN: 3538069255 | Preis: 6,00 Euro | 198 Seiten | Sprache: Deutsch

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