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 Doll, Band 1: Doll 01

Serie: Doll, Band 1
Autoren: Mitsukazu Mihara
Illustratoren: Mitsukazu Mihara
Übersetzer: Keiko Ando
Verlag: Tokyopop

Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Ist ein menschlicher Roboter jemals so viel wert wie ein menschliches Individuum? Kann eine hoch technologisierte Puppe ein Menschenleben adäquat ersetzen oder gar übertreffen? Und schließt mechanische Künstlichkeit lebendige Natürlichkeit aus oder kann sie sie mit einschließen?

Der erste Band der Reihe "Doll" von Mitsukazu Mihara stellt nicht den Anspruch, all diese Fragen korrekt zu beantworten - aber Denkanstöße und Mutmaßungen werden dem Leser durchaus näher gebracht. In sechs Kurzgeschichten, die in einer düsteren, fernen Zukunft spielen, geht es um die Verbindung zwischen Mensch und "Doll", menschenähnlichen Androiden, um die Beziehung zwischen lebendigem Meister und belebtem Diener.
Die Geschichten tragen den Namen der jeweiligen Doll als Titel, denn auch wenn die Menschen klar erkennbar als Hauptfiguren agieren, sind die Dolls stets Katalysator der Handlungen und tragen passiv zum tragischen Moment bei.
In der ersten Kurzgeschichte geht es um die Beziehung zwischen einer männlichen Doll und einer Frau, die feststellen muss, dass in ihrem ganzen Leben niemand sie so akzeptiert und gekannt hat wie diese Doll. Die nächste Geschichte erzählt von einem Mann, der endlich jemanden an seiner Seite haben will und sich deshalb eine Doll kauft. Diese soll aber mehr werden als nur ein Spielzeug seiner Begierde. Um eine Kinddoll geht es in der folgenden Kurzgeschichte; eine Frau besitzt eine Doll, die ihre eigene Tochter sein könnte. Ob eine Doll je einen Mensch ersetzen kann, ist das nächste Thema: Ein Wissenschaftlerehepaar, das an verbesserten Dolls arbeitet, droht auseinander gerissen zu werden, als die Frau an Alzheimer zu leiden beginnt. Die fünfte Geschichte stellt die zerrüttete Beziehung zwischen Vater und Sohn dar. Eine neu erworbene Doll wird zum Mittelpunkt ihres Streits, als etwas Schlimmes geschieht ... Zuletzt wird die Geschichte einer hässlichen Frau erzählt, deren einziger Freund eine Doll ist. Aber die neue Freundin ihres Ex-Verlobten scheint ihr Böses zu wollen und der Doll Schaden zuzufügen.

Die Kurzgeschichten bilden genretechnisch eine Mischung aus Science-Fiction und Drama. Die Altersempfehlung ab sechzehn Jahren ist für diesen Manga nicht verkehrt, denn auch wenn es im Grunde keine obszönen oder brutalen Bilder gibt, so bergen die Geschichten doch immer wieder menschliche Abgründe sowie moralische und ethische Probleme in sich und regen zum Nachdenken an. Humor sucht man bei den Kurzgeschichten derweil vergebens; die Themen bieten nicht den passenden Rahmen zum Schmunzeln. Die Ernsthaftigkeit des Erzählten ist jedoch angebracht und trägt zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema bei.
Die Bilder sind schwarzweiß und oftmals distanziert; die Dolls bekommen einen angemessenen leeren Gesichtsausdruck, aber auch die Menschen weisen diesen des Öfteren vor - man möchte meinen, eine beabsichtigte Parallele, die noch einmal die kühle Resignation des Geschehens markiert.

Die Reihe "Doll" verspricht düstere und beklemmende Unterhaltung, die einen unweigerlich in ihren Bann zu ziehen vermag. Wer auf spielerische Zerstreuung hofft, dem sei ganz klar abgeraten. Wer aber hintersinnige und nachdenklich stimmende Manga mag, der wird hier voll auf seine Kosten kommen.

Tina Klinkner



Taschenbuch | Erschienen: 01. Februar 2005 | FSK: 16 | ISBN: 9783865802316 | Preis: 6,50 Euro | 192 Seiten | Sprache: Deutsch

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