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 Der Tag nach dem Klassentreffen

Autoren: Edda Helmke
Verlag: Piper

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Ein Klassentreffen zum zwanzigsten Jahrestag der Abiturienten von Windheim bei Bad Salzbrücken endet in einer Tragödie.
Leonore Weingärtner hat sich gerade für ihre Verabredung mit Carla von Hasseln fertig gemacht, da erreicht sie die Nachricht vom Tod der Freundin. Offenbar war Carla, eine erfolgreiche Autorin von Schönheitsratgebern, am frühen Morgen am Mühlsee joggen. Kurz darauf muss sie in dem, für seine Unterströmungen berüchtigten, See gebadet haben. Dabei ist sie dann ertrunken. Doch irgendwas ist faul an der Sache. Wieso war Carla am See joggen, wo sie doch oben an ihrem Hotel wunderschöne Waldwege zur Verfügung hatte?
Weder Leonore noch Hauptkommissar Bertram Schönberger gehen von einem Unfall aus. Verstärkt wird der Verdacht dadurch, dass weder am See, noch in dem Hotelzimmer der Toten die Kleidung gefunden wurde, welche Carla am Abend des Klassentreffens trug. Eine Autopsie verschafft schnell Gewissheit: Carla wurde mit Chloroform betäubt und dann zum See geschafft.
Schnell wird Leonores Cousin Carsten, ein windiger Taugenichts, zum Hauptverdächtigen. Für die Tatzeit hat er kein Alibi und in seiner Jugend war er eng mit Carla befreundet gewesen. Später war er kurze Zeit mit deren Schwester Nicole verheiratet, mit der er ein behindertes Kind hat. Dann verschwindet er plötzlich spurlos. Was hat Carsten zu verbergen. Während Leonore eher im Verborgenen ihre Nachforschungen anstellt, befragt Bertram Schönberger seine Windheimer Mitbürger sehr offensiv und macht sich damit keine Freunde. Neben verzwickten Verwandtschaftsverhältnissen kommt auch so manches Geheimnis ans Tageslicht, das besser verborgen geblieben wäre ...

Dieser Regional-Krimi aus der Umgebung von Bad Salzbrücken ist bereits Edda Helmkes sechster Roman und bietet dem Leser die klassische Suche nach dem Mörder. Auf knapp vierhundert Seiten schafft es die Autorin hervorragend, das Leben in dem Dorf Windheim realistisch darzustellen. Die Charaktere wirken derart lebensecht, dass man meinen könnte es wären alles tatsächlich existierende Personen, was vermutlich zum Teil sogar stimmt. Gekonnt vermeidet Edda Helmke es ihre Figuren mit subjektiven Beschreibungen in ein gutes oder schlechtes Licht zu rücken. Der Leser lernt die Menschen nach und nach immer besser kennen und jeder hat gute und schlechte Charaktereigenschaften. Wen man sympathisch findet oder nicht, entscheidet der Leser vollkommen eigenständig. Die Unterteilung in Pro- und Antagonisten kann man auf diesen Roman nicht anwenden, und das macht diese Geschichte so reizvoll. Die Fülle an agierenden Charakteren und ihre Verwandtschafts- und Beziehungsverhältnisse gestalten die Lektüre stellenweise aber auch recht schwierig. Man muss das Buch schon sehr aufmerksam lesen, um wichtige Details nicht zu verpassen. Dabei schafft es die Verfasserin der Zeilen ideal die Identität des Mörders im Verborgenen zu halten. Die beiden Hauptpersonen des Romans, Leonore Weingärtner und Bertram Schönberger, verfolgen den Fall jeweils von einer anderen Seite und aus einer anderen Motivation heraus. Ein Team bilden die beiden erst zum Schluss. Zunächst verschweigen sich die privat ermittelnde Leonore und der Polizist Schönberger schon einmal wichtige Details, was es für den Leser ebenfalls erschwert ein Dossier des Opfers zu erstellen und die Tat zu rekonstruieren. Dass dabei die eine oder andere unangenehme Wahrheit ans Tageslicht kommt ist unumgänglich.
Wer hier einen Mord nach dem anderen erwartet dürfte enttäuscht das Buch zur Seite legen. Vielmehr ist dieses Buch für diejenigen interessant, die selber gern in die Haut der Ermittler schlüpfen und miträtseln wollen.
Den Umschlag ziert ein eher unauffälliges, aber sehr treffendes Foto, welches einen verwitterten Steg vor einem nebelverhangenen See zeigt. Genauso wenig effektheischend wie der Inhalt, dafür umso stimmungsvoller.

Fazit:
Perfekte Milieustudie eines kleinen Dorfes, dessen Gemeinschaft durch einen Mord aus den Fugen zu geraten droht. Die Stärke der Autorin ist vor allen Dingen die Charakterisierung der handelnden Personen, die alle äußerst authentisch wirken. Aufmerksamkeit ist bei der Lektüre aber von höchster Wichtigkeit, denn die Fülle an Informationen ist nicht leicht zu behalten und zu ordnen.

Florian Hilleberg



Taschenbuch | Erschienen: 1. Juni 2007 | ISBN: 9783492248976 | Preis: 8.95 Euro | 379 Seiten | Sprache: deutsch

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