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 Das Einhorn, Band 1: Der letzte Tempel des Asklepios

Serie: Das Einhorn, Band 1
Autoren: Mathieu Gabella
Illustratoren: Anthony Jean
Übersetzer: Tanja Krämling
Verlag: Splitter Verlag

Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


1565. Das Zeitalter der Renaissance bringt Veränderungen mit sich, die althergebrachtes Wissen in vielen Bereichen in Frage stellt. Mediziner, Bader, Chirurgen und die Heilige Römische Kirche versuchen zwischen jahrhundertealten Dogmen fußend auf dem Wissen von Hippokrates und Galenus und neuen Erkenntnissen, die durch das Sezieren von Toten und Beobachtungen aus der Praxis der Ärzte erlangt werden, ihre teils unhaltbaren Standpunkte zu verteidigen.
Die Kirche und ihre Jäger verfolgen unnachgiebig und mit außergewöhnlicher Grausamkeit Abweichler und Feinde. Durch Zufall wird Ambrosius Paré, ehemaliger Barbier und Autodidakt, inzwischen aber berühmter Chirurg und vom dogmatischen Ärztestand in Paris argwöhnisch beobachteter Außenseiter, in diesen Streit hineingezogen. Er wird zu einer Autopsie gerufen und ist entsetzt über den Zustand der Leichen. Irgendjemand oder Etwas hat die beiden Menschen auf schreckliche Art und Weise zerfleischt und ausgeweidet.
Kaum wieder zu Hause stürzt Sylvius in Parés Kammer. Der berühmte Anatom, seit zehn Jahren für tot gehalten, stirbt in den Armen seines alten Freundes. Auch er wurde auf das Schrecklichste gefoltert und weiht Paré vor seinem Tod in eine Verschwörung ein, die ebenso undurchsichtig wie für die gesamte Menschheit gefährlich zu sein scheint.
Die einzige Hoffnung, den Untergang zu verhindern, ruht auf einer geheimnisvollen Sekte, den Asklepiaden, einer Hand voll Tapisserien, die den Schlüssel zur Lösung beinhalten sollen und Paré, den der Sterbende inständig bittet, mit dem "Erben", dem Führer der Asklepiaden, Kontakt aufzunehmen.
Paré wird unvermittelt in einen Kampf zwischen der Kirche, den Asklepiaden und Wesen verwickelt, deren Monstrosität direkt aus der Hölle zu entstammen scheint. Doch ausgerechnet diese alptraumhaften Wesen scheinen Garanten für den Fortbestand der menschlichen Rasse zu sein.

Texter Mathieu Gabella und Zeichner Anthony Jean brachten 2006 ein französischsprachiges Album heraus, das für Furore bei Comicfans sorgte. Endlich liegt dieses Album - Teil Eins einer vier Alben umfassenden, teilweise noch in Planung befindlichen Serie -, übersetzt von Tanja Krämling, auch im deutschen Sprachraum vor.
Und bereits nach wenigen Seiten versinkt man, atemlos vor innerer Spannung, in dieser Geschichte. Und ebenso schnell wird klar, dass die Story kaum die Renaissance und ihre Glaubenskriege zum Gegenstand hat oder ein Abenteuer eines ebenso cholerischen wie charismatischen Mediziners ist. Nein, gewöhnlich, alltäglich oder vorhersehbar ist diese Geschichte nicht. Neben den "üblichen Verdächtigen" in einem "Mittelalterkrimi" wie Kardinälen, Gaunern, Soldaten und Huren fallen diverse Gestalten derart aus dem Rahmen, dass man den Mut der jungen Autoren nur bewundern kann.
Denn diese krude Mischung aus Monstern, Mythen und Verschwörungstheorien braucht lange, um zu wirken. Ist man anfangs fasziniert von den fantastischen Zeichnungen, dem sehr direkten, manchmal fast zu harten Tonfall der Texte und der geheimnisvollen Stimmung, die sich aufbaut, gelingt es den Autoren mehr und mehr, die Geschichte wie eine Art Gesamtkunstwerk wirken zu lassen.
Jedes noch so kleine Detail - sei es die unglaublich interessante Darstellung der verschiedenen, damals Verwendung findenden, Operationsmethoden oder die minutiös ausgearbeitete Ansicht der Landschaften und Städte - passt in dieses Bild, fügt sich ein in ein Abenteuer, dass in seiner Einmaligkeit staunen lässt.

Wer Geschichten liebt, die Mythen, Sagen, Fantasy und Realität mischen und ebenso gekonnt historisch korrekte Szenarien mit ausufernder Fabulierlust verweben, sollte sich diesen prachtvoll gebundenen und in erstklassiger Qualität gedruckten Comicband unbedingt einmal ansehen. Selten ist eine so faszinierende Geschichte über das Zeitalter der Renaissance im Comic-Genre erzählt worden.

Ein besonderes Lob verdient auch die Doppelseite am Schluss dieses Bandes. Sie beschreibt sehr ausführlich historische Komponenten, die in Zeichnungen und Text Verwendung fanden und listet ausführlich die Hauptcharaktere inklusive ihres realen Lebenslaufes auf.

Stefan Erlemann



Hardcover | Erschienen: 1. Oktober 2007 | ISBN: 9783939823759 | Preis: 12,80 Euro | 48 Seiten | Sprache: Deutsch

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