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 Der letzte Weynfeldt

Autoren: Martin Suter
Verlag: Diogenes

Cover
Gesamt +++--
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Adrian Weynfeldt ist Mitte fünfzig, alleinstehend und kinderlos. Großbürgerlich aufgewachsen und erzogen verdient er allein durch die Vermietung eines geerbten Hauses an eine Bank eine Million Euro im Jahr. Zudem arbeitet er als Experte für Schweizer Kunst. Wie üblich geht er nach einem Abend, den er mit dem älteren seiner zwei Freundeskreise verbracht hat, noch auf einen Martini ins La Rivière. Obwohl der Abend wie ähnliche Abende dieser Art begonnen hat, beendet Adrian Weynfeldt ihn ganz entgegen seiner Gepflogenheiten: Er nimmt eine junge Frau namens Lorena mit zu sich nach Hause, nicht wissend, dass er sich verlieben und sie sein ruhiges Leben gehörig durcheinanderwirbeln wird.

Während der Vorbereitungen einer Auktion, auf der Weynfeldt ein berühmtes Bild des Schweizer Malers Félix Valloton versteigern soll, erkennt Adrian Weynfeldt, dass sowohl Lorena als auch einige seiner Freunde ein falsches Spiel spielen ...

Adrian Weynfeldt glaubt an "die Regelmäßigkeit als lebensverlängernde Maßnahme". Eine spannungserzeugende Maßnahme ist die Regelmäßigkeit für einen Roman allerdings nicht. Obwohl die junge Lorena Abwechslung in das Leben von Weynfeldt bringt, sind die Turbulenzen, die sie auslöst, weder erschütternd noch tief greifend. Weynfeldt lebt sein Leben wie zuvor. Obwohl er verliebt ist, wirkt er seltsam unberührt. Als Leser wartet man darauf, dass er endlich aus seinem Dämmerschlaf erwacht, dass Lorena ihn wachküsst, dass er seinen schmarotzenden, jüngeren Freunden offensiver gegenübertritt, dass er seine lebensverlängernde Passivität und Regelmäßigkeit gegen spannungserzeugende Aktivitäten und Überraschungen eintauscht. So langweilig kann doch ein Leben nicht sein, dass man schon beim Lesen darüber einschläft.

Natürlich schläft man beim Lesen von Martin Suters neuem Roman nicht ein, dazu beherrscht der Autor sein Handwerk zu gut: Kein Wort zuviel beschwert den Plot, die klare und prägnante Sprache, ihre schlichte Eleganz, zeugt von Können und Kunst. Und als Weynfeldt es am Ende des Buches schließlich doch schafft, den Leser zu überraschen, legt man den Roman doch noch ausgesöhnt zur Seite, wenn auch nicht hundertprozentig überzeugt.

Der Protagonist dieses Romans ist sicher nicht jedermanns Geschmack, auch die Geschichte wirkt manchmal allzu seicht, mit Entwicklungen und Vorkommnissen, die nicht tief genug eingreifen in das Leben der Figuren, sich für den Leser nicht spürbar genug auswirken. Und auch wenn Suters Sprache wie immer kunstvoll und lesenswert ist, ist es vielleicht gerade die Mischung aus Plot und Schreibstil, die den Roman letztlich nicht überzeugend wirken lässt: Es gibt keine Reibung, sodass am Ende einfach die Wärme fehlt und das Leben.

Katja Maria Weinl



Hardcover | Erschienen: 01. Februar 2008 | ISBN: 9783257066302 | Preis: 19,90 Euro | 314 Seiten | Sprache: Deutsch

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