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 Peking Reijin Sho, Band 1: Peking Reijin Sho Band 1

Serie: Peking Reijin Sho, Band 1
Autoren: Natsuki Sumeragi
Illustratoren: Natsuki Sumeragi
Übersetzer: Claudia Peter
Verlag: Egmont Manga & Anime

Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


In den 20er Jahren steht Peking an der Schwelle zur Moderne, kann mit den Traditionen und Gepflogenheiten des feudalen Systems aber immer noch nicht ganz abschließen. Der frische Wind, der durch die Stadt weht, stößt so immer wieder auf Widerstand.

Auch Rushan stößt auf Widerstand, als er seinen großen Traum erfüllen will: Er möchte Schauspieler der berühmten Peking-Oper werden. Schauspieler werden jedoch ausgegrenzt und in der Gesellschaft für ebenso wenig wert befunden wie Bettler. Deshalb ist es für Rushans wohlhabende und angesehene Familie völlig ausgeschlossen, dass Rushan seinem großen Vorbild, dem berühmten Frauendarsteller Yang Luoxian, nacheifert. Besonders Ruhai, sein älterer Bruder, versucht vehement, Rushan von der Erfüllung seiner Träume abzuhalten.
Allerdings hat er die Rechnung ohne den schönen Yang Luoxian und die Schauspieler der Peking-Oper gemacht. Diese verhelfen Rushan nämlich zur Flucht, sodass dieser sein Schicksal selbst in die Hand nehmen kann.

Da wird auch Ruhai klar, dass er die Peking-Oper eigentlich liebt und nicht seinen langweiligen Job bei der Bank, den ihm seine Eltern aufgezwungen haben. Auch Ruhai wollte nämlich bei der Oper arbeiten. Nicht als Schauspieler, wie sein Bruder, sondern als Stückeschreiber. Diesen Wunsch will Ruhai nun wieder aufnehmen. Jeden Abend besucht er die Oper und wird dabei besonders von Yang Luoxian inspiriert. Dabei merkt Ruhai gar nicht, wie sehr er seine Ehefrau, die seine Familie einst für ihn ausgesucht hat, vernachlässigt und wie sehr sich diese nach etwas Liebe sehnt.

"Pekin Reijin Sho" ist ein Manga, der mehrere lose miteinander verknüpfte Kurzgeschichten beinhaltet. Verbindendes Element ist hierbei sowohl die Peking-Oper als auch Yang Luoxian, der in allen Geschichten eine mehr oder minder große Rolle spielt. Der Frauendarsteller ist stets ruhig und gütig, er hilft seinen Mitmenschen wo er kann und doch hat auch er seine dunklen Geheimnisse. Oftmals muss der Schauspieler feststellen, dass sich große Dramen nicht nur auf der Bühne abspielen und vielleicht ist diese Ähnlichkeit, die die Oper bisweilen mit dem realen Leben aufweist, der Grund dafür, dass Yang Luoxian immer so geschickt intervenieren und immer die richtigen Worte finden kann.

Tatsächlich sind die Geschichten alle recht dramatisch, aber nie realitätsfern oder unglaubwürdig geschildert. Natsuki Sumeragi schafft es, ein realistisches Bild von Peking in Zeiten des Umbruchs zu zeichnen und darin die Schicksale ihrer Protagonisten einzuflechten, die den Leser berühren. Die Autorin legt viel Wert auf diese Figuren und ihre Gedanken und Gefühle; Action oder Humor wird man dagegen vergeblich suchen.

Der Manga erschien bereits 1995 in Japan und dem Artwork merkt man das Alter auch an, denn in diesem ungewöhnlichen, aber schönen Stil findet man heute nur noch wenige Werke. Er ist - dem Inhalt des Mangas entsprechend - deutlich chinesisch angehaucht und beeindruckt vor allem durch die detailreichen und opulent wirkenden Kostüme der Schauspieler. Im Kontrast dazu bleiben die Hintergründe meist schwarz oder weiß, was die Figuren noch mehr hervorhebt.

Natsuki Sumeragi erzählt hier sehr leise, anrührende Geschichten, die sie auch grafisch liebevoll umsetzt. Auf subtile Weise zeigt sie dem Leser, dass es sich lohnt, nach den Sternen zu greifen, dass man sich manchmal aber auch mit dem zufrieden geben muss, was man hat. Untrennbar mit den Schicksalen ihrer Hauptfiguren verknüpft, beleuchtet die Autorin auch immer wieder die damalige chinesische Gesellschaft und regt dazu an, sich näher mit dem Thema zu befassen.
Aufgrund des oftmals symbolischen Charakters der Geschichte, ihres Tiefgangs und ihres überschaubaren Erzähltempos ist dieser Manga eher für ältere Jugendliche und Erwachsene geeignet. Denn während diese den Feinsinn und Realismus der Autorin sicher schätzen werden, könnten sich jüngere Leser schnell langweilen. Trotzdem kann man hier nur eine Empfehlung aussprechen: Wer unkonventionelle Mangas mag, die sich an ein reiferes Publikum richten, wird in dem zweibändigen Werk "Peking Reijin Sho" eine wahre und seltene Perle der deutschen Mangalandschaft finden.

Linda Dannenberg



Taschenbuch | Erschienen: 01. Mai 2008 | ISBN: 9783770468768 | Preis: 7,50 Euro | 186 Seiten | Sprache: Deutsch

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